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TradeCentre Editorial

Liebe Leser,

"Wir wollen keinen Besitz haben, wir wollen die Wahl haben." - Während der erste Teil dieses Satzes problemlos Assoziationen mit antiquiertem kommunistischem Gedankengut zulässt, ist der zweite Teil so aktuell und modern wie nie. Er stammt von dem Architekten Eric Höweler, der mit seinem Urbanitätskonzept "Shareway 2030" Deutschlands höchstdotierten Architekturwettbewerb, den Audi Urban Future Award 2012, gewann.
Im Jahr 2030 sollen, je nach Schätzung, zwischen 60 und 80 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Dies fordert neue Mobilitätskonzepte. Ein zwingender Weg ist natürlich der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Höweler räumt in seinem Urbanitätskonzept aber auch dem Carsharing einen zentralen Stellenwert ein. Schon heute sehen Stadtbewohner immer weniger Gründe, sich für teures Geld einen eigenen PKW zu kaufen, den man ohnehin nur im Stop-and-Go-Verfahren durch die verstopften Straßen bewegen kann. Schlecht für die Automobilbranche, die Gefahr läuft immer mehr Kunden an den ÖPNV zu verlieren. Um dem Auto dennoch seinen Platz in den Städten der Zukunft zu sichern, pushen Daimler, BMW, VW und Co. mittlerweile die gemeinsame Nutzung eines Automobils, das Carsharing. Wer gerade ein Fahrzeug braucht, sucht per App den nächstgelegenen Standort, fährt los und stellt es an beliebiger Stelle wieder ab. Gezahlt wird nur die Fahrzeit von A nach B. Innerhalb dieses Konzeptes erhält selbst das noch sehr teure, aber Smog-freundliche Elektroauto eine neue Bedeutung.
Diese sogenannte "Shareconomy" ist ein "Kind des Internet" und erst durch die multimediale Vernetzung möglich. Den Status Quo nach der Erfindung des Internet haben  wir also noch lange nicht erreicht, sondern stehen erst am Anfang tiefgreifender gesellschaftlicher und auch industrieller Veränderungen. Dabei können gerade wir als Börsianer Entwicklungen hautnah mitverfolgen. Was gibt es spannenderes!?

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
09.02.2014
Die TradeCentre Website ist aktualisiert. Sehen sie sich um!
Liebe Leser,

wir freuen uns sehr, dass Sie ab sofort auf die überarbeitete und aktualisierte Version unserer Website www.tradecentre.de zugreifen können. Besonders freuen wir uns, dass der britische Künstler Andy Beck uns sein Gemälde "Bear vs. Bull" freigegeben hat. Als ich sein Werk zum ersten Mal gesehen hatte, war ich sofort von der Spannung im Bild fasziniert. Es ist förmlich greifbar, wie sich die beiden starken Kontrahenten Bulle und Bär vorsichtig und mit größtem Respekt einander annähern, der Ausgang ihrer Auseinandersetzung jedoch völlig ungewiss ist. In diesem Bild steckt genau die Art Leidenschaft für die Börse, mit der wir uns Tag für Tag auf die Suche nach Aktienbullen begeben. Deshalb wollten wir es gerne als unser visuelles Aushängeschild auf die Startseite bringen. Denn Börse ist genau das: Spannung, Leidenschaft und das Streben nach Erfolg, den man auf Dauer aber nur durch hohen Krafteinsatz, konzentrierte Arbeit, Disziplin und das mutige Treffen selbstverantworteter Entscheidungen erreichen kann. Sehen Sie sich das Bild selbst an!
Inhaltlich haben wir auf der Website v.a. unter der Rubrik "Börsenbrief" unsere Arbeitsweise bei TradeCentre genauer erläutert. Es ist uns sehr wichtig, dass die Kriterien, nach denen wir uns auf die Aktiensuche begeben, für Sie transparent sind und dass Sie wissen, wie wir beim Aktienresearch und unseren Anlageentscheidungen "ticken".
Die heutige Ausgabe enthält zum ersten Mal eine Watchlist, in welche wir Aktien aufgenommen haben, die wir in früheren Briefen besprachen und auf die wir aktuell ein besonderes Augenmerk richten. Eine solche Watchlist werden wir auch zukünftig nach Bedarf im Brief einbauen.

Viel Erfolg und viel Freude an der Börse wünscht Ihnen,
Frank Notar
04.01.2014
TradeCentre-Editorial
Liebe Leser,

Sie erhalten die erste Ausgabe des Trade-Centre-Börsenbriefs in 2014 bereits einen Tag früher als ursprünglich geplant. Ich wünsche Ihnen, dass Sie frisch und motiviert ins neue Jahr gestartet sind und dass es deutlich mehr positive, denn negative Überraschungen für Sie bereithalten wird.
Bei TradeCentre werden wir wieder alles daransetzen, die aussichtsreichsten Aktienstories für Sie herauszuarbeiten und Sie auch vor manchem Rohrkrepierer zu warnen. Wir freuen uns und sind stolz darauf, Sie mit unseren Beobachtungen, Analysen und Gedanken auf dem Börsenparkett begleiten zu dürfen.
Die Aktienindizes sind derweil mit "hängenden Köpfen" ins neue Jahr gestartet. Dies kann natürlich nicht paradigmatisch auf das gesamte Börsenjahr hochgerechnet werden, aber es zeigt, dass sich die Investoren nach der großen Hausse, die Mitte 2012 startete, zunächst nur mit Vorsicht auf`s Spielfeld wagen. Es gilt jetzt, die Spielregeln für das neue Jahr abzustecken und die Themen zu eruieren, welche den Marktverlauf bestimmen werden. In 2013 war dies v.a. die Frage gewesen, wie lange das QE3 fortgesetzt wird und wann das Tapering einsetzt. Da Ben Bernanke die Katze im Dezember aus dem Sack gelassen hat und die monatlichen Anleihekäufe ab sofort von $ 85 Mrd auf $ 75 Mrd reduziert werden, lautet die wichtigste Frage nun, wie der Markt mit dieser neuen Situation umgeht. Kann die Liquiditätshausse trotzdem weitergehen, oder zapft dieser Schritt dem Bullen jetzt stückweise den Saft ab? Diesen Zusammenhang gilt es, jetzt ganz genau zu beobachten.

Ich wünsche Ihnen ein gesundes, zufriedenes und erfolgreiches Jahr 2014,
Frank Notar
23.12.2013
TradeCentre-Editorial
Liebe Leser,

mit Spannung waren am vergangenen Mitt­woch die Ergebnisse der Sitzung des Offenmarktausschusses der FED erwartet worden – und sie brachten eine Überraschung: früher als von der Mehrheit der Analysten erwartet startet Ben Bernanke das Tapering. Bereits ab Januar 2014 sinkt das Volumen der monatlichen Anleihe­käufe von 85 auf 75 Mrd. Dollar. In der vergangenen Woche hatte ich an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es durchaus gute Argumente für eine baldige Drosselung gibt. Die befürchtete Verkaufswelle am Aktienmarkt ist hingegen ausgeblieben – im Gegenteil, nach einem kurzen Rücksetzer setzten sich die Bullen durch. Auch deshalb, weil eine baldige Zinssenkung nicht droht. Frühestens 2015 soll an der Zinsschraube gedreht werden. Die geldpolitische Wende ist eingeleitet, aber mit Bedacht. Die Unsicherheit ist damit erst einmal aus dem Markt und wir befinden uns mitten in der Jahresendrallye.
In dieser Woche erhalten Sie die Weihnachts-Doppelausgabe von TradeCentre mit einem besonderen Jahresrückblick. Wir haben für Sie alle Muster­depotwerte des Jahres 2013 unter die Lupe genommen. Welche Grundgedanken führten zu erfolgreichen Trades und welche nicht? Wie war unser Timing beim Einstieg und wie haben sich die Ex-Depotwerte nach unserem Verkauf entwickelt? Die mitunter überraschenden Ergebnisse finden Sie ab Seite 7. Im Fazit ab Seite 18 haben wir dann herausgefiltert, welche Gemeinsamkeiten unsere erfolgreichen Trades aufwiesen. Wir haben hier aus unseren Trades Kriterien abgeleitet, die charakteristisch für einen Aktienbullen sind. Damit versuchen wir die Frage "Wie finde ich Outperformer" zu beantworten.
An dieser Stelle möchte ich Ihnen für Ihre Treue im Jahr 2013 danken und Ihnen ein frohes Weihnachtsfest sowie ein gesundes und erfolgreiches  Jahr 2014 wünschen! Die nächste Trade­Centre-Ausgabe erscheint am 5. Januar 2014.

Viel Erfolg und viel Freude an der Börse wünscht Ihnen,
Frank Notar
15.12.2013
Es ist Vorsicht angebracht
Liebe Leser,

dieser Tage gilt wieder das Motto: "Alle Augen auf Ben Bernanke". Aber natürlich nicht in  erster Linie wegen seines 60. Geburtstags, den der mächtigste Man der westlichen Finanzwelt am Freitag feiern konnte. Auf was die Börsenakteure mit Spannung warten, sind vielmehr die Ergebnisse der Sitzung des Offenmarktausschusses der FED, welche am Mittwoch kommuniziert werden. Wir erinnern uns: Viele Investoren hatten bereits für die Sitzung im September mit einer Drosselung der Wertpapierkäufe (Tapering) gerechnet. Als diese dann ausblieb, reagierten die Aktienmärkte zunächst euphorisch, gingen aber schon einen Tag später in eine 3-wöchige Korrektur über. Für diesen Mittwoch rechnet laut Reuters die Mehrzahl der Analysten noch nicht mit einer Drosselung. Eine solche wird mehrheitlich erst für März 2014 erwartet. In diesem Fall, würde die designierte FED-Chefin Janet Yellen, die selbst eine starke Verfechterin der Liquiditätsflutung ist, diesen Schritt verkünden müssen. Es gäbe allerdings auch gute Argumente für eine Drosselung schon im Dezember. Denn in jüngster Zeit gab es eine Reihe von Konjunkturdaten die belegen, dass sich die USA auf dem Wege der Besserung befinden. Vor diesem Hintergrund ist auch der bislang sehr schwache Kursverlauf im Dezember zu verstehen: Die Anleger sind nervös und fürchten sich (immer noch) vor dem Tapering. Eine Verkaufswelle am Aktienmarkt könnte dann sogar recht markant werden, weil das Sentiment aktuell sehr bullisch ist und eine gewisse Sorglosigkeit offenbart. In den nächsten Tagen ist also Vorsicht angebracht.

Viel Erfolg und viel Freude an der Börse wünscht Ihnen,
Frank Notar
24.11.2013
TradeCentre-Editorial
Liebe Leser,

das wohl heißeste Eisen am US-amerikanischen Aktienmarkt sind derzeit sicherlich die 3D-Drucker-Aktien. Seit Mitte Oktober mischt auch das deutsche 3-Druck-Unternehmen Voxeljet in diesem Spiel mit und wurde nach dem IPO fast schon exorbitant in die Höhe katapultiert. Nachdem wir unsere Analyse zur heutigen "Aktie der Woche" fertiggestellt hatten, kam die Aktie von ihrem Himmelsflug wieder zurück und verlor binnen 3 Tagen fast 50% an Wert. Die fundamentalen Aspekte unserer Analyse bleiben von diesem Kurssturz unberührt. Die Bewertung der Aktie hat sich allerdings deutlich geändert. Um Ihnen zu veranschaulichen, in welche Blüten die "Kaufpanik" getrieben hatte, blieben die Bewertungsrechnungen im Text und den fundamental Charts unverändert. An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass die Marktkapitalisierung aktuell, bei einem Aktienkurs von $ 35,86, $ 559 Mio beträgt. Im Text mussten wir noch mit $ 1,1 Mrd rechnen! Das KUV13 liegt allerdings immer noch bei etwa 43. Darum hat sich an unserer Schlussfolgerung, dass die Aktie im Vergleich zur Peer-Group stark überteuert ist, nichts geändert. Selbst nach diesem Kurseinbruch würden wir das Papier noch nicht kaufen, sondern eine weitere Korrekturwelle abwarten. Langfristig ist das Unternehmen aber durchaus sehr interessant. Die Bewertungsrelationen sollten für einen Einstieg aber zumindest annäherungsweise stimmen. Der Gesamt-markt hat derweil am Wochenschluss wieder Stärke gezeigt und S&P und Dow Jones schlossen auf Allzeithochs. Man kann es drehen wie man will... das sieht bullisch aus.

Viel Erfolg und viel Freude an der Börse wünscht Ihnen,
Frank Notar
17.11.2013
Kann man eine Unternehmensinsolvenz kommen sehen?
Liebe Leser,

es ist wieder passiert. Ein Unternehmen, das noch vor wenigen Monaten erfolgreich um das Vertrauen von Investoren geworben hatte und über eine Mittelstandsanleihe rund € 40 Mio Kapital einsammelte, ist insolvent. Das Geld der Investoren ist damit vernichtet. Es geht konkret um die Getgoods AG, vor deren Anleihen wir Sie schon sehr frühzeitig eindringlich gewarnt hatten (siehe Seite 3). Es lohnt sich also, unsere regelmäßigen Analysen und Einschätzungen zu Mittelstandsanleihen zu verfolgen. Wenn ein solcher Fall eintritt, stellt sich jeder Betroffene die Frage, ob man das nicht hätte vorher wissen können. Man kann nicht jede Insolvenz kommen sehen (Beispiel Hess AG), aber oftmals gibt es handfeste Hinweise in der Bilanz. Einmal verfügen insolvenzgefährdete Unternehmen über wenig Eigenkapital (EK). Dabei ist eine niedrige EK-Quote, bei Getgoods lag diese zum H1 bei 21%, nur ein erster Hinweis. Die wichtigste Kennzahl zur Beurteilung der finanziellen Stabilität ist das Gearing, also der Quotient aus Netto-Finanzver-bindlichkeiten (Finanzverbindl. - liquide Mittel) und EK. Getgoods hatte zwar € 41 Mio zu verzinsende Schulden, in der Kasse lagen aber nur noch € 802.000 (!), sodass man netto mit € 40 Mio verschuldet war. In Relation zu den € 26 Mio EK ergibt sich ein Gearing von 154%. Das  ist viel zu viel! Den Sargnagel rammten bei diesem Finanzierungsfiasko nun die negativen Cashflows hinein. Während man im H1-Bericht das Wort "Cashflow" vergeblich sucht, wurde zum 31.12.12 en operativer Cashflow von € -35 Mio (Free CF € 36 Mio) ausgewiesen. D.h. obwohl der Konzern quasi nichts direkt ins Geschäft investiert hatte, flossen € 36 Mio aus der Kasse heraus. Die Anleihe diente also nicht wirklich der Wachstumsfinanzierung, sondern dem Überleben. Der Cashflow ist deshalb wichtiger als der Konzerngewinn, weil er aufzeigt, welche Mittel tatsächlich zahlungswirksam waren und nicht nur buchhalterisch in der GuV auftauchen. Werfen Sie also vor jedem Investment einen Blick in die Bilanz.

Viel Erfolg und viel Freude an der Börse wünscht,
Frank Notar
10.11.2013
Trade what you see, not what you think
Liebe Leser,

wie geht es am Markt weiter? Rennt der Bulle weiter, oder kommt endlich eine 20-Prozent-Korrektur, welche die schönen aufgelaufenen Gewinne wieder zunichte macht? "Endlich zunichte macht" - möchte man fast sagen. Denn irgendwie kann man gar nicht so recht glauben, dass sich die Gewinner im Depot noch weiter nach oben schrauben und auch neue Engagements recht schnell in den positiven Bereich laufen. Denn gelernt haben wir in den vergangen 6 Jahren genau das Gegenteil. Nämlich, dass die Börse jedes zarte Pflänzchen Hoffnung in die Nachhaltigkeit eines Aufwärtstrends auf dem Fuß zertrampelt und aufkommenden Optimismus mit einem Crash "bestraft". Diese Innenschau beantwortet zwar nicht die Eingangsfrage danach, was jetzt am Markt passiert, denn das weiß niemand. Aber sie führt uns vor Augen, dass viele Investoren, denen die letzten Jahre noch in den Knochen stecken, sich ganz bewusst folgende Börsenregel einprägen sollten: "Trade what you see, not what you think." Das heißt im Grunde nichts anderes als "Denke nicht nach, sondern folge dem Trend". Dies darf natürlich niemals selbstgefällig und sorglos sein, sondern immer auf der Basis eines guten Risikomanagements. Aber aufgrund der aktuellen Trendstärke bleibt nichts anderes übrig, als Dips oder prozyklische Breaks zu kaufen. Am Donnerstag setzte der Markt zwar zu einer Korrektur an, aber schon einen Tag später kam der Konter und der S&P500 machte die gesamten Verluste, trotz Ängsten bzgl. eines nahenden Taperings, postwenden wett. Der Markt schaut also zur Zeit auf die Chancen und nicht auf die Risiken, wenngleich solche in mannigfaltiger Weise vorhanden sind, wie z.B. Deflationssorgen in Europa oder wieder schwache Börsen in China. Ein Thema, vor dem viele Experten großen Respekt haben, ist bspw. auch die Gefahr eines plötzlichen Stopps des Dollar/Renmin-bi-Carry-Trades, wenn in den USA das Zinsniveau wieder steigen sollte. Aber wenn das "große Geld" optimistisch ist, muss es das kleine auch  sein.

Viel Erfolg und viel Freude an der Börse wünscht,
Frank Notar
03.11.2013
Zur Bedeutung eines umfassenden Risikomanagements
Liebe Leser,

in den letzten Tagen und Wochen hat der Markt einzelne Unternehmen teilweise extrem abgestraft. Viele dieser Unternehmen hatten eines gemeinsam: eine Gewinnwarnung. Zu den Warnern gehörten beispielsweise Bauer, Technotrans, Schindler, Adva, Kabel Deutschland, Höft & Wessel, 2G Energy oder Intershop. Die zum Teil verheerenden Kursreaktionen auf die Warnungen machen eindringlich klar, dass der Aktienbulle keinesfalls handzahm geworden ist und man auch in der dynamischsten Hausse immer sein Moneymanagement im Blick haben muss. Denn selbst die sorgfältigste Analyse schützt uns nicht davor, vielleicht in eine Aktie zu investieren, die "aus heiterem Himmel" die Jahresprognose stutzt. Man kann dieses Risiko sicherlich begrenzen, aber niemals völlig eliminieren.
Darum ist es für das langfristige Überleben und Vorankommen an der Börse unabdingbar, neben dem Setzen von Stopp-Loss-Marken auch die Positionsgröße eines einzelnen Investments unter Risiko-Gesichtspunkten zu bestimmen. Aus einem extremen Down-Gap à la Bauer etwa - die Aktie eröffnete trotz eines zuvor sehr bullischen Verhaltens 14% tiefer - kommt man nur halbwegs geordnet wieder heraus, wenn die Positionsgröße von vornherein nicht überdimensional groß gewählt wurde. Denn in diesem Fall hätte auch kein noch so sinnvoll gesetzter Stopp-Loss mehr greifen können. Das erste Ziel beim Aktienhandel muss immer der Kapitalerhalt sein. Dann erst kommt der Blick auf die Gewinne.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg
und viel Freude an der Börse,
Frank Notar
27.10.2013
Sollte man dem Bullen vertrauen?
Liebe Leser,

wer sich als Investor mit seinem hart verdienten Geld - oder vielleicht noch schlimmer, mit dem hart verdienten Geld anderer Menschen - an die Aktienmärkte wagt, der ist auf eine Eigenschaft in besonderem Maße angewiesen: Vertrauen. Denn nur mit Hilfe des Vertrauens kann man den allgegenwärtigen Risiken der  Börsenwelt dauerhaft begegnen. In was müssen wir unser Vertrauen setzen? An allererster Stelle natürlich darin, dass unser Moneymanagement-System funktioniert und dass wir uns auch konsequent daran halten. Dann brauchen wir Vertrauen in unsere eignen Einschätzungen bzgl. der künftigen Entwicklung einzelner Aktien oder Märkte, aber auch in die Richtigkeit der Finanzmarktkommunikation von Unternehmen. Im aktuellen Marktumfeld stellt sich die folgende Vertrauensfrage in besonderem Maße: "Ist der Bullenmarkt nachhaltig?". Diese Frage dürften wohl die wenigsten Investoren, denen der Schrecken der Finanz- und Eurozonen-Crashs noch in den Knochen steckt, freien Mutes mit "ja" beantworten. Die Investoren haben ihre gelernte Angst, dass quasi jederzeit der Blitz einschlagen kann und die Bullenparty beendet, noch lange nicht abgelegt. Dies zeigen aktuelle Sentimentdaten. Aber gerade jetzt ist es wichtig, dem Bullenmarkt zu vertrauen!  Denn die Euro-Krise schwächt sich weiter ab, was die deutlich gefallenen Risikoaufschläge auf Süd-Staaten-Anleihen bestätigen. Unser Intermarket-Pivotal-Point vom 18. September (nach dem Fortsetzen des QE3) ist intakt und der medial enorm aufgepuschte Streit in den USA bzgl. der Anhebung der Schuldenobergrenze reichte nur für ein kurzes Mini-Korrektürchen. Die Indizes streben unbeeindruckt nach oben, wie auch unser heutiger "Aktienbulle der Woche" eindrucksvoll belegt. Aus unserer Sicht kann man im aktuellen Marktumfeld also Kaufsetups und Korrekturen konsequent handeln, aber das Risikomanagement natürlich genausol konsequent beachten.

Viel Erfolg und viel Freude an der Börse wünscht,
Frank Notar
20.10.2013
TradeCentre-Editorial
Liebe Leser,

einer der faszinierendsten Wesenszüge, mit denen der Aktienmarkt uns Anleger immer wieder beglückt, ist sein Gedächtnis. Damit meine ich, dass der Markt bestimmte fundamentale Ereignisse durch besondere Kursreaktionen "abspeichert". Dieses Abspeichern geschieht in Form von Pivotal-Points, d.h. aufgrund einer bestimmten fundamentalen Meldung steigt der Kurs stark an. Am besten geschieht dies noch mit hohen Volumina und es wird eine wichtige Chartmarke geknackt. Wenn dies geschieht, dann hat der Markt sozusagen einen Marker im Chartbild gesetzt, der auch Wochen später noch eine besondere Bedeutung hat. Diese Bedeutung erschließt sich aber nur demjenigen, der systematisch nach solchen Punkten sucht, deren Entstehungsgrund analysiert und sie sich dann auch merkt. In unseren Pivotal-Charts tun wir genau das.
Aus Intermarket-Sicht hatte ich an dieser Stelle den Pivotal-Point am 18. September herausgestellt. An diesem Tag setzte Ben Bernanke überraschend das QE3 fort und über alle Asset-Klassen hinweg gab es bullische Kaufreaktionen. Der Hochpunkt dieses besonderen Tages wurde jetzt im S&P 500 wieder überschritten. D.h. dieser starke Pivotal ist aktiv und der Bullenmarkt aus unserer Sicht daher weiter intakt.
Bei der Auswahl unser "Aktie der Woche" haben wir diesmal, zum zweiten Mal seit Bechtle letzte Woche, das Pech, dass die Aktie nach Redaktionsschluss stark angesprungen ist. Der aktuelle Wert "Bauer" war ein heißer Kaufkandidat, ist aber am Freitag nach einer Heraufstufung durch Berenberg massiv angesprungen. Auch unser letzter Kaufversuch Allgeier hat, aus unserer Sicht, den Vorwärtsgang zu schnell eingelegt und unser Limit nicht mehr erreicht. Solche Dinge sind natürlich sehr ärgerlich, aber sie gehören zum "Spiel der Spiele" dazu. Wir werden jedenfalls weiter nach den besten Aktienstories graben und Ihnen auch in Zukunft viele aussichtsreiche Unternehmen und Kaufkan-didaten vorstellen.

Viel Erfolg und viel Freude an der Börse wünscht,
Frank Notar
12.10.2013
TradeCentre-Editorial
Liebe Leser,

auf der einen Seite ist es ärgerlich, auf der anderen Seite aber auch eine schöne Bestätigung. Denn als wir unsere aktuelle "Aktie der Woche", Bechtle, als solche herausgefiltert hatten und die Analyse anfertigten, notierte das Papier noch innerhalb der bullischen Seitwärtsrange. Mittlerweile ist die Aktie jedoch mit Pauken und Trompeten aus dieser ausgebrochen. Der Markt setzt hier also voll darauf, dass die "Vision 2020" aufgeht. Wie ambitioniert diese Vision ist und welches Potenzial diese eröffnen kann, lesen Sie drei Seiten weiter. Es könnte sein, dass sich der Bulle hier, mit Blick auf die nächsten Jahre natürlich, gerade erst warm läuft.
Werfen wir einen Blick auf den Gesamtmarkt. Neben dem Intermarket-Pivotal-Point vom 18. September, den ich in den beiden letzten Editorials bereits strapaziert hatte, kommt nun auch dem 9. Oktober eine besondere Bedeutung zu. Denn an diesem Tag vollzogen die Märkte eine klassische Umkehr und der S&P bildete einen Hammer. Dieser kam durch sehr hohe Angstwerte bei den Investoren zustande, denn das "Angst-Barometer" Put-Call-Ratio war mit einem Wert von 1,3 so hoch, wie seit der Korrektur im Juni nicht mehr. Das ist positiv! Am darauf folgenden Tag, dem Donnerstag, stieg der Markt sehr dynamisch an und bestätigte damit die Umkehr. Besonders erfreulich war hier, dass an der NYSE 92% des gehandelten Volumens "Kaufvolumen" war. Dies verleiht der Umkehr Signifikanz. Die Ernennung von Janet Yellen zur neuen Fed-Chefin und der Silberstreif am Horizont im US-Haushaltsstreit, hinterlassen also Positives in der Marktstruktur.

Viel Erfolg und viel Freude an der Börse wünscht,
Frank Notar
05.10.2013
Ist der Intermarket-Pivotal-Point noch intakt?
Liebe Leser,

schauen wir uns an, was uns das Verhalten der Finanzmärkte über den Zustand des Bullen-marktes sagt. Um hier ein möglichst umfassendes Bild zeichnen zu können ist es wichtig, die Performance der einzelnen Asset-Klassen im Kontext wichtiger politischer oder sonstiger Ereignisse zu betrachten, die den Markt normalerweise tangieren.
Im Editorial der letzten TradeCentre-Ausgabe stellte ich die These auf, dass der 18. September ein wichtiger Intermarket-Pivotal-Point war und der Bullenmarkt solange intakt ist, wie die bullischen Indikationen dieses Tages Bestand haben. An diesem Tag verkündete Ben Bernanke überraschend die Fortsetzung der Anleihekäufe und wichtige Asset-Klassen reagierten sehr bullisch auf diese Nachricht.
Wie steht es heute um diese Preisreaktionen? Haben sie noch Bestand? Während der S&P 500 unterhalb des Pivotals korrigiert, schloss die Nasdaq am Freitag über dem Schlusskurs dieses Tages. Der EUR/USD und das konjunktursensible Kupfer notieren ebenfalls höher. Der Goldpreis blieb fast unverändert, wobei er sozusagen  Rückendeckung vom Australischen Dollar erhält. Denn der AUD/USD korreliert oftmals mit der Goldpreisentwicklung und zeigt aktuell zum ersten Mal seit April wieder ernsthafte Aufwärtstendenzen.
Ich deute dieses Intermarket-Verhalten so, dass der Bulle seinen Lauf noch nicht abgebrochen hat und weiter nach vorne schaut. Dies gilt zumal vor dem Hintergrund, dass der schwelende US-Haushaltsstreit die Stimmung an den Börsen eigentlich belastet.

Viel Erfolg
und viel Freude an der Börse wünscht,
Frank Notar
28.09.2013
Intermarket-Pivotal-Point: Der 18. September muss halten, was er verspricht!
Liebe Leser,

es gibt aktuell einen Börsentag, dem ich für die weitere Entwicklung des Aktienmarktes eine entscheidende Bedeutung zuspreche. Es ist weder der Tag der Bundestagswahl in Deutschland, noch wird es der 1. Oktober sein, also der Tag, an welchem den USA - einmal mehr - die Zahlungsunfähigkeit droht, falls sich die Regierung nicht auf eine provisorische Finanzierung des Bundes einigt und danach die Schuldenobergrenze erneut angehoben wird. Nein, was mich wirklich interessiert ist der 18. September, also der Tag, an dem FED-Chef Ben Bernanke überraschend die Fortsetzung der Anleihekäufe bekanntgab. An diesem Mittwoch verzeichneten die Finanzmärkte quer durch die Bank nämlich einen sehr starken Pivotal-Point. Man kann hier also von einem "Intermarket-Pivotal-Point" sprechen: S&P 500, Dow Jones und DAX brachen auf neue Allzeithochs aus, die Nasdaq erreichte ein neues 13-Jahres-Hoch, der Goldpreis stieg um 4% und markierte ein höheres Tief und der EUR/USD wurde regelrecht auf ein neues 7-Monats-Hoch nach oben katapultiert. Auch das konjunktursensible Kupfer sprang deutlich an und bildete einen höheren Tiefpunkt. Ich stelle deshalb folgende These auf: Wenn der Bullenmarkt intakt ist, dürfen die genannten Inidzes nicht weit unter das Tagestief vom 18.9. fallen, sondern dann muss dieser Intermarket-Pivotal-Point zu weiteren Kursgewinnen führen. Angesichts der aufkommenden Unsicherheit bzgl. der US-Schuldengrenze kann sich die nächste Aufwärtswelle zwar noch etwas verzögern. Aber wenn in dieser Zeit Gold und Kupfer ihre jetzt gebildeten Tiefs unterschreiten oder der EUR/USD die Kursgewinne dieses Tages wieder komplett abgibt, mache ich ein Fragezeichen hinter die Stärke des aktuellen Bullenmarktes. Die Bewertung der Aktien ließe derweil gewiss noch Luft nach oben, denn das DAX-KGV beträgt aktuell 12,4 und spiegelt damit nicht wider, dass sich dieser Index auf seinem Allzeithoch bewegt.

Viel Erfolg und viel Freude an der Börse wünscht,
Frank Notar
21.09.2013
TradeCentre-Editorial
Liebe Leser,

das Spiel an der Börse ist schon ein außerordentlich interessantes, weil es nach ganz eigenen und im Grunde nur rudimentär festgelegten Regeln funktioniert. Des Pudels Börsenkern liegt im Spannungsfeld zwischen der menschlichen Angst und der menschlichen Gier, was an sich schon zeigt, wie unberechenbar und teilweise irrational sich das Geschehen auf dem Börsenparkett darstellt. Dabei bezieht sich die Irrationalität nicht nur auf den Verlauf der Aktienkurse, sondern auch darauf, wie Marktkommentatoren und Meinungsmacher diesen Verlauf erklären oder teilweise auch vorhersehen wollen. Ich stelle mir gerade die Frage, wer irrationaler ist. Der Aktienmarkt an sich, weil er ungebremst haussiert und allerorten Allzeithochs kassiert werden, oder einige Meinungsmacher, die von nahenden Schockwellen sprechen. Auslöser derselben soll eine rot-rot-grüne-Regierung in der Bundesrepublik sein. Bei vielen einigermaßen gut situierten und liberal denkenden Menschen würde eine solche Regierungskonstellation tatsächlich Hitzewallungen oder meinetwegen auch Schock-wellen auslösen. Aber an der Börse erwarte ich deswegen keine tiefgreifende und nachhaltige Richtungsänderung, selbst wenn es im DAX kurzfristig nach unten gehen sollte. Denn auch diese Regierung wird weder Deutschland und schon gar nicht Europa von heute auf morgen in die Misere stürzen. Wie sich im rot-grün-geführten Baden Württemberg zeigt, schafft man es zwar auch in einem "Musterländle" ein ordentliches Haushaltsdefizit zu erwirtschaften. Aber dafür haben Kretschmann und Co. immerhin gut 2 Jahre ge-braucht. Für die Börse viel wichtiger ist da schon die neue Personalie an der Spitze der US-Notenbank ab Januar 2014. Denn die FED hat ihr Anleihekaufprogramm zwar überraschend fortgesetzt und damit ein Kursfeuerwerk ausgelöst. Aber ob die Anleger auch unter neuer Führung auf eine "barmherzige" FED bauen können, bleibt aus Börsensicht zwar zu hoffen, zur Zeit allerdings noch offen.

Viel Erfolg und viel Freude an der Börse wünscht,
Frank Notar
31.08.2013
TradeCentre-Editorial
Liebe Leser,

die US-Investoren haben am Freitag inne gehalten und waren vor dem langen Wochenende - in den USA findet am Montag wegen dem Labor Day kein Handel statt - nicht mehr bereit, noch geldwerte Wetten einzugehen. Warum auch. Schließlich schwelt der Syrien-Konflikt weiter und es bestehen berechtigte Sorgen, dass sich die USA erneut in einen langwierigen, weder zu berechnenden noch zu beherrschenden Konflikt hineinziehen lassen. Die erneut positiven Konjunkturindikationen in Europa und den USA verblassten vor diesem Hintergrund. Während sich die US-Leitindizes in den letzten Handelstagen aber immerhin noch stabil halten konnten, schloss der wichtige Transportation-Index auf dem tiefsten Stand seit Anfang Juli. Dies ist ein Schwächezeichen, das wir ernst nehmen, zumal auch der US-Hausbauindex sich nicht ansatzweise anschickt, seinen Abwärtstrend zu beenden. Die US-Hausbauer waren zu Beginn der jüngsten Hausse einer der Leaderbranchen gewesen und zeigen bereits seit Mai eine anhaltende Schwäche. Das im aktuell eher angespannten Aktien-umfeld ebenfalls auf die Laune vieler Anleger drückt, sind die steigenden Renditen auf Staatsanleihen. Dadurch werden diese als Alternative zur Aktie wieder interessanter. Der Zins auf 10-jährige US-Anleihen liegt aktuell bei 2,8%. Vor einem Jahr wurde man hier noch mit 1,6% abgespeist. Die deutschen 10-jährigen lagen im Mai noch bei 1,2% und bringen aktuell immerhin wieder 1,9% ein. Der Trend geht hier also nach oben und die "heranwachsende Konkurrenz" für Aktien steckt zwar noch in den Kinderschuhen, sollte aber beobachtet werden.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
23.08.2013
Wachsamkeit bleibt angesagt
Liebe Leser,

das sieht doch eigentlich gut aus! In Deutschland freuen sich die Bürger über eine hervorragende Beschäftigungssituation und reichen dicke Geldbündel über die Ladentheken, der Export brummt trotz einer vielerorts zurückhaltenden Konjunkturentwicklung und der Staat freut sich über hohe Steuereinnahmen sowie einen Haushaltsüberschuss von € 8,5 Mrd im ersten Halbjahr. Und selbst wenn man etwas über den Tellerrand hinausblickt, sieht man Erfreuliches. Denn die Euro-Zone hat es zum ersten Mal seit sechs Quartalen geschafft, die Rezession zu überwinden und legte beim BIP um 0,3 Prozent zu. Während Portugal mit einem Plus von 1,1 Prozent sogar zum europäischen Wachstumsstar avancierte, machen Deutschland (+0,7%) und Frankreich (+0,5%) eine ansehnliche Figur. In Südeuropa gibt es zwar noch kein Wachstum, aber die rezessive Tendenz hat sich deutlich abgeschwächt. Als Anleger stellt man sich nun die Frage, weshalb in jüngster Zeit immer öfter Crash-Warnungen durch die Medien geistern. Das Argument "Sommerloch" greift leider zu kurz, da sich die Börsen in den Schwellenländern tatsächlich in crashartigen Zuständen befinden und Experten bereits eine zweite Asienkrise befürchten. In Indonesien brach der Leitindex in den letzten drei Monaten um 30 Prozent ein. Hinzu kommt, dass die Fed schon vor dem Abgang Bernankes vielen als "führungslos" erscheint, da sie keine klare Linie bzgl. des QE3-Endes vorgibt. Angesichts dieser Unsicherheiten sind die Börsen in den USA und Europa noch sehr ruhig und zeigen relative Stärke. Mit langfristigen Neuengagements wären wir momentan aber trotzdem vorsichtig.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
15.08.2013
Das Preisniveau des 20. Juni sollte der Korrektur Widerstand bieten
Liebe Leser,

pünktlich zur Fertigstellung der neuen TCR-Ausgabe läuten die Bären die nächste Runde ein und schicken die Leitbörsen auf Talfahrt. Denn mit dem Auslaufen der Berichtssaison rücken die Anleger wieder das große Bild in den Fokus und dieses besteht nun einmal zum Großteil aus der Frage, ob das QE3 eher früher oder doch eher später ausläuft. Mit der heutigen Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten kamen sodann bei vielen Marktteilnehmern Zweifel daran auf, dass die FED den Geldhahn noch sehr lange aufgedreht lassen wird. Denn die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken auf den tiefsten Stand seit fast sechs Jahren. Darauf, dass  es in den USA wieder bergauf geht, weisen auch die Pläne von Ford-Finanzchef Bob Shanks hin. Dieser will in den nächsten Jahren die Investitionen des Automobilkonzerns deutlich von $ 6 auf 7,5 Mrd aufstocken. Auf dem amerikan. Heimatmarkt läuft es demnach so gut, dass die steigende Nachfrage auf diese Weise bedient werden muss.
Während aber die Automobilindustrie dortzulande wieder in die Puschen kommt, könnte der Hausbausektor seinen Zenit vorerst überschritten haben. Dies machen wir daran fest, dass die Aktien der US-Hausbau-Unternehmen (PHLX Housing Sector) eine sehr unschöne Toppformation vollendet haben und sich in einer massiven Korrektur befinden könnten. Dies mahnt deshalb zur besonderen Vorsicht, weil diesem Sektor in der seit 2011 laufenden Hausse eine gewisse Vorläuferfunktion zukommt.
Um abzuschätzen wo der Gesamtmarkt, für den Fall dass er nun in den Korrekturmodus übergegangen ist, Unterstützung finden könnte, haben wir uns auffällige Handelstage angeschaut. Am auffälligsten war hier der 20. Juni, da der S&P an diesem Tag mit einem Abwärtsvolumen von 95%, einem hohen Gesamtvolumen von 1,07 Mrd Aktien sowie einer Put-Call-Ratio von 1,39 panikartig abverkauft wurde. Damit sollte der Preisbereich 1580/1620 einen ernsthaften Widerstand darstellen.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
10.08.2013
Dr. Doom ist wieder in seinem Element
Liebe Leser,

eine der schillerndsten Persönlichkeiten im Börsenuniversum ist sicherlich der Schweizer Marc Faber. Sein Spitzname lautet "Dr. Doom" und rührt daher, dass Faber mit Vorliebe Börsencrashs vorhersagt und in der Vergangenheit damit schon einige Male voll ins Schwarze getroffen hatte. Am Donnerstag war Faber wieder in seinem Element und prognostizierte in einem CNBC-Interview einen anstehenden Abverkauf am Aktienmarkt um "vielleicht 20 Prozent". Seine Begründung lautet, dass auch im Jahr 1987, als er den Crash richtig vorausgesagt hatte, die Aktien weiter gestiegen waren, obwohl sich die Gewinnsituation der Unternehmen nicht mehr weiter verbesserte. Dann kam hinzu, dass der letzte Aufwärtsimpuls vor dem Abverkauf nur noch von wenigen Aktien getragen wurde, der Großteil der Papiere jedoch nicht mehr auf neue Hochs mitzog. Werfen wir also einen Blick auf die aktuellen Marktindikatoren.Tatsächlich ist zu erkennen, dass die Anzahl der Aktien, die an der NYSE neue 52-Wochen-Hochs erklimmen, seit März tendenziell abgenommen hat. Dies bestätigt Fabers Aussage, dass die Marktbreite abnimmt und die Aufwärtsbewegung von einer Leadergruppe vorangetrieben wird. Auch das Aufwärtsvolumen an der NYSE nimmt seit Juli tendenziell ab, sodass der "Wumms" hinter dem Break auf das letzte Allzeithoch tatsächlich fehlt. Alleine aus dieser Beobachtung lässt sich unserer Ansicht nach jedoch keinesfalls ein Crash-Szenario ableiten und zwar ganz einfach deshalb nicht, weil das Zusammenspiel zwischen Marktindikatoren und Börsenentwicklung nicht immer reibungslos funktioniert. Es gibt einfach auch Phasen, in denen der Gesamtmarkt durch differenzierte Korrekturen bei Einzelaktien, wie sie derzeit am Aktienmarkt stattfinden, "gemäßigt korrigiert" und ein ausgeprägter Ausverkauf ausbleibt. Deutlich positiv würden sich hier klare Aussagen der FED bzgl. ihrer Geldpolitik auswirken, da die Anleger hier durch widersprüchliche Kommentare immer wieder verunsichert werden.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
01.08.2013
Die Entwicklung der Sektoren spricht für einen intakten Haussetrend
Liebe Leser,

viele Marktteilnehmer beklagen sich zur Zeit über eine "hochnervöse" Börse. Dies ist nachvollziehbar, wenn man sich anschaut, dass Aktien wie K+S, Rheinmetall, Rational oder Stratec Biomedical wegen schlechter Nachrichten kompromisslos abverkauft werden. Diese "Blitz-Korrekturen" sind aber nur die eine Seite der Medaille und wie wir finden, nicht die wichtigste. Denn auf der anderen Seite haussieren zyklische Branchen wie Automobil, Bau, Industrie und Grundstoffe. Wie Sie unserer Sektoren-Rangliste entnehmen können, besetzen diese Zykliker die Plätze eins bis vier der stärksten Branchen des letzten Monats. Im Gegenzug sind die Nichtzykliker Pharma, Nahrungsmittel und Versorger auf den Schlussplätzen zu finden. Die Interpretation des Sektorenverhaltens lässt also regelrecht lehrbuchmäßig den Schluss zu, dass der Aufwärtstrend an der Börse übergeordnet intakt ist. Diese Einschätzung wird eindrucksvoll vom US-Transportindex bestätigt, der heute sogar ein neues Allzeithoch markierte. Die US-Banken stehen auf dem höchsten Stand seit 4 Jahren und stoßen damit "in das gleiche Horn". Der Blick nach China, wo sowohl der Leitindex als auch der Einkaufsmanagerindex positive Signale aussenden, stimmt ebenfalls optimistisch. Ein wichtiger Treiber der robusten Aktienmärkte sind natürlich die Aussagen der Europäischen und US-amerikanischen Notenbanken, wonach die Zinsen weiterhin niedrig bleiben und die Konjunktur noch stützen sollen. Unter dem Strich zeigt sich die Börse also freundlich, hat jedoch die Tendenz, schlechte Unternehmensnachrichten gezielt abzustrafen.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
19.07.2013
Uncle Sam zieht wieder!
Liebe Leser,

General Electric mischt so ziemlich in jedem Bereich mit, den man sich vorstellen kann: Infrastruktur, Verkehr, Energie, Bau, Finanzen, Medizin- und Elektrogeräte. Also ist es nur konsequent, dass Auftragslage und Ausblick des Mischkonzerns, die am Freitag bekanntgegeben wurden, von der Finanzwelt mit Argusaugen begutachtet werden und als Gradmesser der amerikanischen Konjunktur gelten. Und es gab gute Nachrichten! Denn im zweiten Quartal verbuchte GE einen Auftragsrekord von $ 223 Mrd, wobei v.a. in den USA das Geschäft mit einem Auftragszuwachs von 20 Prozent boomte. Im zweiten Halbjahr könnte es sogar noch besser laufen und die Marge soll weiter steigen. Laut Aussage von CEO Jeff Immelt bleiben die aufstrebenden Märkte robust und Europa stabilisiert sich, bleibt aber herausfordernd. Es sieht also tatsächlich so aus, als ob die USA wieder in ihre gewohnte Rolle als Zuglokomotive der Weltwirtschaft zurückfinden.
Der US-Transportation-Index, der ebenfalls sehr konjunktursensibel ist, weil nur transportiert werden kann, was zuvor produziert wurde und nachgefragt wird, erreichte am Freitag sogar ein neues Allzeithoch. Die US-Banken erreichten den höchsten Stand seit fast 5 Jahren. Molltöne kommen jedoch aus China, wo der Leitindex den Kopf wieder hängen lässt und noch einen tragfähigen Boden sucht. Der dritte große "Gelddrucker", Japan, zieht allerdings weiter nach oben. China hat also derzeit an Gewicht auf den Finanzmärkten eingebüßt und die Anleger schauen in die USA und nach Japan, wo die Lage gut aussieht.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
13.07.2013
Same procedure
Liebe Leser,

nachdem wir in der Vorwoche noch vage Anzeichen dafür erkennen konnten, dass die Aktienmärkte einen Schritt hin zu einer "normalen Börsenwelt" machen, in der die Aktienkurse wegen guter Konjunkturdaten steigen, stellte sich im Wochenverlauf doch klar heraus, dass uns das Diktat der Geldpolitik erhalten bleibt. Denn Fed-Chef Ben Bernanke war verbal zurückgerudert und schloss aus, dass es auf absehbare Zeit ein Ende der expansiven Geldpolitik geben würde. Viele Investoren hatten nach seinen letzten Äußerungen damit gerechnet, dass die Geldhähne schon ab Herbst langsam abgedreht werden könnten.
Gründe für Bernankes Rolle Rückwärts gibt es viele. Einer war die starke Aufwertung des US-Dollar, welche aufgrund der Erwartung steigender Zinsen in den USA eingesetzt hatte. Dann übten wohl auch China und Russland Druck aus, da natürlich auch die Schwellenländer von den US-Stimuli profitieren, was gerade im aktuell wachstumsgehemmten China von besonderem Interesse ist. Denn China senkte seine Wachstumsprognose für 2013 auf sieben Prozent und deutete außerdem an, dass man auch mit einer noch niedrigeren Wachstumsrate leben könne. Schließlich könnte Bernanke aber auch "Angst vor der eigenen Courage" bekommen und seinen wirtschaftlichen Optimismus nochmals überdacht haben. Denn das Schlimmste was ihm nach seiner völlig richtigen Geldflutung passieren könnte wäre, dass er zu rasch stoppt, die sich langsam belebende US-Wirtschaft dann zu früh abwürgt und damit die nächste Krise vor der Türe steht. Die jetzt angelaufene US-Berichtssaison wird wertvolle Hinweise bezüglich der Erwartungen für das zweite Halbjahr geben und war mit Gewinnsprüngen bei JPMorgan und Wells Fargo gut gestartet. Die Nasdaq schloss am Freitag unterdessen auf dem höchsten Stand seit Ende 2000 und macht damit klar, dass die Börse diesen Sommer keinen Trauerflor tragen wird.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
07.07.2013
Werden gute Wirtschaftsdaten an der Börse jetzt wieder belohnt?
Liebe Leser,

der DAX hat am Freitag nochmal ordentlich Federn gelassen und von der 8000er-Marke aus einen 200 Punkte Rückzieher vollzogen. Die deutschen Investoren hatten zwar ihre Gründe für den Abverkauf. Diese wurden von den US-Investoren jedoch nicht geteilt. Schauen wir uns zunächst die Gründe an. Hier sind einmal die Daten zum Auftragseingang in der deutschen Industrie zu nennen. Diese schwächten sich im Mai leicht ab, weil der Umfang an Großaufträgen rückläufig war. Deutlich wichtiger waren jedoch die US-Arbetismarktdaten. Diese zeigten an, dass mehr neue Jobs entstanden waren als erwartet, aber die Arbeitslosenquote mit 7,6 Prozent leicht über dem Konsens von 7,5 Prozent lag. Und genau an dieser Stelle zeigten die US-Märkte ein sehr positives Verhalten! Denn obwohl die Zahlen vom Markt als positive Indikation für die US-Konjunktur wahrgenommen wurden, stiegen die US-Aktien an. Das könnte bedeuten, dass die Marktteilnehmer dabei sind sich mit dem Ende des QE3 abzufinden und die Märkte in eine "normale" Welt zurückkehren, in der eine gute Wirtschaftsentwicklung zu steigenden Börsenkursen führt. Ja - so etwas soll es einmal gegeben haben... Wichtige Branchenindizes wie der Transport- oder Bankenindex bestätigten die Bewegung. Letzterer brach sogar auf ein neues 4-Jahres-Hoch aus. Zuvor hatte schon der Nikkei seinen dynamischen Rebound fortgesetzt und auch in China setzten sich die Stabilisierungstendenzen fort. In Deutschland hatte sich in der gesamten Woche der zyklische Automobilsektor besonders stark gezeigt. Die Lage könnte sich also weiter stabilisieren.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
22.06.2013
Es ist soweit - dem "Quantitative Easing" folgt das "Tapering"
Liebe Leser,

die vergangene Börsenwoche war eine der wichtigsten seit langem und hat den Medien ein neues Lieblingswort geschenkt: "Tapering", also die Reduktion der expansiven Geldpolitik in den USA. Fed-Chef Ben Bernanke erwischte viele Anleger mit seinen konkreten Aussagen zum Ende des QE3 auf dem falschen Fuß und löste eine Verkaufswelle aus. So könnten die Anleihekäufe noch 2013 gedrosselt und Mitte 2014 völlig eingestellt werden. Der Grund dafür ist eigentlich sehr positiv, weil der QE3-Stopp eng an die Entwicklung des US-Arbeitslosenmarktes gekoppelt ist. Und hier soll die Arbeitslosenquote schon 2014 auf die "magischen" 6,5% zurückgehen und nicht wie bislang erwartet, erst in 2015. Obwohl der Leitzins unangetastet niedrig bleibt und wohl erst ab 2015 erhöht werden soll, stiegen die Renditen auf US-Staatsanleihen sprunghaft an und der Bondmarkt könnte seine Hochs nun auf Jahre hin gesehen haben. Die Erwartung höherer Renditen in den USA haben nun zur Folge, dass Carry-Trades aufgelöst werden und v.a. massiv Kapital aus China in die USA zurückgeholt wird, da in den Dollar/Renminbi-Carry-Trade extrem viel Geld geflossen war. Anleger konnten zu Niedrigpreisen Dollarkredite aufnehmen und diese in Renminbi höher verzinsen. Die Deutsche Bank warnte jüngst vor den negativen Auswirkungen dieses Szenarios auf die Finanzmärkte. Noch ist zwar keine Kapitalflucht aus China in die USA zu erkennen, wir werden diese Entwicklung jedoch im Auge behalten. Hinzu kommt, dass es Spekulationen über eine Kreditklemme in China gibt und der ShangHai-Index wieder bärische Signale liefert. Seit Bernankes Rede werden Aktien, Anleihen und Rohstoffe gleichermaßen abverkauft und bei den Aktien gab es am Donnerstag einen echten Paniktag mit 95% Abwärtsvolumen (NYSE). Ein ruhiger Tradersommer beginnt so jedenfalls nicht.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
14.06.2013
En passant: Ein Hoch den Menschenrechten!
Liebe Leser,

die Lebensleistung von Altbundeskanzler Helmut Schmidt in allen Ehren. Wenn man unserem "nationalen Gewissen" jedoch in den letzten Monaten zuhört, sollte jedem Menschen, der seine freiheitlich demokratischen Rechte nach körperlicher Unversehrtheit, freier Meinungsäußerung, Eigentum, fairen Gerichtsverfahren und Selbstbestimmung - also seine ureigensten Menschenrechte - zu schätzen weiß, die Galle gleich literweise hochkommen. Natürlich hat Schmidt Recht, wenn er darauf hinweist, dass die Menschen in der Antike auch keine  Menschenrechte hatten. Dieselben aber 2000 Jahre und unzählige blutige Revolutionen später öffentlich als "Erzeugnis" unseres Kulturkreises zu degradieren und sie nicht als "Errungenschaft" zu feiern, ist ein Skandal. In China werden Menschen ohne Gerichtsverfahren verhaftet, gefoltert und weggesperrt, nur weil sie ihre eigene Meinung vertreten. Für Schmidt ist der chinesische Kommunismus trotzdem "einigermaßen erfolgreich" und er findet, dass jeder das Recht hat, "nach seiner eigenen Fasson selig zu werden". Aus Sicht einer Regierung mag dies sogar zutreffen. Schließlich ist es viel leichter diktatorisch durch Unterdrückung und Angst zu regieren, als sich von einem Parlament kontrollieren zu lassen und sich mit einer stänkernden Opposition sowie einem freien Bürgerwillen argumentativ auseinanderzusetzen. Der normale Bürger wird in einem diktatorischen System aber nur schwer seine Glückseligkeit finden, zumindest sofern er Einstellungen und Ansichten entwickelt hat, die nicht regierungskonform sind.
Von diesen Gedanken einen einigermaßen sinnvollen Bogen hin zum aktuellen Börsengeschehen zu schlagen ist wohl nur sehr schwer möglich und ich versuche es auch gar nicht erst. In der nächsten Woche ist es jedenfalls von zentraler Bedeutung für den weiteren Verlauf der Aktienmärkte, welche Signale von der Fed-Sitzung am Dienstag und Mittwoch hinsichtlich des QE3 ausgehen werden. Zusätzlich bringt der Hexensabbat am Freitag Bewegung in den Markt.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
09.06.2013
Die Bullen melden sich nach EZB-Sitzung und US-Arbeitsmarktbericht wieder zurück
Liebe Leser,

die Börsenwoche wurde dominiert von der europäischen sowie indirekt auch von der amerikanischen Notenbank. Schauen wir uns also die Nachrichtenlage und vor allem die Reaktion der Anleger darauf genauer an.
Am Donnerstag gab EZB-Präsident Mario Draghi bekannt, dass er nicht an der Zinsschraube drehen wird und der Leitzins demzufolge bei 0,5 Prozent festgeschrieben bleibt. Draghi gab zudem keine Hinweise auf weitere Lockerungsmaßnahmen, was in einer ersten Marktreaktion negativ aufgefasst wurde und zu einem Abverkauf führte. Während jedoch der DAX an diesem Tag sehr schwach schloss, vollzogen die US-Börsen einen astreinen Intraday-Umkehrtag, was natürlich positiv war. An der New Yorker Börse (NYSE) wurden an diesem Tag mit knapp 800 Millionen Aktien zwar nicht überdurchschnittlich viele Papiere gehandelt. Aber 84 Prozent des gehandelten Volumens war "Kaufvolumen", was dem Umkehrtag einen gewissen Nachdruck verleiht. Tags zuvor betrug das NYSE- Abwärtsvolumen 88 Prozent, wobei die Put-Call-Ratio (ein Angstbarometer) mit 1,18 bzw. 1,16 am Vortag erhöhte Angstwerte anzeigte. Die Bären haben also zumindest kurzfristig einiges an Pulver verschossen.
Die bullische Gegenbewegung wurde dann am Freitag durch die US-Arbeitsmarktdaten gestützt. Diese wirkten in der Hinsicht "beruhigend" auf die Anleger, dass sie nicht mit einem zu raschen Ende des QE3 rechnen müssen. Da die Marktreaktion auf die wichtigen Nachrich-ten also per Saldo positiv ausfiel, sollten die Aufwärtskräfte weiter dominieren.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
01.06.2013
Der Markt wartet auf Mario Draghi und den US-Arbeitsmarktbericht
Liebe Leser,

die Aktienmärkte haben sich vergangene Woche nicht so recht aus ihrer Deckung hervorgewagt und setzten weder ihre Korrektur fort, noch starteten sie eine Gegenbewegung. Die Anleger sind sich über den Kurs der US-Notenbank nicht im Klaren und befürchten, dass die Fed ihr QE3 auslaufen lässt. Diese Befürchtung wurde am Freitag durch einen überraschend stark erholten Einkaufsmanager-Index in Chicago verstärkt, da dieser mit 58,7 Punkten deutlich über der Prognose von 50,0 Punkten lag, damit den höchsten Wert seit März 2012 erreichte und - vor allem - eine Besserung der Konjunktur anzeigt. Es wurde mittlerweile in allen Börsenmedien zigfach durchgekaut, dass eine bessere Konjunktur ein Ende der staatlichen Liquiditätsspritzen zur Folge hat. In diesem Zusammenhang werden die Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi nach der Leitzinsentscheidung am Donnerstag sowie die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag sehr spannend werden. Denn Bernanke misst der Entwicklung des US-Arbeitsmarktes eine zentrale Bedeutung hinsichtlich seiner Entscheidung bei. Die mittelfristig wichtigste Frage ist aber, ob der Aktienmarkt auch ohne die "Krücke Liquidität" weiterlaufen kann und sich der Börsenbulle bescheiden mit einem einsetzenden konjunkturellen Aufschwung zufrieden geben würde. Ein ermutigendes Zeichen kommt hier vom zyklischen Automobilsektor, der massiv angesprungen ist. Wenn sich dieses Muster durchsetzt, Zykliker verstärkt gesucht werden und damit aktiv auf eine Konjunkturerholung gesetzt wird, hat der Aktienbulle gute Chancen, bald auch ohne Krücke zurechtzukommen.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
25.05.2013
Im Bullenmarkt sind Korrekturen Kaufgelegenheiten
Liebe Leser,

in dieser Woche war es endlich soweit und die Indizes vollzogen die von vielen herbeigesehnte Korrektur. Die beiden Auslöser dafür waren widersprüchlich interpretierte Aussagen von Fed-Chef Ben Bernanke sowie ein schlechter als erwartet ausgefallener Einkaufsmanager-index für China. Bernanke hatte zunächst gesagt, dass sich Konjunktur und Arbeitsmarkt in den USA zwar weiter verbessern, aber längst noch nicht so stabil seien um das QE3, also der Ankauf von Staatsanleihen und Immobilienpa-pieren i.H.v. $ 85 Mrd monatlich, zu beenden. Dann verunsicherte Bernanke die Anleger jedoch, als er auf eine Nachfrage antwortete, dass "auf einer der nächsten Sitzungen" das Tempo der Ankäufe zurückgefahren werden könnte, wenn eine "dauerhafte Besserung" zu sehen ist. Ein Ende des QE3 wird von vielen Anlegern gleichgesetzt mit dem Ende der Aktienmarktrallye. Ob dies aber tatsächlich so sein wird, steht nirgends tatsächlich festgeschrieben. Schließlich bedeutet ein Ende des QE3 eine bessere Konjunktur, die ja der "natürliche Treiber" eines Bullenmarktes ist. Aber wie auch immer - das QE3 läuft zunächst weiter, sodass sich keine grundlegende Verän-derung ergeben hat, die einen völligen Einbruch des Aktienmarktes auslösen sollte. Auch schlechte Nachrichten aus China, die der zweite Grund für den Einbruch waren, gibt es schon seit Monaten immer wieder und haben jetzt keine höhere Qualität als zuvor. Wirklich positiv war dagegen der unerwartet verbesserte ifo-Index für Deutschland. Unter dem Strich schätzen wir die Korrektur also als normale Konsolidierung im Aufwärtstrend ein.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
18.05.2013
Die Belebung im europäischen Automobilsektor heizt die Hausse weiter an
Liebe Leser,

sowohl auf Sicht der letzten Woche als auch des vergangenen Monats ist der deutsche Automobilsektor mit einem Plus von 7,7 bzw. 22,1 Prozent der stärkste Sektor, gefolgt von den Banken mit plus 3,1 bzw. 18,9 Prozent. Vor allem am Freitag haussierten die Auto-Aktien und die Anleger bekamen eine Erklärung für die Überperformance: Der europäische Autoabsatz legte im April zum ersten Mal seit September 2011 wieder zu und es wurden mit 1,04 Millionen Autos ganze 1,7 Prozent mehr verkauft als im Vorjahr. Diese Zahl ist zwar mit Vorsicht zu genießen, da der April 2013 zwei Verkaufstage mehr hatte als in 2012. Aber trotzdem ist sie ein Zeichen dafür, dass die Abwärtsdynamik zumindest an Schwung verliert. So sprangen nicht nur die Aktien der deutschen Premiumhersteller Daimler oder VW massiv an, sondern auch das französische Sorgenkind Peugeot, das wir deshalb zum "Aktienbullen der Woche" gekürt haben. Auch der Blick auf die Leitindizes von "Problemländern" wie Frankreich oder Griechenland zeigt haussierende Märkte, ebenso wie in den USA oder Japan. In China (ShangHai-Index) wird derweil weiter am Abschluss der Bodenbildung über dem GD200 gearbeitet. Ebenfalls intakte Hausse-Trends zeigen die wichtigen US-Sektorindizes der Banken, Hausbauer und Transport-Unternehmen. Die stark konjunkturrelevanten Rohstoffe Öl und Kupfer zeigen anhaltende Stabilisierungstendenzen.
In diesem Umfeld bleibt einem nur, sich auf die Bullenseite zu schlagen und zwar vor allem dann, wenn der Markt einen scharfen Rücksetzer vollziehen sollte.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
10.05.2013
Das Kaufsignal wurde auf breiter Front bestätigt
Liebe Leser,

die Allzeithochs in DAX, S&P500 und Dow Jones sind geknackt, der japanische Nikkei
notiert auf einem 5-Jahres-Hoch und der chinesische ShangHai-Index setzt über seinem GD 200 die Bodenbildung fort. Selbst der "kurz vor der Rezession stehende" französische Leitindex CAC kratzt an einem 2-Jahes-Hoch und der griechische AHTEX setzt seinen nun einjährigen Aufwärtstrend in Richtung 2-Jahres-Hoch fort. Auch die wichtigen US-amerikan. Sektorindizes für Transport- und Hausbauunternehmen sowie Banken, bestätigen das bullische Gesamtbild durch neue Hochs.
Der Preis für das konjunktursensible Kupfer zeigt, nach seinem monatelangen Abverkauf, eine anhaltende Erholung. Diese wurde durch die jüngsten chinesischen Handelsbilanzzahlen gestützt, wonach die Exporte im April um 14,7 Prozent und die Importe um 16,8 Prozent angestiegen waren. Dies ist deshalb so wichtig, weil China für 40 Prozent der weltweiten Kupfernachfrage verantwortlich zeichnet.
Auch wenn wir kurz vor dem Break auf neue Hochs sehr vorsichtig geworden waren bleibt es dabei, dass durch die Kombination aus niedrigen Zinsen und Anleihekäufen der großen Notenbanken Geld in die Aktienmärkte drückt. Weder die Probleme in Zypern, Italien und Frankreich noch etwaige Konjunktursorgen konnten dem Aktienbullen etwas anhaben, sodass die Trendampel übergeordnet Grün zeigt.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
03.05.2013
Die Liquiditässchwemme gewinnt das Armdrücken gegen die Konjunkturentwicklung - schon wieder.
Liebe Leser,

man kann seinen Hals momentan noch so weit um die Ecke strecken und mit höchster Akribie versuchen, die vorhandenen Puzzleteile zusammenzusetzen um das Geheimnis zu lüften, ob die Ausbrüche der US-Indizes auf neue Allzeithochs nachhaltig oder eine gewaltige Bullenfalle sind.
Aber woran könnte man eine belastbare Einschätzung festmachen? An den schwächeren Konjunkturdaten aus China, die Mitte April den ersten Fehlausbruch auf neue Allzeithochs in den USA verursachten? An der hartnäckigen Rezession in Südeuropa, die sich gerade in Frankreich, der weltweit fünftgrößten Wirt-schaftsnation, immer weiter zuspitzt? Oder wählt man doch lieber die bullische Variante und orientiert sich an den besser als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten für April? Schaut man sich den Auslöser der jüngsten Kursrallye an so wird jedoch schnell klar, dass etwaige Konjunkturaussichten nicht der Treiber sind, sondern die Hausse immer noch von frischer Liquidität genährt wird. Denn die Aktienmärkte setzten ihren Anstieg erst fort, als am 23. April Spekulationen bzgl. einer Zinssenkung der EZB aufkamen. Diese ist nun erfolgt und an den Märkten gab es kein "Sell the news", sondern weitere Kursgewinne, was bullisch zu werten ist. Ich glaube man braucht - und kann - den Markt an dieser Stelle nicht zu verstehen, sondern muss versuchen möglichst objektiv zu beobachten, was er macht. Und das was er macht ist, auf neue Allzeithochs auszubrechen. Demzufolge bleibt der Aufwärtstrend im großen Bild intakt und es bleibt momentan nur, seine Investmententscheidungen danach auszurichten.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
26.04.2013
Der Fehlausbruch zeigt aus Intermarket-Sicht Brisanz
Liebe Leser,

eine wertvolle Information darüber, welche Wucht tatsächlich hinter einer Kursveränderung am Aktienmarkt steckt, bietet das Handelsvolumen. Wenn beispielsweise die US-Indizes an einem Tag um 2 Prozent ansteigen wird dieser Kursgewinn mit höherer Wahrscheinlichkeit nachhaltig sein, wenn an der NYSE über eine Milliarde Aktien gehandelt wurden, als wenn lediglich 400 Millionen Papiere den Besitzer gewechselt hätten. Denn das Volumen bestätigt den Preis.
Was bedeutet dies für die aktuelle Situation am Aktienmarkt? Nun, der wichtigste Tag der vergangenen zwei Wochen war für uns der 15. April, ein Montag. Denn an diesem Tag vollzog der S&P 500 seinen Fehlausbruch auf ein neues Allzeithoch und verlor in einem Rutsch 2,3 Prozent an Wert. Am gleichen Tag crashte Gold weiter auf ein Zwei-Jahres-Tief, büßte historische 10 Prozent an Wert ein und verlor damit nochmals doppelt so viel, wie schon am Handelstag zuvor. Auch Kupfer, einer der besten Konjunkturindikatoren überhaupt, setzte seinen freien Fall an diesem Tag fort und fiel auf den tiefsten Stand seit November 2011. Passenderweise zählten die Stahlwerte zu den schwächsten Aktientiteln. Und nun zum Volumen: An diesem Tag wurden an der NYSE 975 Millionen Aktien gehandelt, wovon 910 Millionen im Preis gesunken waren. D.h. das Abwärtsvolumen betrug 93 Prozent, sodass der Abverkauf "Schmackes" hatte. Gab es zu diesem Selloff eine passende Meldung? Natürlich! China hatte enttäuschende Konjunkturdaten vermeldet und wird der Weltwirtschaft vorerst keine markanten Wachstumsimpulse liefern können. Die Konjunktursorgen kamen also just auf einem neuen ATH zurück - brisant. Am 17. April, dem zweiten stärkeren Verkaufstag, lag das Abwärtsvolumen bei 90 Prozent und damit ebenfalls sehr hoch. Ergo: Die Kombination aus erodierenden Rohstoffpreisen, schlechten Konjunkturnachrichten und hohen Verkaufsvolumina am ATH lässt uns vorsichtig werden.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
21.04.2013
Also doch - die US-Indizes haben einen Fehlausbruch generiert
Liebe Leser,

im Editorial der vergangenen Ausgabe hatten wir uns die relative Stärke des US-Aktienmarktes genauer angeschaut. Dabei wurde ersichtlich, dass sich der DAX in diesem Jahrtausend nur ein einziges Mal mit einer relativen Schwäche gegenüber dem S&P 500 "durchsetzen" konnte. D.h. die US-Aktien stiegen zwar auf ein neues Hoch, der DAX leitete aber bereits eine Abwärtsbewegung ein und zog die US-Werte dann gewissermaßen wieder von ihrem Hoch nach unten, sodass in den USA ein Fehlausbruch auf der Oberseite generiert wurde.
Genau dies war in der abgelaufenen Börsenwoche jedoch geschehen, sodass der US-Markt als Zugpferd nun deutlich Schaden genommen hat. Die Einzeltitel des S&P 500 verloren im Schnitt gut 2 Prozent an Wert, wobei v.a. Rohstoffwerte wie Freeport McMoran, Newmont Mining, Apache Corporation oder Marathon Oil unter den größten Verlierern der Woche zu finden waren. Dies kann nicht wirklich verwundern, wo doch Gold im Begriff ist seine 12 Jahre anhaltende Hausse zumindest zu unterbrechen und auch Silber ein bärisches Preissignal gegeben hat. Hierzu trug natürlich auch die Ankündigung Zyperns bei, den Großteil seiner Goldreserven zu verkaufen.
Aber auch andere Industrie-nahe Rohstoffe wie Kupfer oder Öl verloren weiter an Wert und deuten damit auf eine geringere Nachfrage aus der Wirtschaft hin. Nicht zuletzt war auch der Marktseismograph IBM mit einem Wochenminus von 10,11 Prozent unter den vier schwächsten S&P-Werten zu finden. IBM hatte weniger Firmenrechner und Software verkauft und damit eine negative Indikation gegeben.
Unter dem Strich erachten wir das Marktrisiko, aufgrund des Fehlausbruchs auf ein neues Allzeithoch in den USA sowie der sehr schwachen Rohstofftitel, als erhöht an und sind auf die Stärke der anstehenden Gegenbewegung gespannt.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
13.04.2013
Der US-Bulle war bislang erst einmal umgedreht, weil ihm der DAX-Bär den Garaus gemacht hat
Liebe Leser,

die Lage an den Finanzmärkten bleibt unübersichtlich und das Stimmen- und Meinungsgewirr, das durch den Medien-Dschungel zu uns herüberdringt, verstärkt, wie immer, diese Unübersichtlichkeit nur. In solchen Situationen hilft der Blick auf den weltweit besten Aktienmarktindikator, nämlich die  Leitindizes selbst.
Dieser Blick offenbart eine sehr interessante Konstellation, für die wir in den vergangenen 10 Jahren nur eine - ungefähre - Blaupause gefunden haben. So gab es laut unserer Analyse nur eine Situation, in welcher der S&P 500 ein neues Hoch auf Basis des Wochenschlusskurses markiert hatte und der DAX nicht mehr auf ein neues Hoch folgte. Oder in anderen Worten hat sich der DAX erst einmal mit einer negativen Divergenz gegenüber dem S&P 500 durchsetzen können, sofern der S&P 500 zuvor ein neues (Allzeit-)Hoch markiert hatte. Dies war zuletzt im März 2000 der Fall, kurz bevor die Dotcom-Blase platzte. Damals stieß der S&P auf ein neues Allzeithoch vor, während der DAX seinen Zenit schon überschritten hatte. Die erste starke Abwärtswelle traf den S&P dann drei Wochen nach seinem Hoch. Bis der Abwärtstrend jedoch endgültig startete, dauerte es rund fünf Monate. Der fundamentale Vergleich hinkt aber natürlich stark, da zum einen das DAX-KGV zu dieser Zeit etwa bei 30 lag (aktuell 11,9) und die politische Situation eine ganz andere war.
Es lässt sich also festhalten, dass die US-Indizes bislang fast immer Recht behielten, sodass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass es diesmal wieder so ist. Auch wenn man es aufgrund der aktuell schwierigen Gemenge- und Meinungslage kaum glauben mag. Die Stärke der US-Indizes muss gar nicht logisch nachvollziehbar sein. Wir halten es aber für wichtig, sie aktuell ernst zu nehmen, denn solange die relative Stärke Bestand hat, sollten Korrekturen mehr Chancen als Risiken bieten, sofern natürlich das Moneymanagement stimmt.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
26.03.2013
Trade what you see, not what you think
Liebe Leser,

im Februar schwebte das Damokles-Schwert mit Namen Silvio Berlusconi über den internationalen Aktienmärkten. In uns Anlegern kroch sogleich die wohl bekannte, aber ungeliebte Euro-Krisen-Angst hoch, die Medienmaschinerie befeuerte diese Angst pflichtbewusst und die wichtigen Politiker steuerten mit ernsten und besorgten Minen ihren Teil dazu bei. Als Investoren hatten wir den nahenden Crash wahrlich gefühlt und im Geiste bereits durchlebt. Doch der Blick auf die "Realität" zeigte uns sogleich, dass uns der Krisen-Backflash einen Streich gespielt hat. Wenn wir nämlich den Leitindex S&P 500 zur "Börsenrealität" deklarieren, zeigt diese mit einem Italien-Korrektürchen von 2,8 Prozent keinesfalls an, dass hier etwas nicht stimmt. Also doch alles in Ordnung? Nein! Denn Italien hat immer noch keine handlungsfähige Regierung und steuert geradewegs auf Neuwahlen zu. Wir halten also fest, dass die Lage keineswegs entspannt ist, unsere "Börsenrealität" aber suggeriert, dass sich etwas verbessert habe - denn warum sonst sollte der S&P 500 heute fast 5 Prozent über dem Februar-Korrekturtief und nur knapp unter dem Allzeithoch notieren? Sicherlich nicht wegen der hoch prekären Situation in Zypern, die zumindest für die Zyprioten kein Happy End verspricht. Es ist klar, worauf wir an dieser Stelle hinaus wollen. Die relative Stärke des Aktienmarktes ist angesichts der politischen und auch konjunkturellen Gemengelage enorm und erhielt durch die jüngste Aussage von FED-Chef Ben Bernanke weitere Unterstützung. Bernanke bestätigte am Mittwoch, dass er den niedrigen Leitzins zwischen 0 und 0,25 Prozent solange beibehalten will, bis die Arbeitslosenquote von aktuell 7,7 Prozent auf 6,5 Prozent gefallen ist. Laut Ökonomen soll dies in 2015 der Fall sein. Das billige Geld fließt also weiterhin in den "Inflationsschutz Aktie" und es gilt, ungeachtet aller ernsten politischen und wirtschaftlichen Risiken mehr denn je der Spruch: "Trade what you see, not what you think."

In diesem Sinne viel Erfolg,
Frank Notar
08.03.2013
Das billige Geld hält die Märkte auf Trab
Liebe Leser,

es soll also dabei bleiben. Genauso wie in manch tiefer gelegenen Skigebieten die Pisten-Betreiber mittlerweile verzweifelt versuchen, den wegtauenden Schnee mit einem 24/7-Schneekanonen-Beschuss befahrbar zu halten, Pflastern die vier wichtigsten Notenbanken der Welt die Sprintstrecke für den Börsenbullen weiterhin mit dicken Geldbündeln. Allen voran hatte die Aussage der FED-Vize-Chefin, Janet Yellen, Zweifel an einem baldigen Auslaufen der massiven Anleihe-Käufe zerstreut. Yellen stellte eine weiterhin lockere Geldpolitik in Aussicht und es sollte zunächst dabei bleiben, dass die USA jeden Monat Liquiditätsspritzen i.H.v. $ 85 Mrd verabreichen. Auch die EZB belässt den Leitzins auf seinem Rekordtief bei 0,75 Prozent und versorgt damit Banken weiter mit extrem billigem Geld. Gleiches verkündete am Donnerstag die Bank of England und lässt den Schlüsselzins, zu welchem sich Banken Liquidität verschaffen können, bei rekordniedrigen 0,5 Prozent. Dass die Bank of Japan die Geldschleusen ebenfalls sperrangelweit aufgerissen hat, zeigt schon ein flüchtiger Blick auf den Nikkei-Index, der seit November 2012 um fast 40 Prozent nach oben katapultiert wurde. Den Notenbanken bleibt auch nichts anderes übrig, als die Zinsen niedrig zu halten, denn beispielsweise für die USA würde eine Zinserhöhung um 2 Prozent den Schuldenstand um $ 2 Billionen erhöhen. Steigende Zinsen könnten die etablierten westlichen Wirtschaftsnationen im wahrsten Sinne des Wortes in den Ruin treiben.
Für den Aktienmarkt bedeutet das billige Geld, dass er weiter Treibstoff erhält, denn nichts würde die Anleger derzeit tiefer ins Mark treffen, als ein Ende der Geldflutung. Schlechte Konjunkturdaten können da sogar gelegen kommen, weil die Notenbanken bei einer deutlich anziehenden Wirtschaft ihre Programme stoppen würden. Gesund ist diese Gemengelage natürlich nicht - aber leider die Realität.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
02.03.2013
Zwei politische Dramen - aber die Börse bleibt stabil
Liebe Leser,

schon am Donnerstag hatten die meisten Abgeordneten des Repräsentantenhauses und der Senatoren die Hoffnungen auf eine erneute Einigung in letzter Minute zerstreut. Die viel beschworenen automatischen Ausgabekürzungen in den USA, "sequester" genannt, sind in der Nacht zum Samstag in Kraft getreten. Es sollen nun bestimmte Budgets der US-Ministerien um 5 bis 9 Prozent eingestrichen werden. Die Folge: Kurzarbeit und Lohnkürzungen für Millionen Angestellter der Ämter. Alleine beim Pentagon sollen 800.000 Mitarbeiter betroffen sein. Bedenkt man, dass die Wirtschaftskraft der USA zu zwei Drittel am Binnenkonsum hängt, wird klar, dass der "sequester" die zaghafte  Konjunkturerholung in den USA deutlich bremsen könnte. Wenn - ja, wenn nicht Ende März erneut über das provisorische Budget für das laufende Haushaltsjahr entschieden werden müsste. Bei diesem Entscheid kann dann auch der "sequester" wieder neu verhandelt und seine Folgen zumindest deutlich abgemildert werden. Wie haben die Aktienmärkte auf dieses Zwischenspiel im US-Budgets-Drama reagiert? Mit einem Achselzucken.
Für ein kurzes Schütteln sorgte wenigstens noch der Altmeister der Verunsicherung, Silvio Berlusconi. Aber selbst die politisch instabile Situation in Italien konnte die Märkte bislang nicht beeindrucken und entlockte dem Aktienbullen nur ein müdes schnaufen. Dieser freute sich vielmehr über überraschend starke Konjunkturdaten aus den USA und zeigte zum Wochenausklang Stärke. Da sich auch die charttechnische Situation der chinesischen Indizes wieder stabilisiert hat, kann man den Aktien weltweit relative Stärke attestieren. Mit einem kritischen Blick werden wir jedoch den Anleihe-markt in Italien verfolgen, da die Renditen hier wieder angestiegen waren. Der Gesamtmarkt bleibt aber trotz politischer Störsignale freundlich.

Viel Erfolg wünscht,
Frank Notar
17.01.2013
Das Marktumfeld bleibt bullisch
Liebe Leser,

die Gretchenfrage dieser Tage lautet: "Geht die Hausse weiter oder nicht? Und wenn ja, wie lange noch?". Da eine Beantwortung mit absoluter Sicherheit natürlich nicht möglich ist, versuchen wir uns der Antwort zumindest anzunähern, indem wir uns den Verlauf wichtiger Indikatoren sowie das allgemeine Marktumfeld für Aktien genauer anschauen.
Werfen wir zunächst einen Blick auf die großen Indizes. Hier ist der S&P500 heute auf ein neues 5-Jahres-Hoch ausgebrochen, der Dow-Jones steht kurz vor einem neuen Hoch ebenso wie der DAX, der nur noch rund 300 Punkte von der enorm wichtigen 8000er-Marke entfernt ist. Das Allzeithoch im DAX bei 8136 Punkten ist also in greifbarer Nähe und hat gewiss eine hohe Anziehungskraft. In der "zweiten Reihe" setzt der Dow Jones Transportation Index seine Hausse fort, der US-Hausbausektor generiert ein neues 5-Jahres-Hoch und der US-Bankensektor konsolidiert bullisch. Nicht zuletzt spiegelt die fortgesetzte Bodenbildung des chinesischen ShangHaiA-Index eine Belebung der chinesischen Konjunktur in 2013 wider. Der Blick auf die wichtigen Aktienindizes sagt uns also, dass die Aufwärtskräfte intakt sind.
Schauen wir nun etwas über den Tellerrand und sehen uns das Umfeld für Aktien an. hier fällt zum einen die immer noch deutlich entspannte Situation der europäischen Schuldenstaaten auf - zumindest wenn man den Fokus auf die Refinanzierungsbedingungen am Anleihemarkt legt. Die Rendite für spanische Staatsanleihen (10 Jahre) liegt aktuell bei 5,13% und befindet sich damit nach dem "Panic-Spike" im Juli 2012 bei rund 7,6% immer noch im Sinkflug. In Italien zeigt sich das gleiche Bild (Rendite bei 4,2%, nach 6,7% im Juli 2012) und das, obwohl Silvio Berlusconi sein Comeback durchsetzen möchte. Auch der Euro bleibt sehr stabil, was in den letzten Tagen vor allem an der Entwicklung des EUR/CHF abzulesen war. Hier wurde seit dem 10. Januar enorm viel Geld aus der sicheren Schweiz zurück nach Euroland transferiert, was ein klarer Vertrauensbeweis pro Europäischer Union ist. So zeigt uns auch der Blick auf die "Eurokrise-Risikoindikatoren", dass weiter Entspannung angesagt ist, was den Aktien zugute kommt.
Vielleicht das beste Argument pro Aktien haben wir uns für den Schluss aufgehoben. So drängt das aktuelle Niedrigzinsumfeld (selbst Unternehmensanleihen bringen nur noch eine Rendite von durchschnittlich 2,6%) die Investoren regelrecht in Aktienwerte, weil "sichere" Bankzinsen für den Geldsparer noch nicht einmal einen Kapitalerhalt leisten können, wenn man die Inflationsrate beachtet. Dagegen sind Aktien, auch wegen teilweise üppiger Dividendenrenditen, ein wahres Renditewunder. Achten Sie dieser Tage also vor allem auf Qualitätswerte mit hohen Dividendenausschüttungen und nutzen Sie Marktkorrekturen zum Ausbau der Aktienquote.
10.01.2013
Über die Psyche des Traders in der Hausse
Liebe Leser,

in Zeiten wie diesen macht die Börse besonders viel Freude - charttechnische Ausbrüche funktionieren scheinbar allerorten und fundamentale Turnarounds werden fast lehrbuchmäßig vom Markt aufgegriffen und gespielt. So haben sich bei allen 6 "antizyklischen Kaufkandidaten", die wir in der Weihnachtsausgabe des NWI (Nr. 48) vorgestellt hatten, seither Aufwärtsbewegungen etabliert. In einem solchen Marktumfeld ist es aus psychologischer Sicht jedoch sehr wichtig, sich vor zweierlei Fehlern zu hüten. Bei Anlegern, die zu wenig investiert sind, entsteht in einer solchen Phase oft das Gefühl, dass ihnen "sichere" Gewinne entgehen bzw. davonlaufen. Dieses Gefühl kann mit der Zeit richtig schmerzhaft werden und dazu führen, dass irgendwann der Geduldsfaden reißt und man sich Hals über Kopf in den Markt stürzt. Wie verhält man sich in diesem Fall am besten? Damit die Ratio wieder Überhand gegenüber dem Angst-Gier-Gemisch gewinnt, sollte man sich etwa fünf Unternehmen aufschreiben, von denen man fundamental besonders überzeugt ist. Aus unserer Sicht sind zur Zeit z.B., neben unseren Depotwerten, UMS, Gildemeister, Cancom, Bauer oder die Aareal Bank solche Werte. Mit einer solchen Wachlist legt man sich dann auf die Lauer und wartet eine Korrektur ab - die mit Sicherheit kommen wird! Durch dieses Vorgehen hat man ein festes Verhaltensraster an der Hand, welches vor übereilten, emotionalen Entscheidungen schützt. Der zweiten Gefahr sind jene Investoren ausgesetzt, die mittlerweile auf hohen Gewinnen sitzen und bei denen sich langsam das unbestimmte Gefühl einschleicht, dass alles was sie anfassen zu Gold wird. Vielleicht überlegt der ein oder andere bereits, sich im Bekanntenkreis nur noch mit "Herr Buffett" ansprechen zu lassen. Psychologisch verbirgt sich dahinter die sogenannte Kontrollillusion, d.h. man glaubt, die Börse aufgrund seiner hervorragenden Analysetechnik "im Griff" zu haben. Was können Sie also tun, wenn Sie zu diesen Anlegern gehören? Machen Sie sich klar, dass es beim Börsenhandel nur um Wahrscheinlichkeit und niemals um Sicherheit geht - prinzipiell kann jederzeit "der Blitz" einschlagen und die Kurse einknicken lassen. In einer Hausse ist es natürlich sehr wichtig, Korrekturen zu kaufen und Gewinne laufen zu lassen. Vergessen Sie aber niemals, Verluste kompromisslos zu begrenzen und - ganz wichtig - vergrößern Sie Ihren Investitionsspielraum nicht künstlich mit geliehenem Geld. Der Blick auf die aktuelle Lage an den Märkten sagt uns, dass man bei Korrekturen momentan mutig sein sollte und Qualitätswerte kauft. Die Banken sind stark, der US-Transportation-Index haussiert, die US-Hausbauer notieren auf einem 5-Jahres-Hoch, der Euro ist wieder stark, der DAX konsolidiert bullisch und China ist im Kommen. Die Vorzeichen für das erste Halbjahr bleiben also positiv.
04.01.2013
Das erste Problem der Börsianer in 2013 betrifft die Fortführung des QE3
Liebe Leser,

wir wünschen Ihnen, dass der Jahreswechsel ganz nach Ihrem Geschmack verlaufen ist und Sie nun frisch inspiriert, motiviert und mit guter Gesundheit ins Neue Jahr starten können. Gerade um die Weihnachtszeit und Neujahr herum, wenn die berufliche Geschäftigkeit (hoffentlich) etwas abnimmt, wird wieder besonders klar, dass das Leben nicht aus Arbeit und Erfolg alleine besteht. Was das Leben im Grunde lebenswert macht, sind die Menschen, die uns begleiten und für die wir da sind, ebenso wie eine gute Gesundheit. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf haben wir die Ärmel wieder hochgekrempelt und suchen für Sie nach den besten Chancen an der Börse. Denn auch die Lebensqualität und Freiheit, die eine gesunde Finanzbasis mit sich bringt, ist ein wichtiger Baustein für ein zufriedenes Leben.

Richten wir unseren Blick nun auf die Finanzmärkte. Nachdem das Repräsentantenhaus den Sturz von der Fiskalklippe kurzfristig verhindert, zunächst jedoch für zwei Monate aufgeschoben hatte, war gestern Abend das nächste Schreckensgespenst auf den Plan gerückt. So wurde das Protokoll der letzten FED-Sitzung Mitte Dezember veröffentlicht. Aus diesem ging hervor, dass sich mehrere FED-Mitglieder für ein baldiges Ende der US-Anleihekäufe aussprachen, da diese Konjunkturhilfen gefährliche Nebenwirkungen hätten. Sie fordern, dass die Käufe nicht bis Ende 2013 fortgesetzt werden, sondern schon vorher verlangsamt oder ganz gestoppt werden sollen. Das die Märkte einen potentiell verfrühten Stopp dieser dritten Runde des Quantitative Easing (Qe3) ernst nehmen, zeigt eindrucksvoll der Goldpreis, der seither nur noch den Weg Richtung Süden kennt. Auch der Euro hat gegenüber dem US-Dollar deutlich verloren, da der Green Back schon im Anflug einer möglichen US-Krise zurück in die USA transferiert wird. Die Aktienmärkte reagieren derweil noch sehr robust auf die Meldung, sodass wir keinen Grund sehen, überstürzt aus dem Markt auszusteigen. Wichtige US-Indizes wie der Transportation-Index, der Banken-Index oder der Hausbau-Index zeigen sich weiterhin sehr bullisch. Die US-Banken sind sogar auf den höchsten Stand seit April 2011 ausgebrochen. Auch der Blick auf die unten stehende Chartgalerie zeigt, dass die Aufwärtstrends intakt sind.
22.12.2012
Positive Chartsignale aus der "zweiten Reihe"
Liebe Leser,

es geht nun mit großen Schritten auf das Jahresende zu. Nicht nur im privaten Bereich, sondern auch an der Börse wird diese Zeit oftmals von einer besonderen Geschäftigkeit begleitet. An der Börse äußert sich dies aktuell erfreulicherweise auch darin, dass einige wichtige, aber von den meisten Anlegern weniger beachtete, Indizes aus der zweiten Reihe sehr interessante Aufbruchssignale senden.
Da wäre zunächst der chinesische ShangHaiA-Index zu nennen. Dieser konnte eine wichtige Chartmarke zurückerobern und ist auf dem besten Wege, seine Bodenbildung abzuschließen. Wenn China in 2013 wieder anspringen sollte, wäre dies für den Gesamtmarkt natürlich eine wichtige Unterstützung. Immerhin befindet sich der Chinesische Aktienmarkt seit Frühjahr 2009 - dem Startpunkt der Hausse in Europa und Amerika - in einer Baisse.
Als nächstes ist der Dow Jones Transportation-Index zu nennen. In diesem Index sind die größten US-Unternehmen zusammengefasst, die für den Gütertransport zuständig sind. Wenn viele Güter transportiert werden müssen ist dies ein Zeichen für eine belebte Konjunktur. Dieser Index hat gestern eine lange Seitwärtskonsolidierung dynamisch nach oben verlassen. Diese Konsolidierung hatte bereits im Frühjahr 2012 begonnen, sodass das Signal eine hohe Signifikanz hat.
Ebenfalls gestern konnte der US-Hausbau-Sektor auf ein neues 5-Jahres-Hoch ausbrechen und damit seine bullische Konsolidierung verlassen. Wir haben diesen Index in unseren Markteinschätzungen  schon des Öfteren erwähnt und hatten ihn als wichtigen "Taktgeber" kennen gelernt. Nicht zuletzt hat auch der US-Bankensektor die wichtige 50-Punkte-Marke wieder durchbrochen und zeigt ebenfalls eine Trendfortsetzung an.
Fast schon ein Donnern mit dem Kanonenrohr ist das sehr positive Verhalten des EUR/USD aus Sicht des Euro. Dieser konnte nämlich die wichtige € 1,32-Marke überwinden. Mit Blick auf die Gesamtlage in Europa ist dies ein positives Zeichen. Ansonsten sind die übergeordneten Aufwärtstrends in den großen Aktienindizes intakt, sodass wir in der Gesamtschau die Chancen weiter auf er Long-Seite sehen.
13.12.2012
Positive Konjunktursignale stützen das bullische Szenario
Liebe Leser,

was soll man dazu noch sagen - die Aktienmärkte haussieren als gäbe es kein Morgen. Oder besser gesagt, als gebe es wieder ein Morgen. So fiel der jüngste ZEW-Konjunkturindex überraschend stark aus und erreichte im Dezember +6,9 Punkte, nach -15,7 Punkten im November. Besonders pikant: die Analysten hatten mit einem deutlich negativen Wert von -12,0 Punkten, also mit einer weiteren Eintrübung der Konjunktur gerechnet. Tatsächlich dürfte sich die Wirtschaft in den kommenden 6 Monaten jedoch weiter beleben.
Auch das Ifo-Institut sieht mit dem Rückgang der Produktion im laufenden Quartal die Talsohle erreicht und erwartet ab Sommer 2013 eine spürbare Erholung der deutschen Wirtschaft. Obwohl die Rezession in der Eurozone weiter bremsen sollte, dürften der Export nach Asien und Amerika, der private Konsum sowie die Investitionen in Deutschland spürbar zulegen. Dies erklärt die hohe relative Stärke des DAX. Denn die Europäische Zentralbank sieht auf die gesamte Eurozone ein weiteres Rezessionsjahr zukommen, wenngleich einige Banken nicht mehr so stark auf Zentralbankgeld angewiesen sind. Dies ist ein Hinweis für eine zwar langsame aber stete Verbesserung der europäischen Staatsschuldenkrise.
Die US-Zentralbank Federal Reserve wird derweil, wie erwartet, ab Januar monatlich für $ 45 Mrd Staatsanleihen kaufen und pumpt damit weiterhin Geld in den Markt. Die Leitzinsen sollen solange "außergewöhnlich niedrig" bleiben, bis die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent und die Inflationserwartungen unter 2,5 Prozent liegt, was laut Ben Bernanke nicht vor 2015 erreicht werden wird. Im November lag die Arbeitslosenquote noch bei 7,7 Prozent. Nichtsdestotrotz sieht aber auch die FED ein "moderates" Wachstum zwischen 2,3 und 3,0 Prozent in 2013 und 3,0 bis 3,5 Prozent in 2014.
Nicht zuletzt kamen auch aus China positive Nachrichten. So reagierte der chinesische Aktienmarkt am 5. Dezember sehr positiv auf die Schätzung, dass die Wirtschaft 2013 mit 8,2 Prozent wachsen soll, nachdem es 2012 "nur" 7,7 Prozent sein sollen. Angesichts dieser, sich wieder aufhellenden Konjunkturperspektive, sollten RÜcksetzer am Aktienmarkt auch weiterhin Kaufgelegenheiten darstellen.
06.12.2012
Der Nebenwerte Investor ab jetzt mit einer monatlichen Sektor-Rangliste und den auffälligsten Nebenwerten im Sektor
Liebe Leser,

wir setzen beim Nebenwerte Investor alles daran, Sie bei Ihren Investment-Entscheidungen optimal zu unterstützen und Ihnen dazu die  interessantesten Entwicklungen im Nebenwerte-Segment aufzuzeigen. Neben der gezielten Betrachtung aussichtsreicher Einzelwerte ist auch das Beobachten von Branchentrends ein wichtiger Puzzlestein für den langfristigen Erfolg an der Börse. Wenn Sie wissen, in welche Branchen oder Sektoren Geld fließt und aus welchen die "Großen Spieler" gerade ihr Kapital abziehen, können Sie das Chance-Risiko-Verhältnis Ihrer Anlageideen weiter zu Ihren Gunsten verschieben. Aus diesem Grund erstellen wir nun einmal monatlich eine Rangliste der vier stärksten und vier schwächsten Sektoren des vergangenen Monats. Zusätzlich filtern wir die stärksten bzw. schwächsten Nebenwerte eines jeden Sektors heraus, sodass Sie sowohl relative Stärke als auch relative Schwäche mit einem Blick erkennen können. Die Rubrik "Nebenwerte in Pivotal Charts" wird sich dann immer auch auf solche  Nebenwerte konzentrieren, die innerhalb ihres Sektors besonders auffallen. Genauere Ausführungen dazu finden Sie auf Seite 9. Wir sind sicher, dass Ihnen die neue Rubrik beim Treffen Ihrer Handelsentscheidungen wertvolle Dienste leistet.

Kommen wir nun zur Markteinschätzung. Auf den Charts weiter unten können Sie sehen, wie die einzelnen Indizes im Verhältnis zum Mai-Hoch des Jahres 2011 stehen. Dieses Hoch ist deshalb so wichtig, weil es den (vorläufigen) Endpunkt jener Hausse bildete, die im März 2009 nach der Finanzkrise begonnen hatte. Es ist klar zu erkennen, dass MDAX und Dow Jones dieses Hoch bereits überwunden haben. Der DAX nimmt aktuell Anlauf, um es seinen Index-Kollegen gleich zu tun. Dafür, dass dem DAX der Ausbruch auf ein neues Hoch gelingen wird, spricht unter anderem der sehr bullische Verlauf des General Standard Index, dem wir uns im letzten NWI ausgiebig gewidmet hatten. Die hohe relative Stärke dieses Index zeigt nämlich an, dass die Risikobereitschaft der Anleger hoch ist. Sie haben keine Bedenken, ihr Geld in eher kleinere und unbekanntere Nebenwerte zu stecken. Diese anhaltende Risikobereitschaft stimmt uns bezüglich der weiteren Aktienmarktentwicklung positiv.
28.11.2012
Der General Standard Index sendet ein Aufbruchssignal
Liebe Leser,

beim aktuellen Blick auf die Aktienindizes drängt sich uns unweigerlich eine Situationsbeschreibung auf, die stark an den Beginn zahlreicher Asterix & Obelix-Filme erinnert: "Es begab sich zu einer Zeit, in der alle Indizes am Ausbruch auf neue Jahreshochs scheiterten. Alle Indizes? Nein, nicht alle! Ein kleiner unbeachteter deutscher Nebenwerteindex konnte den Kopf aus seiner bullischen Seitwärtskonsolidierung herausstrecken und die höchsten Kurse seit März 2011 erreichen."
Es handelt sich hierbei um den General Standard Kursindex, der 84 Werte des entsprechenden Börsensegmentes beinhaltet. Im General Standard sind vor allem kleine und mittlere Unternehmen gelistet, die bzgl. Mindestkapital und Stückvolumen nicht den Anforderungen des Prime Standard entsprechen. Dessen ungeachtet unterliegen diese Unternehmen aber den Pflichten des Regulierte Marktes. In der vergangenen Woche zählten zu den stärksten Werten des General Standard Kursindex beispielsweise Bijou Brigitte, Allgeier Holding, Sto oder Heiler Software. Verfolgt man die Entwicklung des GS-Index parallel zu der des DAX zurück, so stellt man tatsächlich fest, dass dem Nebenwerte-Index eine gewisse Vorreiterrolle zugesprochen werden kann. Beispiele dafür sind der September 2006, als die GS-Werte vor dem DAX den Bullentrend fortgesetzt hatten oder der Januar 2012, als die Bodenbildung deutlich vor dem DAX abgeschlossen wurde. Auch im März/April 2009 - an der Trendwende nach der Finanzmarktkrise - reagierten die GS-Werte außerordentlich dynamisch.
Was heißt das nun für die aktuelle Entwicklung? Nun - eine solche Vorläuferfunktion ist natürlich keineswegs in Stein gemeißelt und wir würden auch nicht Haus und Hof darauf verwetten, dass DAX und co. auch diesmal folgen. Nichtsdestotrotz messen wir dem Ausbruch des GS-Index eine klare Signifikanz zu. Auch der weiter starke EUR/USD sowie die bislang bullische Korrektur der US-Indizes stimmen uns positiv. Ebenso wie die vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und Hamas, die eine Eskalation im Gazastreifen noch einmal verhindern konnte. Per saldo stellt sich die Lage für uns positiv dar, sodass Rücksetzer bei Qualitätswerten Kaufchancen sind.
20.11.2012
Der Rebound ist eingeläutet
Liebe Leser,

die Korrektur an den internationalen Aktienmärkten hatte sich in der vergangenen Woche zunächst weiter fortgesetzt. Gestern zeigten die US-Märkte dann jedoch den ersten nennenswerten Rebound-Versuch seit Mitte Oktober. Doch was hat die Bullen "plötzlich" so versöhnlich gestimmt? Nun, in den USA ist deutlich geworden, dass Demokraten und Republikaner kompromiss- und verhandlungsbereit sind um das drohende Fiscal Cliff (wir berichteten in der letzten Ausgabe darüber) zu umschiffen. Wenn dies zeitnah gelänge, würden zum einen starke Anreize wegfallen vor Jahresende die angelaufene Aktiengewinne der letzten Monate bzw. Jahre steuergünstig zu realisieren. Zum anderen wären die negativen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft vom Tisch, welche durch höhere Steuerbelastungen der Unternehmen ausgelöst worden wären.
Besonders positiv reagierten gestern die Bankaktien, da es Aussichten auf eine Verschiebung oder sogar das Ende der neuen Eigenkapitalregeln nach Basel-III gibt. Die Kritik daran kommt vor allem aus den USA, wo das Vorgängerwerk Basel II noch gar nicht verabschiedet wurde. Ebenfalls positiv wirkte gestern die fortschreitende Erholung des EUR/USD, der die Marke von € 1,28 überwinden konnte.
Es mischen sich aber auch ausreichend Moll-Akkorde ins aktuelle Finanzkonzert, allen voran von Seiten des Ölpreises. Dieser war gestern ebenfalls deutlich angesprungen, was jedoch leider nichts mit besonders guten Konjunkturaussichten zu hatte. Vielmehr könnte die sich immer weiter verschärfende Situation im Nahen Osten in den nächsten Wochen als Treiber für steigende Ölpreise herausstellen. So sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag, dass die Operation im Gaza-Streifen weiter gehe und man auch dazu bereit sei, sie noch bedeutend auszuweiten. Während sich die Beteiligten also im Vorfeld der US-Wahl noch zurückhielten, könnte das Thema bald auch an den Finanzmärkten weiter in den Fokus rücken. Ganz zu schweigen vom Schicksal der Menschen, die mitten im Konfliktgebiet leben. Wir bleiben bei dieser Gemengelage zunächst Vorsichtig und warten ab, wie weit der Rebound die  Aktienmärkte nach oben tragen kann.
15.11.2012
Im großen Bild ist der Aufwärtstrend immer noch intakt
Liebe Leser,

wenn man sich dieser Tage anschaut welche Meldungen die Börsenkurse bewegen, kann man endlich wieder feststellen, dass es vor allem Konjunkturdaten sind. Das dies nicht (mehr) selbstverständlich ist weiß jeder, der das Börsengeschehen in den letzten Jahren einigermaßen regelmäßig verfolgt hat. Seit Ausbruch der Finanzkrise reichte oft ein Nebensatz, den ein einflussreicher Politiker im Vorbeigehen bezüglich der Eurokrise fallen ließ aus, um die Kurse explodieren oder einbrechen zu lassen. Das "neue" Marktverhalten begrüßen wir sehr, auch wenn die Konjunkturdaten momentan nicht sonderlich positiv ausfallen. Es wird dadurch eine Normalisierung der Gemengelage an den weltweiten Börsen angezeigt, welche wir lange vermisst haben. In dieses Bild passt natürlich auch, dass die Rendite auf italienische und spanische Staatsanleihen weiter unauffällig unter 5 bzw. 6 Prozent (10-jährige) notieren.
Die US-Indizes zeigten seit der Präsidentschaftswahl deutliche relative Schwäche, da hier zum Jahresende der Wegfall von Steuererleichterungen sowie Ausgabekürzungen drohen (Fiscal Cliff). Das konjunkturwirksame Volumen wird auf $ 600 Mrd beziffert. Da sich auch die  Kapitalertragssteuer sprunghaft erhöhen würde, dürften einige Anleger vor Jahresende ihre angelaufenen Aktiengewinne noch steuerbegünstigt versilbern, was eine Erklärung für den erhöhten Verkaufsdruck in den USA sein könnte. Wie Sie dem unten stehenden Dow Jones-Chart entnehmen können, ist der langfristige Aufwärtstrend aber weiter intakt und die Ausbildung eines höheren Tiefs ist leicht möglich. Gefördert  werden könnte ein solches durch positive Meldungen bzgl. einer Entschärfung des Fiscal Cliff. Auch die Republikaner dürften kein Interesse an einem Abgleiten der USA in eine Rezession haben und wichtige Republikaner-Vertreter wie Senator Bob Croker haben sich bereits zuversichtlich geäußert, dass man vor Jahresende eine Einigung erzielen werde. Der DAX hat derweil zwar seinen Aufwärtstrend verlassen, sollte aber im Bereich 6880/7000 auf eine nennenswerte Unterstützungszone treffen. Im EUR/USD hat die erreichte Unterstützung bereits zu einem ersten Rebound geführt. Dies sehen wir gerade dahingehend positiv, dass die rezessiven Tendenzen in Europa eher mild ausfallen sollten.
07.11.2012
Obama siegt - und der Bär zeigt Zähne
Liebe Leser,

wir freuen uns sehr, Ihnen ab heute einen weiteren Service im Nebenwerte Investor anbieten zu können. Neben der reinen Fundamentalanalyse besteht ein weiterer Weg aussichtsreiche antizyklische Handelsideen zu finden darin, nach Chartbildern zu suchen, die langfristige Kaufsignale anzeigen. Dies kann zum Beispiel der Bruch des langfristigen Abwärtstrends oder auch das Durchbrechen einer horizontalen Widerstandslinie sein. Erstere können ein sich anbahnendes Turnaround-Szenario früh anzeigen und Letzere den Abschluss einer Bodenbildungs- oder Konsolidierungsphase. Solche Chartsignale geben oftmals sehr interessante Hinweise darauf, dass sich die Dinge bei einem Unternehmen fundamental wieder zum Besseren wenden oder dass sich auf andere Weise ein gewisses Neubewertungspotential ergibt.
Wir werden Ihnen ab heute regelmäßig (nach den "Pivotal-Charts") solche mittel- bis langfristigen Chartsignale aufzeigen, sodass Sie die Möglichkeit erhalten, daraus konkrete Handelsideen für Ihr eigenes Portfolio abzuleiten. Aus unserer Erfahrung lassen sich immer wieder echte Perlen entdecken, wenn man konsequent auf signifikante Chartsignale achtet.
Werfen wir nun noch einen kurzen Blick auf die Lage an den Aktienmärkten. Die Wahl Barack Obamas löste einen Kursrutsch an den Börsen aus, da Mitt Romney der Favorit der Wall Street gewesen war. Laut den Wahlbeobachtern von opensecrets.org waren Goldman Sachs, Bank of America, JP Morgan, Morgan Stanley und die Credit Suisse die fünf größten Unterstützer Romneys, während Obama`s Hauptsponsoren Universitäten und IT-Konzerne wie Microsoft oder Google waren. Romney genoss als Gründer des Finanzinvestors Bain Capital deutlich mehr Wall-Street-Sympathien als Obama, der die Branche nach der Finanzkrise mit Regularien wie der "Dodd-Frank" (Banken müssen z.B. mehr Eigenkapital vorhalten)  belegte und die "gierigen Banker" immer wieder öffentlich als Verantwortliche der Finanzkrise geißelte. Romney wollte die Reform Obamas wieder rückgängig machen. So verwundert es nicht, dass heute ein starker Verkaufsdruck von den USA ausgeht. Es bleibt nun abzuwarten, wie weit die Korrektur noch fortschreitet. Ein großer charttechnischer Schaden wurde bislang jedenfalls noch nicht angerichtet.
31.10.2012
MDAX kratzt wieder an ATH: Negative Divergenz oder Aufbruchssignal?
Liebe Leser,

während die US-Börsen eine Zwangspause einlegen, konsolidiert der deutsche Aktienmarkt weiterhin bullisch. Besonders interessant ist hier der ungebrochene Aufwärtsdrang des MDAX, der nur wenige Tage nach der letzten Korrekturwelle einen erneuten Angriff auf das ATH startet. Da der US-Nebenwerteindex Russell 2000 diese hohe relative Stärke bislang nicht bestätigt hatte, sind wir sehr gespannt, was sich mit der Wiedereröffnung der US-Börsen hier tun wird. Mit einer Folge von drei höheren Hochs hintereinander, konnte seit Mitte September auch der SDAX eine leichte relative Stärke gegenüber dem DAX vorweisen, welcher keine höheren Hochs mehr ausbilden konnte. Es existiert allerdings keine verlässliche "Vorläuferfunktion" der Nebenwerte. Auch im März/April 2012 oder im Juli 2011 zeigte die Nebenwerte positive Divergenzen zum DAX und erreichten kurzfristig neue Hochs. Wenig später folgten dann aber doch längerfristige Korrekturen. Es ist in der Regel eher so, dass am Ende einer längeren Aufwärtsbewegung nochmals Geld von den großen in die kleinen Werte rotiert, um hier bei dem ein oder anderen Nachzügler nochmals das "Letzte rauszuquetschen". Nach einer Bodenbildung weist eine relative Stärke der Nebenwerte jedoch darauf hin, dass die Marktbreite stimmt und ist positiv zu werten. Dies war beispielsweise im Januar 2012 oder im September/Oktober 2010 zu beobachten. Es ist also wichtig zu verfolgen, ob die stärksten Nebenwerte des letzten Monats, wie Baywa, Dürr, Gagfah, Krones, Patrizia Immobilien oder Bertrandt, ihre erreichten Kursniveaus verteidigen können.
Von Seiten der Konjunktur gibt es derweil immer noch wenig wirklich Erbauliches. So will der weltgrößte Stahlkonzern Arcelor Mittal einige Stahlwerke in Europa schließen, weil die Lage auch im Q4 schwierig bleiben wird. Die Märkte hängen also sprichwörtlich "in der Luft", da sie zwar hohe Kursniveaus erreicht hatten, nun aber weitere positive Treiber fehlen. Positiv ist, dass die Renditen auf span. und ital. Staatsanleihen weiter ruhig bleiben und sich der EUR/USD stabil entwickelt, sodass die Euro-Krise kein Schreckensgespenst mehr ist. Auch könnte der gesunkene Ölpreis wie ein kleines Konjunkturpaket wirken.
25.10.2012
Die mangelnden Konjunkturimpulse stellen die Bullen auf eine harte Probe
Liebe Leser,

ab heute gibt es eine weitere kleinere Optimierung beim Nebenwerte Investor. Um das Thema "Nebenwerte" noch umfassender abzudecken und für Sie einzuordnen, setzen wir die Entwicklung des SDAX an dieser Stelle regelmäßig in Relation zur Entwicklung des DAX (siehe Charts). So lässt sich auf einen Blick eine relative Stärke oder Schwäche des Nebenwertesegmentes erkennen, was in bestimmten Marktphasen ein wichtiges Puzzleteil zum Gesamtmarktverständnis sein kann. Je nachdem welche Intermarket-Faktoren wir uns in der Markteinschätzung anschauen, ersetzen wir die untenstehenden Charts auch durch andere Grafiken - je nach Bedarf. Außerdem wird die zweite ausführliche Aktienbesprechung nun jeweils mit einem großen Langfrist- und 6-Montas-Chart bedacht.

Der aktuelle Blick auf SDAX und DAX zeigt, dass die SmallCaps seit Ende September - nach langer underperformance - zwar relative Stärke aufbauten, diese jedoch nicht halten konnten. Ob das neue ATH des MDAX jetzt schon Bestand hat, darf in diesem Zusammenhang also bezweifelt werden, zumal die US-Nebenwerte (Russell 2000) seit Mitte September relative Schwäche zeigen. Wenngleich die Indizes im großen Bild intakte Aufwärtstrends vorweisen, dürften es die Bullen zumindest kurzfristig schwer haben. Denn nachdem die Politik mit Liquiditätsspritzen "geliefert" hatte, bleiben wirklich überzeugende realwirtschaftliche Impulse noch aus. Von den Verbesserungen in China abgesehen konnten bislang nur 42% der berichtenden US-Unternehmen die Analystenschätzungen übertreffen. In den letzten vier Jahren waren dies durchschnittlich 59% gewesen. Das Ausbleiben positiver Konjunkturausblicke von Unternehmensseite könnte in eine überzogen negative Erwartungshaltung für 2013 münden und den Markt schließlich in einer Überreaktion noch eine Stufe weiter nach unten ziehen. Die Sentiment-Muster für panikartige Verkäufe haben die Anleger in den letzten Jahren stark verinnerlicht und wären von daher problemlos abrufbar. Die sehr starken Korrekturen bei Gold und Kupfer haben andererseits aber schon wieder Rebound-Niveaus erreicht. Aufgrund der unsicheren Gemengelage ist aktuell also besondere Vorsicht geboten.
18.10.2012
China arbeitet weiter an der Bodenbildung
Liebe Leser,

die Gemengelage an den internationalen Finanzmärkten bleibt bullisch. Allen voran vom chinesischen Aktienmarkt kommen positive Signale, die auf eine Trendwende im Riesenreich hinweisen. Der an dieser Stelle immer wieder strapazierte ShanghaiA-Index scheint einen Boden auszubilden und an einer Trendumkehr zu arbeiten. So wiesen die heutigen (vergangenheitsbasierten) Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt mit 7,4% im dritten Quartal zwar das niedrigste Wachstum seit Anfang 2009 aus und blieben damit auch hinter dem selbst gesteckten Jahresziel der chinesischen Regierung  von 7,5% zurück. Der Blick in die Zukunft ermutigt jedoch, da es von Seiten der Industrieproduktion oder des Einzelhandelsumsatzes im September bereits "deutliche" Zeichen der Stabilisierung gibt. Die chinesische Regierung geht davon aus, dass die eingeleiteten Konjunkturmaßnahmen greifen und die Stabilisierung damit nachhaltig ist.
Ein weiteres Positivum steuert der Dow Jones Transportation Index bei. Wir hatten auf die hohe mediale Aufmerksamkeit bezüglich der negativen Divergenz des Transportation-Index zum Dow Jones Industrial Average hingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, dass der Transport-Index noch kein neues Tief ausgebildet hat. Tatsächlich gelang den Transports erneut die positive Trendwende, sodass sich dieser Belastungsfaktor wieder deutlich relativiert hat.
Aus konjunktureller Sicht außerdem positiv ist die aufkommende Stärke der Stahlwerte. Thyssen Krupp, Salzgitter, Kloeckner&Co. oder auch SKW Stahl entwickeln Aufwärtsdrang bzw. zeigen wieder erste Lebenszeichen. Auch das konjunktursensible Kupfer konsolidiert weiterhin auf hohem Niveau und gibt damit ein positives Signal.
Nicht zuletzt zeigen weiter fallende Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen sowie der starke EUR/USD eine nachhaltige Entspannung der europäischen Schuldenproblematik an. Aus unserer Sicht geben die aufgezeigten Intermarket-Faktoren Hinweise darauf, dass die treibende Kraft an den Aktienmärkten weiterhin von den Bullen kommt.
11.10.2012
Die Lage in Südeuropa scheint sich nachhaltig zu entspannen, aber die Berichtssaison begann mit einem Dämpfer
Liebe Leser,

beim Blick auf die Finanzmärkte ist zunächst zu erkennen, dass die Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen sich auf deutlich niedrigerem Niveau eingependelt haben und das Thema Schuldenkrise seinen Schrecken verloren hat. Darauf weisen auch die im September deutlich gesunkenen Target2-Forderungen der Deutschen Bundesbank gegenüber der EZB hin. Da Verbindlichkeiten und Forderungen von Defizit- und Überschussländern bei der EZB saldiert werden, bedeuten geringere Forderungen Deutschlands, dass auf der anderen Seite die Verbindlichkeiten der "Schuldenstaaten" ebenfalls gesunken sind. Genau dies war das Ziel der EZB-Interventionen. Des Weiteren bescheinigte die FED im jüngsten Konjunkturbericht der US-Wirtschaft ein moderates Wachstum. So hat die Kreditvergabe leicht zugenommen und, gestützt durch den Immobilien- und Automarkt, verbesserte sich die Lage der Industrie. Anfang Oktober zeigte auch der in den USA sehr wichtige Dienstleistungssektor eine stärkere Entwicklung. Dafür, dass zunächst dennoch eine fortgesetzte Konsolidierung an den Aktienmärkten ansteht, könnte die US-Berichtssaison sorgen. So hatte der Aluminiumkonzern Alcoa einen Gewinneinbruch im Q3 und  gedämpfte Geschäftserwartungen gemeldet. Der Energieriese Chevron enttäuschte zusätzlich mit einer Gewinnwarnung. Charttechnisch kommt erschwerend hinzu, dass der US-Hausbau- und Bankensektor jeweils ein Doppelhoch gebildet hat, sodass sich die Bullen wohl noch etwas gedulden sollten.
04.10.2012
Das Positiv-Szenario ist nach wie vor intakt
Liebe Leser,

blicken wir nun auf die Makroebene. Hier fällt zunächst auf, dass die US-Leitindizes trotz der erneut aufgeflammten Euro-Ängste bislang lediglich ein "Korrektürchen" vollzogen haben und die letzte Woche hier erwähnten alten Jahreshochs gehalten haben. Dies wird von den US-Sektorindizes Hausbau und Banken - die wir  immer wieder als bedeutend in den Blickpunkt rücken - bestätigt. Außerdem drehte der EUR/USD am 200-Tage-Durchschnitt wieder nach oben und auch der Inflationsindikator Gold hält sich, unbenommen aller Bedenken, in Höhe des Jahreshochs. Das konjunktursensible Kupfer konsolidiert nach dem dynamischen Aufwärtsimpuls der ersten Septemberhälfte ebenfalls bullisch. Zuletzt sei der ShanghaiA-Index (China) genannt, der über 2.100 Punkten mit einer Bodenbildung zu beginnen scheint. Neben diesen Positiv-Faktoren ist allerdings auch eine beachtenswerte negative Divergenz des Dow Jones zum Transportation Index zu beobachten. Im Transportation Index spiegelt sich das Frachtaufkommen wider und eine Schwäche der Tansport-Aktien (z.B. UPS, FedEx, Eisenbahngesellschaften) weist recht zuverlässig auf eine konjunkturelle Abkühlung hin. Diese Divergenz ist also ernst zu nehmen, veranlasst uns momentan aber noch nicht zu großer Sorge, da der Transportation Index noch kein neues Tief ausgebildet hat, sondern "lediglich" seitwärts konsolidiert, was er übrigens schon das ganze Jahr über tut. Dass diese Divergenz gerade jetzt von vielen Medien in den Vordergrund gerückt wird zeigt, dass die Phase des Zweifelns noch nicht beendet ist, was per saldo positiv für die kurzfristige Entwicklung an den Märkten ist.
26.09.2012
Zweifel begleiten die Retests der alten Hochs in den US-Indizes
Liebe Leser,
an den Finanzmärkten ist seit Wochenbeginn die Phase des Zweifelns am Aufwärtstrend sehr ausgeprägt und in den Medien sind Warnungen vor einem Ende der Hausse allgegenwärtig. Aus Senitment-Sicht ist dieses Muster nicht verwunderlich, da beispielweise Nasdaq und S&P500 neue Mehrjahreshochs generiert haben und diese nun auf den Prüfstand gestellt werden - die vergangenen Krisenjahre haben im Optimismus der Börsianer eben tiefe Spuren hinterlassen. So hat beispielsweise Blackrock, einer der weltgrößten Vermögensverwalter, das Ende der Rallye ausgerufen und auch Bankvorstände wie Martin Blessing (Coba) oder Anshu Jain (DBK) dämpfen die Erwartungen der Investoren. Positiv werten wir zunächst jedoch die Tatsache, dass die Märkte nach dem schier endlosen politischen Hin und Her nun wieder auf die Konjunkturentwicklung schauen und diese über Erfolg oder Misserfolg der charttechnischen Kaufsignale entscheiden wird.
Von Seiten der Konjunkturindikatoren kommen zwar immer noch sehr durchwachsene Signale und nicht zuletzt der neue ifo-Index zeigt eine intakte Abschwungphase an. Dennoch zeichnete sich im ZEW-Index eine erste Trendwende ab, der US-amerikanische Phily-Fed-Index überraschte mit einer Aufhellung des Geschäftsklimas und die PMI`s von HSBC zeigen für China Stabilisierungstendenzen an. Auch das konjunktursensible Kupfer konnte wieder deutlich an Wert gewinnen. Die Datenlage lässt also auch durchaus eine Lesart der Dinge zu, wonach wir uns in der Nähe des Abschwungtiefs befinden und die Aktienmarktkorrektur demzufolge eine Einstiegsgelegenheit bietet. Solange also die alten Hochs in S&P500 und Nasdaq nicht deutlich unterschritten werden, sehen wir noch keinen Grund das Ende der Rallye auszurufen.
19.09.2012
Der ZWE-Index reagiert bereits positiv auf die politischen Interventionen
Liebe Leser,

in  dieser Ausgabe stellen wir die "Nebenwerte im Fokus" zum ersten Mal in Form von Pivotal Charts dar. Durch diese Form lassen sich fundamentale und charttechnische Informationen intuitiv erfassen und miteinander verbinden, da das menschliche Gehirn am liebsten und besten mit Bildern bzw. visuellen Darstellungen arbeitet. Pivotal Points sind Punkte, an denen fundamentale Nachrichten besondere Preis-Volumen-Reaktionen auslösen. Starke Pivotal Points stehen oftmals am Anfang signifikanter Kursbewegungen. Aber auch weniger starke Pivotals geben gute Hinweise auf die Entwicklungstendenzen einer bestimmten Aktie. Wir hoffen mit dieser Darstellungsform einen echten Mehrwert für Sie zu schaffen.

Auf der Makroebene sahen wir vergangene Woche ebenfalls wichtige Pivotal-Points. So reagierten die Märkte - über alle Asset-Klassen hinweg - fast schon euphorisch auf die Liquiditätsspritzen von EZB und FED. Die Politik hat also geliefert und die Anleger können sich nun wieder auf die Konjunkturentwicklung fokussieren. Diesbezüglich gab es gestern vom ZEW-Index ermutigende Zeichen. So waren die Konjunkturerwartungen für Deutschland im September um 7,3 Punkte auf minus 18,2 gestiegen, während Ökonomen lediglich mit einer Verbesserung auf minus 19,0 Punkte gerechnet hatten. Dies ist der erste Anstieg des Indikators nach vier Rückgängen in Folge. An der Börse dürfte das Abschwung-Tief also bereits eingepreist gewesen sein und die Zeichen stehen nun - zumal vor dem Hintergrund der Liquiditätsspritzen - auf weiter steigende Kurse. Dafür sprechen auch der stark gestiegene (konjunktursensible) Kupferpreis sowie die Rückkehr des Kapitals nach Euroland. Vor allem die Schweiz hat als zuvor sicherer Hafen ausgedient und es wurden in den vergangenen Tagen viele CHF zurück in den politisch jetzt wieder deutlich gestärkten EUR getauscht. In diesem Umfeld sehen wir eine Erhöhung unserer Investitionsquote im Musterdepot als zielführend an.
10.09.2012
Bullische Signale über alle Asset-Klassen hinweg
Liebe Leser,

Mario Draghis "Bombe" hatte eingeschlagen und der Markt zeigt über alle Asset-Klassen hinweg bullische Signale: EUR/USD mit dynamischem Aufwärtsimpuls, Gold über die strategisch Zentrale Marke von  $ 1.700, S&P 500 mit neuem 4-Jahres-Hoch, Nasdaq mit neuem 12-Jahres-Hoch, selbst in China hat unser "Sorgenkind" (der ShangHai A) scheinbar einen Fehlausbruch nach unten absolviert und reagierte bullisch, Bankaktien haussieren und nicht zuletzt sind die Renditen auf spanische und italienische Staatsanleihen drastisch abgesunken. Besonders markant fielen die Kapitalmarktbewegungen in der Schweiz auf. Da mit der zunehmenden Bedrohung durch die europ. Schuldenkrise immer mehr Geld in den sicheren Hafen Schweiz geflossen war, wertete der Schweizer Franken enorm auf und wurde am Ende durch die Notenbank künstlich im Bereich CHF 1,20 je Euro gehalten. Als Draghi nun das unbegrenzte Aufkaufen von Anleihen bis zu einer Laufzeit von drei Jahren verkündete, fand eine sehr starke Kapitalbewegung aus der Schweiz heraus zurück nach Euroland statt. Dies sind deutliche Zeichen dafür, dass die Krise ihren Schrecken verloren hat und die Investoren der europäischen Notenpresse großes Vertrauen entgegenbringen. Man sollte nur nicht vergessen, dass es sich bei der EZB-Aktion um einen Elektroschock handelt, mit dem der europ. Patient ins Leben zurückgeholt wurde, jetzt aber durch nachhaltige Reformen und eine gesundende Konjunktur wieder selbst auf die Beine kommen muss. Die heutige Zurückhaltung resultiert aus der Erwartung des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes zur Rechtmäßigkeit des ESM (mit Grundgesetz vereinbar?) am Mittwoch. Nur einen Tag später könnte FED-Chef Ben Bernanke die dritte Auflage des Quantitative Easing ausrufen und den Märkten damit weiteres Futter geben. Die Arbeitsmarktdaten waren enttäuschend ausgefallen und würden einen solchen Schritt plausibel machen. Nicht zuletzt wächst auch in China der Druck auf die Notenbank, nach einer überraschend stark zurückgegangenen Industrieproduktion zu intervenieren. Ergo: Rücksetzer am Aktienmarkt  sind kaufenswert.
03.09.2012
Das Ausbleiben von Liquiditätsspritzen auf den beiden nächsten Sitzungen würde dem Markt den Boden entziehen
Liebe Leser,

die Reaktion der Aktienmärkte auf die Rede von  Ben Bernanke bestätigte die Annahme, dass die Hoffnung auf die nächste Geldspritze momentan der einzige Kurstreiber ist. Wenngleich Bernanke ausdrücklich auf die Gefahren eines QE3 hinwies und die Märkte zunächst enttäuscht reagierten, fanden sich sofort wieder Käufer, als er ein QE3 am Ende doch noch in Aussicht stellte. Ein Grund für mögliche Interventionen ist die Tatsache, dass das Wirtschaftswachstum in den USA noch nicht zum wirksamen Abbau der hohen Arbeitslosigkeit ausreicht. Die Märkte können also theoretisch bis zur nächsten Zinssitzung am 13. September im Hoffnungsmodus bleiben. Letzteren begünstigen auch die Erwartungen an das heutige Geburtstagskind (65) Mario Draghi, der diesen Donnerstag auf der EZB-Sitzung die Möglichkeit hat, konkrete Maßnahmen zu verkünden, nachdem er Verbal bereits mehrmals entsprechende Erwartungen schürte.
Ein wichtiges Indiz dafür, wie sehr die Investoren tatsächlich auf eine Liquiditätsspritze, durch die FED oder die EZB, setzen, ist der Goldpreis. Das Inflationsbarometer befindet sich seit Mitte August in einem dynamischen Aufwärtsimpuls und würde mit einem Bruch der $1700-Marke ein starkes Kaufsignal generieren. Danach wäre die seit September 2011 dauernde Konsolidierung abgeschlossen und neue Hochs würden hier auf der Agenda stehen.
Da sich die konjunkturelle Erholung mittlerweile in einer späten Phase befinden sollte, auf welche dann wieder ein Abschwung folgt - die Unternehmensberichte und Wirtschaftsindikatoren deuten darauf hin - würde den starken Aktienmärkten auf einen Schlag der Boden entzogen werden, wenn von Seiten der Notenbanken doch keine Liquiditätsspritzen kommen. So sollte die Resistenz der Märkte zumindest bis Donnerstag (EZB-Sitzung) anhalten. Ob die Indizes jedoch im Falle einer Enttäuschung auch noch bis zur FED-Sitzung resistent bleiben würden, bleibt abzuwarten. Hier lauert also Enttäuschungspotential. Im positiven Falle wäre jedoch mit neuen Jahreshochs zu rechnen, sodass man durchaus noch abwarten kann.
28.08.2012
Die Investoren haben den Worten geglaubt - und warten nun auf Taten
Liebe Leser,

die Aktienmärkte haben uns das "Auftanken" während unserer kleinen Urlaubspause dankenswerterweise leicht gemacht und sind  weiter angestiegen. Die jüngste Konsolidierung verlief angesichts der Intensität der im Juli gestarteten Aufwärtsbewegung bislang sehr moderat und ist von daher ein deutliches Zeichen der Stärke. Die Depots vieler Anleger dürften nämlich mittlerweile wieder konstruktiv aussehen und angesichts der bislang nur verbal eingedämmten Eurokrise, zu Gewinnmitnahmen einladen.
Derweil liegen die Gründe für den Anstieg auf der Hand. Während nämlich die Berichtssaison ausläuft und als Impulsgeber an Bedeutung verliert, sollten die Anleger sich eigentlich wieder mehr auf das größere konjunkturelle Bild fokussieren. Wie jedoch der gestrige ifo-Index zeigt, sieht dieses nach wie vor eher trübe aus. So sank der Geschäftsklimaindex den vierten Monat in Folge und auch Deutschland steht wegen der südeuropäischen Rezession vor einer Wirtschaftsabkühlung. Die Treiber der Kursanstiege waren also wieder einmal politische, nämlich ein potentielles QE3 in den USA sowie die mögliche Festlegung einer  Zinsobergrenze für europäische Krisen-Anleihen. FED-Chef Ben Bernanke hatte vergangene Woche "Raum für weitere Maßnahmen" ankündigt, nachdem zuletzt auch der chinesische Ministerpräsident auf weitere Schritte gedrängt hatte. Von daher wird die am Freitag anstehende Rede Bernankes von großem Interesse sein. 2010 hatte er auf diesem Treffen in Jackson Hole (Wyoming) das QE2 angekündigt. Alternativ könnte er die Maßnahme, so er sie denn durchführen will, auch erst am FOMC-Treffen am 12./13. September ankündigen. Am 6. September, steht die nächste EZB-Sitzung an, auf welcher Mario Draghi seinen Worten Taten folgen lassen sollte. Die jüngste Rallye ist somit als "Vorschusslorbeere" für diese Politereignisse einzustufen und es ist fraglich, ob die Anleger im Vorfeld noch weiter aus der Deckung gehen. Ein gutes Kaufsetup läge vor, wenn die großen Indizes nach entsprechend positiven News ihre Jahreshochs in Angriff nehmen.
13.08.2012
Noch keine Entwarnung aus China
Liebe Leser,

hinter dem jüngsten Aufwärts-Bias der Aktienmärkte steckte die durch Mario Draghi verbal geschürte Hoffnung auf Interventionen der EZB. Gestützt wird diese durch Pläne, wonach die Zentralbank nun den direkten Ankauf von Unternehmensanleihen in Erwägung zieht und damit ohne den Umweg über Banken Geld in die Wirtschaft pumpen könnte. Die Geldhäuser horten die EZB-Milliarden bislang lediglich. Als wichtigster Gradmesser der Schuldenkrise waren die Renditen auf span. Staatsanleihen (10 Jahre) stabil unter der zentralen Marke von 7 Prozent geblieben, sodass die Lage hier nach wie vor "beruhigt" ist. Nun stellt sich die Frage, welche Treiber den Märkten den nächsten Aufwärtsimpuls verleihen können, da die nächste EZB-Sitzung erst am 6. September stattfindet. Aus konjunktureller Sicht sollten diese aus den USA kommen, da die Wirtschaftsdaten in Asien und Europa Schwäche signalisieren. So fiel die chin. Industrieproduktion auf den tiefsten Stand seit 3 Jahren und die Rufe nach Interventionen werden hier immer lauter. Der chin. Aktienmarkt reagierte mit deutlicher Kursschwäche, nachdem erst in der Vorwoche ein Fehlausbruch auf ein neues 3-Jahres-Tief vollzogen worden war. Wir hatten an dieser Stelle auf die prekäre Charttechnik chin. Aktien hingewiesen. Bislang wurde der bärische Break aber noch nicht bestätigt. In der Eurozone hatte sich das Wirtschaftsklima in Q3 deutlich verschlechtert und binnen sechs Monaten wird keine Verbesserung erwartet. Besonders in der Schusslinie steht der Automobilmarkt und, wegen der schlechten Lage in China,  zunehmend auch die bislang resistenten deutschen Hersteller. VW reagierte mit massiven Preisnachlässen auf die sinkende Nachfrage in China. Einzig in den USA erwartet man für morgen positive Konjunkturdaten. Derweil war der Ölpreis stark angestiegen und die Futures notieren in Backwardation, d.h. nahe liegende Kontrakte sind teuerer als solche, die später fällig werden. Dies deutet oftmals auf ein knappes Angebot und weiter steigende Preise hin. Für die Konjunktur wäre dies jedoch nicht förderlich. Nichtsdestotrotz sollten die  in Planung stehenden umfassenden EZB-Interventionen die Märkte weiter stützen und eine Korrektur kann nach unserer Einschätzung als antizyklische Kaufgelegenheit genutzt werden.
06.08.2012
Die Bullen bleiben stur
Liebe Leser,

damit hatten wohl die wenigsten Marktteilnehmer gerechnet. Obwohl Mario Draghi seiner verbalen Intervention auf der EZB-Sitzung letzten Donnerstag keine Taten folgen ließ, schalteten die Aktienmärkte schon einen Tag später wieder in den Hausse-Modus. Dabei war die erste Enttäuschung der Investoren groß und Euro und Aktien sackten noch während Draghis Rede deutlich ab. Ganz zu schweigen von den Renditen auf spanische und italienische Staatsanleihen, die im Laufe des Donnerstag zwischen 6 und 7 Prozent nach oben schossen und in Spanien die kritische 7-Prozent-Marke wieder überschritten (10-jährige Laufzeit). Es sah also alles nach einem klaren Punktesieg der Bären und dem Ende der Aktienrallye aus.
Als die erste Enttäuschung verflogen war wurde den Investoren allerdings klar, dass Draghi durchaus ein schlüssiges Konzept vorgelegt hatte. Demnach ist die EZB zu Staatsanleihekäufen eines Landes bereit, wenn dieses offiziell die Hilfe des EFSF/ESM beantragt hat. Nämlich nur, wer offiziell unter den Rettungsschirm schlüpft, muss am Ende auch strikte Auflagen erfüllen, seinen Haushalt in Ordnung  bringen und Reformen umsetzen. Hinzu kommt, dass die Anleihen nur auf dem Sekundärmarkt (Rentenmarkt, Banken) kaufen darf, der EFSF/ESM sich aber direkt bei Auktionen der Staaten (Primärmarkt) beteiligen kann. Durch dieses Vorgehen stellt Draghi also sicher, dass die Krisenstaaten nicht nur bekommen, sondern in Form von Haushaltsdisziplin auch geben müssen. Kritisch sahen viele Beobachter dagegen, dass die EZB sich auf kurz laufende Anleihen beschränken will, weil die Probleme in den langfristigen Zinsen lägen. Ein Blick auf die Renditen 10-jähriger Papier seit Freitag zeigt jedoch deutlich gesunkene Risikoaufschläge, sodass die "lebenswichtige" Beruhigung an dieser Stelle trotzdem eingetreten ist.
Draghis Plan funktioniert bislang also und der mit den Pivotal-Points (siehe letzte NWI-Ausgabe) gestartete Aufwärts-Bias hält an. Diese Sichtweise wird auch durch die jüngste Stärke der Bankaktien bestätigt.
30.07.2012
Same Procedure!
Liebe Leser,

es ist immer noch wichtig, den Intermarket-Pivotal-Point vom 29. Juni nach dem EU-Gipfel in die Marktbetrachtung mit einzubeziehen. Um ein möglichst genaues Bild des Marktzustandes zu erhalten ist es wichtig, sich markante Punkte (Pivotals) zu merken und das künftige Marktverhalten an diesen Punkten zu beobachten. Mit der Zeit stellt man dann fest, dass Charts tatsächlich über eine Art "Gedächtnis" verfügen und fundamental begründete Preisreaktionen oftmals noch Wochen oder Monate später Relevanz haben. So ist es auch diesmal wieder geschehen, da der oben genannte Pivotal (hellroter Pfeil) zwei Mal als Unterstützung fungierte (kleine Pfeile) und genau von diesem Niveau aus der jüngste Aufwärtsimpuls (dunkelroter Pfeil) gestartet war. Dieser kam durch die verbale Intervention von EZB-Chef Mario Draghi zustande, wonach die Notenbank "alles Erforderliche" tun wird um den Euro zu erhalten und Draghi außerdem versicherte: "Und glauben Sie mir, das wird reichen."



Chart: S&P 500

Am gleichen Tag fielen die Renditen auf spanische Staatsanleihen wieder unter die wichtige 7-Prozent-Marke und auch die Risikoaufschläge auf italienische Anleihen gaben weiter deutlich nach. Die EZB ist also ihrem Handlungsmuster, bei Renditen über 7 Prozent zu intervenieren, treu geblieben (siehe Markteinschätzung im letzten NWI).

Durch Draghis verbale Vorlage sind die Markterwartungen an die EZB-Sitzung in Frankfurt am Donnerstag natürlich gewaltig. Es muss jetzt geliefert werden, wenn das frisch gewonnene Vertrauen erhalten werden soll. Darauf, dass sich tatsächlich etwas tut, weist auch der heutige Besuch von US-Finanzminister Timothy Geithner bei Wolfgang Schäuble hin, der dafür kurzfristig seinen Sylt-Urlaub unterbrechen musste. Die Anleger erwarten nun ganz klar, dass die EZB ihre Staatsanleihekäufe zumindest temporär fortsetzt und das seit März ruhende Aufkaufprogramm (Securities Markets Programme, SMP) wieder aktiviert wird. Kritischen Stimmen die davor warnen, dass eine Fortsetzung des SMP negativ zu werten sei weil es den Reformdruck von den Krisenstaaten nehme halten wir entgegen, dass diese sich ohne eine solche externe Hilfe nicht mehr selbstständig aus dem Würgegriff der Märkte befreien könnten. Es reicht nicht aus, noch drastischere  Einsparungen durchzudrücken, da dadurch die  Gefahr steigt, dass sich diese Länder im wahrsten Sinne totsparen. Die Worte eines spanischen Lehrers, der im Interview angab, dass er künftig 40 statt 20 Schüler in einer Klasse unterrichten muss, sprechen wohl Bände darüber, wie sehr die Menschen dort schon "strapaziert" werden.

Nichtsdestotrotz ist der Aufwärts-Bias an den Aktienmärkten intakt, wenngleich nach dem jüngsten dynamischen Kursanstieg eine Konsolidierung im Vorfeld der EZB-Sitzung wahrscheinlich ist. Nicht ins positive Bild passt der chinesische ShangHaiA-Index, der heute auf ein neues 3-Jahres-Tief gerutscht ist (wir berichteten an dieser Stelle). Da der Break noch nicht bestätigt ist, besteht immer noch die Möglichkeit eines Fehlausbruchs und damit eines übergeordnet positiven Bildes für die Aktienmärkte.
23.07.2012
Als Italien die 7-Prozent-Marke knackte, schritt die EZB ein - same procedure?
Liebe Leser,

pünktlich bevor die Aktienindizes auf ein neues Hoch hätten durchbrechen können, flammt die Euro-Krise wieder in ihrer ganzen Wucht auf. An dieses Bild sind wir mittlerweile gewohnt. Die Märkte reagieren zum einen panisch auf Befürchtungen, dass der IWF keine neuen Hilfsgelder an Griechenland mehr ausgeben wird, weil das Land seine Verschuldung bis 2020 augenscheinlich nicht, wie zugesichert, auf 120 Prozent vom BIP wird senken können. Ende des Jahres soll die Schuldenquote laut der EU-Statistikbehörde Eurostat bei 160 Prozent liegen. Bekommt Griechenland jedoch kein frisches Geld, kann der Staat seine Beamten und Renten laut Handelsblatt nur noch bis September  bezahlen - dann ist Schluss und eine Staatspleite kann das Land alleine unmöglich abwehren. Es stellt sich hier immer wieder die Frage, wie ein Staat sich sanieren soll, wenn seine Bürger auf der einen Seite zwar durch Gehaltskürzungen und Wuchersteuern geschröpft werden, sie auf der anderen Seite aber kaum Möglichkeiten haben, Wertschöpfung zu betreiben und neues Geld zu verdienen.

Zum anderen brachten Meldungen aus Spanien, wonach insgesamt 7 der 17 autonomen Regionen unter akuter Finanznot leiden und die Regionen Valencia und Murcia bereits Gelder aus einem kurzfristig eingerichteten nationalen Rettungsfonds beantragt haben, das Fass zum Überlaufen. Diese Probleme sind jedoch keineswegs neu und die Summen um die es sich handelt eher überschaubar. So sollen die Regionen laut Berenberg Bank Ende 2011 insgesamt € 140 Mrd (13 Prozent des BIP) ausstehende Schulden gehabt haben und Valencia soll eine Finanzlücke von über € 2 Mrd und Murcia von € 433 Mio haben. Katalonien, die mit € 42 Mrd am höchsten verschuldete Region, soll eine Finanzierungslücke von € 3,5 Mrd haben und kurz davor stehen, dieses Geld zu beantragen. Da Spanien bereits vorletzte Woche einen € 18 Mrd schweren Fonds für solche Fälle eingerichtet hat, sehen wir aufgrund der Berichte keine wirkliche Notwendigkeit, die Lage in Spanien völlig neu zu bewerten. Dennoch erreichten die Renditen auf 10-jährige Staatsanleihen neue Rekordstände und sind über die kritische Marke von 7% gestiegen, wodurch sich Spaniens Refinanzierungsproblem deutlich verschärft hat und das Land hier nicht mehr selbstständig rauskommen wird.

An diesem Punkt sollten wir uns unbedingt eines in Erinnerung rufen: In Italien waren die Risikoaufschläge auf 10-jährige Schuldverschreibungen bereits im November 2011 über diese Marke geklettert, hatten neue Rekordwerte erreicht und die Aktienmärkte in den Crashmodus versetzt. Wenige Wochen später schritt dann die EZB ein und gab den notleidenden europäischen Banken massive Liquiditätshilfen in Form der bekannten Tender. Ein solches Szenario sollte auch dieses Mal das einzige sein, welches die Lage tatsächlich entschärfen kann, d.h. die EZB steht nun massiv unter Handlungsdruck, da Spanien auf keinen Fall kippen darf. Schließlich ist das BIP des Landes mit $ 1491 Mrd fünf Mal so groß wie das griechische. Sollten sich nun zusätzlich auch noch die Probleme in Italien (BIP $ 2195 Mrd) weiter verschärfen, wäre hier eine Rettung schier aussichtslos. Zum Vergleich: Deutschland verfügt über ein BIP von $ 3571 Mrd und liegt damit weltweit hinter den USA ($ 15094 Mrd), China ($ 7298) und Japan ($ 5867 Mrd) an vierter Stelle.

Da die italienischen und spanischen Börsenaufsichten als Konsequenz auf die heutigen Kursverluste Leeverkaufsverbote ausgesprochen hatten, wurden v.a. die Finanz-Titel anderer europäischer Länder abverkauft und auch der DAX kam seit dem Zeitpunkt des Verbots massiv unter Druck. Der Euro konnte sich nach seinem Rutsch auf ein neues 2-Jahres-Tief wieder etwas stabilisieren und auch die US-Indizes konnten sich, genau wie Kupfer, wieder etwas von ihren Tagestiefs erholen. Im Gesamtbild erscheint es so, dass aufgrund der sich wieder verschärfenden Krise immer stärker mit baldigen Interventionen durch die EZB gerechnet werden kann bzw. muss, genau so, wie es Ende letzten Jahres geschehen war, als die italienischen Renditen die 7-Prozent-Marke überschritten hatten. Die Pistole sitzt der Notenbank also auf der Brust und eine umfassende Maßnahme wird die nächste handelbare Börsenrallye einleiten.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,
Frank Notar & Torsten Schall
16.07.2012
Der Pivotal hat gehalten, aber es bleibt spannend
Liebe Leser,

auch, wenn es für viele Marktteilnehmer recht überraschend gewesen sein dürfte, hat der Pivotal im S&P 500 (siehe Markteinschätzung  von letzter Woche) bei rund 1330 Punkten gehalten, wenngleich der Aufwärtsimpuls wegen sinkender Handelsvolumina einen Schönheitsfehler erhielt. Die Bullen haben sich dennoch alle Optionen offen gehalten - zumindest was die US- und europäischen Indizes betrifft. In China, dem Weltwirtschaftsmotor, sieht dies leider anders aus. Hier hat der ShangHai A-Shares Index seinen Abwärtstrend fortgesetzt und ist im Begriff, auf ein neues 3-Jahres-Tief durchzubrechen. Die A-Shares werden in Renminbi gehandelt und sind nur für chinesische Staatsbürger sowie "qualifizierte" ausländische Investoren erhältlich. Darum spricht man ihnen eine besonders hohe Aussagekraft zu, wenn es um die Wahrnehmung der Wirtschaftslage innerhalb Chinas geht. Aufgrund der prekären charttechnischen Situation wird es hinsichtlich der Signale aus dem  Reich der Mitte also spannend bleiben. Der Bestätigung signifikanter bärischer Chartsignale aus China konnten sich bislang auch die westlichen Märkte nicht entziehen, solange es sich nicht um einen Fehlausbruch handelte.
Die Renditen auf span. und ital. Staatsanleihen wollen derweil keine richtige Entwarnung geben und vor allem in Italien tendieren die  Risikoaufschläge wieder nach oben. Demzufolge entwickeln sich auch die Bankenwerte eher verhalten und der wichtige  US-Bankenindex kann sein Hoch vom Monatsanfang nicht mehr erreichen. Die Anleger warten hier auf die Rede von Notenbank-Präsident Ben Bernanke, der am Dienstag über die amerikanischen Wirtschaftsprognosen und Finanzmärkte aussagen wird. Man erhofft sich hier Hinweise bezüglich finanzieller Stimuli durch die FED. Sollten solche Hinweise ausbleiben, dürfte es für den Markt schwierig werden, positive Impulse zu erhalten. Der Rückgang der US-Einzel- handelsumsätze im Juni um 0,5% sowie die ungünstige Auftragslage der US-Industrie schüren jedenfalls keine Hoffnungen, dass die Berichtssaison in den USA starke Impulse bringen wird. Für uns gilt es also weiter  abzuwarten.
10.07.2012
Auf diese Chartmarke kommt es jetzt an
Liebe Leser,

die Märkte hatten am Freitag nach dem EU-Gipfel (29.6.) über die gesamte Breite hinweg (Aktien, Rohstoffe, Devisen, Renditen auf span./ital. Staatsanleihen) bullische Signale geliefert und damit aus Intermarket-Sicht einen Pivotal-Point generiert. Zusätzliche Signifikanz erhielt dieser durch die hohen Handelsvolumina an der NYSE. Der Eröffnungskurs dieses Tages (rote Markierung im Chart) müsste nun halten, wenn das Positiv-Szenario intakt bleiben soll. Wie ebenfalls im Chart zu sehen ist, beginnt hier auch die Unterstützungszone (grün), die wir aufgrund der Put-Call-Ratios (Angstbarometer) herausgearbeitet hatten.


Die Märkte korrigierten am Freitag, trotz den Zinssenkungen der EZB sowie geldpolitischer Lockerungen in China und Großbritannien, wieder stark und zeigten damit einen erneuten Vertrauensbruch an. So rauschte der EUR/USD auf ein neues 2-Jahres-Tief und die Zinsen ital. und span. Staatsanleihen sprangen wieder massiv nach oben. Die berechtigte Sorge der Anleger lautet, dass die Zinssenkung zwar bei der Sanierung der Bankbilanzen hilft, aber der Wirtschaft nicht zugute kommt. Außerdem hilft sie den Problemstaaten nicht, sich am Finanzmarkt zu vernünftigen Konditionen refinanzieren zu können (massiver Renditeanstieg), was allerdings die wichtigste Voraussetzung für weitere Lösungsschritte ist. Es wird diese Woche also wichtig sein zu beobachten, ob der oben angeführte Unterstützungsbereich hält.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,
Frank Notar & Torsten Schall
03.07.2012
Positiver Bias hält aus Intermarket-Sicht an
Liebe Leser,

am vergangenen Freitag zeigten faktisch alle Anlageklassen bullische Reaktionen und bestätigten damit in der Breite ein, zumindest kurzfristiges, Aufwärtsszenario: EUR/USD, AUD/USD, Kupfer, Öl, Gold, Silber, die europäischen und us-amerikanischen Aktienindizes - alles wurde stark akkumuliert. Dabei wurden an der NYSE rund 1,1 Mrd Aktien mit einem Aufwärtsvolumen von 85% gehandelt, soviel wie selten zuvor in diesem Jahr. Die Bestätigung durch das Handelsvolumen verleiht dem Aufwärtsimpuls zusätzliche Stärke. Besonders positiv war, dass der konjunktursensible US-Hausbauindex auf ein neues dreieinhalb-Jahres-Hoch durchbrechen konnte. Dieser Index schaltete im Oktober 2011 als einer der ersten auf "bullisch" und bestätigte am Freitag die übergeordnete Aufwärtstendenz. Kann der  Housing Sector (HGX.X) sein neues Hoch in der nächsten Korrektur verteidigen, bleibt die Ampel für den Gesamtmarkt auf grün.
Das stärkste Positivsignal war aber natürlich das Absinken der Zinsen auf italienische und spanische Staatsanleihen. Denn ohne vernünftige Refinanzierungskonditionen für die Problemstaaten, wird es keine größeren Lösungsschritte geben können. Die "zugehörigen" Premiers, Mariano Rajoy und Mario Monti, übten mit ihrer Blockade des Wachstumspaktes derart Druck auf Angela Merkel aus, dass diese den Geldtopf für krisengeschüttelte Banken noch leichter zugänglich machte und damit anzeigte, dass mehr Sozialismus und weniger Liberalismus das Gebot der Stunde bleiben wird. Neben der Einrichtung einer EU-Bankenaufsicht wird die Fiskalunion weiter forciert, sodass die Eurostaaten peu à peu in der Haushaltspolitik mehr Macht an Brüssel abtreten werden. Nachdem die Politik nun recht überraschend geliefert hat, sollte die EZB am Donnerstag mit einer Leitzinssenkung von 1 auf (mind.) 0,75 Prozent sowie möglicherweise mehr Notkrediten aufwarten. Auch dies sollte die Aktienmärkte weiter stützen. Wichtige Bestätigung eines Aufwärtsszenarios wäre ein Schlusskurs des S&P 500 über der Marke von 1363 Punkten.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,
Frank Notar & Torsten Schall
26.06.2012
Der Aktienmarkt bleibt auffallend stabil
Liebe Leser,

begegnen wir den schlechten Nachrichten der vergangenen Tage mit einer positiven Beobachtung: Die Aktienmärkte, der EUR/USD, der AUD/USD sowie Kupfer haben sich trotzdem relativ stabil gezeigt. Die Put-Call-Ratio an der CBOE (ein "Angstbarometer") schließt derweil seit Wochen im Bereich von 1 und zeigte an mehrereren Tagen mit deutlich höheren Werten  Angst unter den Anlegern an. Die höchsten Werte wurden am 17. Mai (1,45), 1. Juni (1,37) sowie am 13. Juni (1,28) gemessen. Während die beiden ersten Paniktage an der Börse durch massive Kursverluste bestätigt wurden, verharrte der S&P500 am letztgenannten "Angsttag" in einer Seitwärtsrange, sodass die Angst trotz eines stabilen Aktienmarktes angestiegen war. Dies ist ein eher positives Zeichen und gibt Hinweise auf eine potentielle Unterstützungszone (siehe Chartausschnitt des S&P 500).



Neben diesem technischen Aspekt gibt es aber fundamental  keine Verbesserungen - im Gegenteil. Spanien und Zypern haben nun offiziell EU-Hilfen beantragt, das Inkrafttreten des ESM verzögert sich, mit der "Monte dei Paschi" könnte nun auch das erste italienische Geldhaus Staatshilfen in Anspruch nehmen, die italien. und span. Renditen stiegen wieder deutlich an, die in zwei Wochen beginnende US-Berichtssaison steht unter dem Vorzeichen zahlreicher Prognosesenkungen und auch Deutschlands Konjunktur zeigt Schwäche. Die relative Stärke der Aktienmärkte ist vor diesem Hintergrund deutlich erkennbar, sodass viele Negativszenarien bereits eingepreist sein dürften.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,
Frank Notar & Torsten Schall
19.06.2012
Die Hoffnung auf Interventionen nährt die Bullen
Liebe Leser,

der griechische Politikprofessor Stathis Kalyvas brachte es mit seiner Twitter-Nachricht am Montagmorgen recht gut auf den Punkt. So schrieb er laut nzz.ch (Neue Züricher Zeitung): "... was für eine große Erleichterung es doch ist aufzuwachen in einem Land mit offenen Banken." Diese Erleichterung war zunächst auch im EUR/USD und den Aktienindizes abzulesen, da diese fast durch die Bank stark eröffneten. Im weiteren Verlauf verließ die Anleger aber genau so rasch wieder der Mut und Euro&Co. gingen auf Tauchstation, während die Renditen auf spanische Anleihen um über 4% nach oben schossen und so hoch notierten, wie seit der Einführung des Euro nicht. Der Grund: der Anteil notleidender Kredite von Sparkassen und Geschäftsbanken erreichte im April mit 8,7 Prozent den höchsten Stand seit 18 Jahren. Wie hoch den Spaniern das Wasser am Halse steht zeigt die erneute Forderung des spanischen Finanzministers, die EZB solle Staatsanleihen aufkaufen. Es ist also klar, dass die Probleme in Griechenland zwar kurzzeitig entschärft wurden, die Angst vor massiven Problemen in Spanien diese kurze Freude jedoch rasch wieder eintrübte.

Aus Intermarket-Sicht gibt es dagegen nicht nur negative Signale, sondern auch Anzeichen von relativer Stärke. So konnte das konjunktursensible Kupfer seine Stabilisierung fortsetzen und auch der hier immer wieder ins Feld geführte AUD/USD  zeigte im Tagesverlauf wieder deutliche relative Stärke. Auch die US-Indizes setzten ihre Aufwärtsbewegung fort. Hier verzeichneten die Sektoren Hausbau und Transport besonders starke Positivimpulse, wenngleich die Lage im  Bankensektor leider verhalten blieb. Es bleibt also am Ende die Beobachtung stehen, dass die Aktienmärkte trotz der großen Spanien-Ängste eine gewisse Stärke an den Tag legen. Da die Erwartung positiver Konjunkturimpulse momentan sicherlich nicht der Grund für diese Stärke ist, setzen viele Anleger auf anstehende Notenbankaktionen. Da diese bislang allerdings noch recht vage im Raum stehen, warten wir die weitere Entwicklung zunächst ab.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,
Frank Notar & Torsten Schall
11.06.2012
Die Bullen waren noch nicht überzeugend
Liebe Leser,

die Aktienmärkte bleiben sehr herausfordernd und der Blick, den wir gleich auf das Zusammenspiel von Finanzmärkten und Politik werfen werden zeigt, dass die Marktreaktionen keiner klaren Linie folgen. Die Lage bleibt also brisant.

Am vergangenen Mittwoch waren die Märkte wegen der Hoffnung auf geldpolitische Maßnahmen der US-Notenbank FED deutlich angestiegen, wurden einen Tag später jedoch enttäuscht. Notenbank-Chef Ben Bernanke hatte in seiner Rede die Möglichkeit geldpolitischer Maßnahmen zwar angedeutet, gab bzgl. Zeitpunkt und konkreter Gestaltung jedoch keine Hinweise, sodass auch die Hoffnung auf ein zeitnahes QE3 wieder aufgegeben werden musste. Bernanke wies aber dennoch darauf hin, dass die Kraft der US-Wirtschaft noch nicht für eine bedeutende Erholung am Arbeitsmarkt ausreiche und "signifikante" Risiken wegen der europäischen Schuldenkrise bestünden. Das US-Wirtschaftswachstum hatte im ersten Quartal mit 1,9% unter den Erwartungen gelegen und auch die Arbeitslosenzahlen überraschten mit einem leichten Anstieg auf 8,2% negativ. Bernanke hielt sein Pulver also weiter trocken, was wir positiv bewerten.
Auch die EZB hatte sich einen Tag zuvor zurückgehalten und den Leitzins unverändert bei 1% belassen. Zentralbank-Chef Mario Draghi kommunizierte jedoch, dass die Inflationsrate Anfang 2013 die Zielmarke von 2% unterschreiten soll und damit durchaus Spielraum für eine Zinssenkung bestünde. Aus konjunktureller Sicht erwartet Draghi eine leichte Rezession in Europa. Der Verzicht auf eine sofortige Zinssenkung  ist ein gutes Zeichen dafür, dass ernsthafte Wirtschaftsprobleme tatsächlich nicht zu erwarten sind, was natürlich aufgrund der bestehenden Schuldenrisiken positiv zu werten ist. Die Leitzinssenkung in China wurde von vielen Marktteilnehmern nämlich genau dahingehend negativ interpretiert, dass es der Konjunktur ja wirklich schlecht gehen muss, wenn die Zinsen so überraschend gesenkt werden. Die geldpolitischen Entscheidungen der vergangenen Woche zeigen also, dass die wirtschaftliche Lage nicht dramatisch genug ist um umfangreiche Hilfsmaßnahmen zu rechtfertigen. Diese Lesart wird auch von der Reaktion der Aktienmärkte gestützt. So vollzogen diese nur einen kurzfristigen Rücksetzer und erholten sich am Freitag wieder deutlich, obwohl die eigentlichen Erwartungen bzgl. geldpolitischer Interventionen enttäuscht worden waren. Dies ist als Zeichen einer gewissen Widerstandskraft einzuschätzen. Zur Markterholung beigetragen hatte auch die Hoffnung darauf, dass Spanien am Wochenende den Hilfsantrag zur Unterstützung des maroden Bankensektors stellen wird.
Nachdem der Hilfsantrag nun jedoch tatsächlich gestellt wurde und die spanischen Banken bis zu € 100 Mrd erhalten, verpuffte die positive Marktreaktion sofort wieder. Die anfänglichen Kursgewinne des DAX und  der US-Indidzes wurden postwendend  abverkauft und der spanische Leitindex IBEX büßte intraday wieder rund 400 Punkte oder 5,2% vom Tageshoch ein. So sieht ein klassischer Umkehrtag aus. Dieser wird auch von der Währungsseite im EUR/USD und AUD/USD bestätigt. Dass im gleichen Zug die spanischen und italienischen Renditen auf 10-jährige Staatsanleihen um über 4% anziehen zeigt deutlich, dass die Maßnahme nichts zur Beruhigung beigetragen hat. Vielmehr haben die Investoren Bedenken, dass nun Italien verstärkt in den Fokus rückt und möglicherweise auch der spanische Staat Hilfen benötigt. Nicht zuletzt sind die Folgen eines nicht unwahrscheinlichen Euro-Austritts Griechenlands unabsehbar. Die Weichen für den Grexit werden an der Wahl in Griechenland kommenden Sonntag gestellt, sodass nicht damit zu rechnen ist, dass die Anleger vorher nochmals stark ins Risiko gehen und im großen Stil Aktien kaufen werden.
Per saldo zeigte die Anlegerreaktion der letzten Woche zwar eine relative Stärke des Marktes an, die aber heute mit dem massiven "Sell the news" wieder massiv infrage gestellt wird. Dies gilt umso mehr, da die "Anschlusskäufe" seit Mittwoch von deutlich fallenden Handelsvolumina begleitet und damit nicht bestätigt wurden. Außerdem bleiben die Rohstoffe, allen voran das konjunktursensible Kupfer, außerordentlich schwach. Die aktuelle Gemengelage legt also den Schluss nahe, dass die Wahrscheinlichkeit eines Re-Tests des letztwöchigen Umkehrimpulses recht hoch ist, sodass sich Aktienkäufe aktuell noch nicht aufdrängen.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank Notar & Torsten Schall
04.06.2012
Intermarket-Faktoren weisen auf eine Stabilisierung hin
Liebe Leser,

der DAX unterschritt am heutigen Montag die 6000-Punkte-Marke, nachdem sich die zehnwöchige Abwärtsbewegung am Freitag deutlich beschleunigt hatte und die Kurse unter den wichtigen GD200 trieb. Auch in den USA brachen die Indizes auf neue Tiefs durch. Aus Intermarket-Sicht gibt es allerdings einige Auffälligkeiten und Divergenzen, die für eine Stabilisierung sprechen.
Zunächst bildete der EUR/USD am Freitag mit einem starken Umkehrtag ein Gegengewicht zum Abverkauf an den Aktienmärkten. Dann ist im Verhalten des AUD/USD eine weitere positive Divergenz  auszumachen. So bildete der Australische Dollar (AUD) am Freitag eine starke Umkehrkerze, nachdem die Währung zum 1. Mai fast zeitgleich mit den Aktienindizes den Abwärtstrend verstärkte. Die Korrelation zwischen Aktienmärkten und dem AUD/USD ist vor allem in Bezug auf Umkehrpunkte nach Abverkäufen sehr hoch. So endeten sowohl die Aktienmarktkorrekturen im Mai 2010 als auch im August 2011 fast zeitgleich mit einer Umkehr im AUD/USD. Der Startschuss zur letzten Aktienrallye fiel am 4. Oktober und wurde taggenau mit einem starken Hammer im AUD/USD bestätigt.
Auch der Hang-Seng (Hongkong) bildete eine Tagesumkehr auf der wichtigen Unterstützung bei 18.000 Punkten, nachdem er heute per Down-Gap deutlich unter dem Schlusskurs vom Freitag eröffnet hatte. Ebenso eröffnete heute der japanische Nikkei per großem Down-Gap und erreichte damit das Preisniveau knapp über 8.200 Punkten. In dieser Preiszone endete sowohl die Fukushima-Panik am 15.3.2011 als auch der Fehlausbruch unter das immer noch aktuelle 3-Jahres-Tief Ende November 2011.
Eine weitere Auffälligkeit, die auf signifikante politische Interventionen hinweisen könnte, zeigte am Freitag der Goldpreis. Dieser sprang nämlich just in dem Moment mächtig an, als die sehr schlechten US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht wurden. Das Kalkül der Gold-Käufer lautet, dass Bernanke in seiner Rede am Donnerstag Hinweise auf eine weitere geldpolitische Lockerung in Form eines QE3 gibt. Möglicherweise finden sich auch bei der Veröffentlichung des Beige Book, dem Bericht über die aktuelle wirtschaftliche Situation der USA, bereits entsprechende Indizien. Wenn man sich zurückerinnert, dass auch die von Dezember 2011 bis März 2012 andauernde Rallye durch politische Maßnahmen (EZB-Tender) iniziiert wurde und bedenkt, dass der Aktiencrash im Mai/Juni 2010 erst gestoppt wurde, als der Bundestag dem ersten Rettungspaket für Griechenland zustimmte und die drei Monate später gestartete Hausse durch das QE2 richtig befeuert wurde wird klar, dass auch diesmal nur politische Interventionen den Markt stabilisieren sollten.
Wenn man so will erhält eine Stabilisierungstendenz auch Schützenhilfe von der Saisonalität. Demnach bilden die Aktienmärkte in US-Wahljahren im Mai/Juni auffallend oft Tiefpunkte aus und beginnen allmählich eine Aufwärtsbewegung, die bis in den September hinein sehr dynamisch verläuft. Es ist klar, dass auch Barack Obama zur Präsidentschaftswahl am 6. November eine starke US-Wirtschaft sowie einen starken US-Aktienmarkt präsentieren möchte. Also ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf die schlechten Arbeitsmarktdaten politische Schützenhilfe erfolgt, als deutlich erhöht einzustufen. Bill Gross, der Manager des weltgrößten Rentenfonds Pimco, bezifferte diese Wahrscheinlichkeit auf 60%.
Ein Blick auf die Entwicklung der Volumina und Put-Call-Ratios (Angstbarometer) während der Marktkorrektur zeigt allerdings weder Extremwerte noch einen panischen Ausverkauf an. Es gab also noch keinen Selloff, an welchem echte Panik unter den Investoren entstand. Die aktuellen Sentiment-Daten von Sentix messen kurzfristig zwar trotzdem eine "deutliche Angst", was für eine kurzfristige Stabilisierung spricht. Die wichtigen mittelfristigen Treiber für eine Aufwärtsbewegung fehlen allerdings noch.
Auch der chinesische Aktienmarkt sowie Kupfer, als wichtiges konjunktursensibles Industriemetall, streuen noch Salz in die Augen derjenigen Anleger, die das Ende der Konsolidierung sehen möchten. Vor allem chinesische Aktien zeigten deutliche Schwäche.
Am Ende erhalten wir also einige Hinweise auf eine Stabilisierung der Märkte. Da die Beständigkeit der Euroland-Probleme jedoch erhalten bleibt, sollten antizyklische Käufe nur von risikobewussten  Anlegern durchgeführt werden. Der Markt bleibt hoch riskant!
03.05.2012
NWI 2.0 und ein kurzer Blick auf die Märkte
Liebe Leser,
mit Freude präsentieren wir Ihnen heute das
neue Format des Nebenwerte-Investors. Das
Layout und die Inhalte des Briefs wurden dahingehend
weiterentwickelt, dass die Investment-
Stories zum einen visuell übersichtlicher gestaltet
sind (z.B. durch "Fundamental-Charts" und "Check-Box"). Dadurch können Sie die Story hinter
einem Nebenwert noch schneller erkennen und
die Geschäftsentwicklung des Unternehmens
rasch einordnen. Zum anderen wird der Depotcheck
ab jetzt deutlich aktueller und detaillierter
ausfallen, je nachdem wie sich die Nachrichtenlage
bzw. die charttechnische Situation
unserer Depotwerte darstellt.
Blicken wir also in neuer Frische auf die aktuellen
Märkte. Diese zeigten sich am Freitag von
ihrer starken und optimistischen Seite und
verbuchten per Saldo deutliche Kursgewinne,
obwohl die Ratingagentur Standard & Poor`s die
Kreditwürdigkeit Spaniens weiter herabgestuft
hatte. Die Experten begründeten dies damit,
dass sich die Haushaltslage des Landes wegen
der wirtschaftlichen Probleme weiter verschlechtern
werde. Des Weiteren erwartet
man, dass die spanischen Banken zusätzliche
finanzielle Unterstützung benötigen und stufte
heute 11 Geldinstitute herab. Neben den unbeeindruckten
Aktienmärkten machte auch die
Entwicklung der spanischen Risikoaufschläge
Mut. So stiegen diese am Freitag nur leicht an
und geben aktuell sogar um fast 1,4% nach. Auch
in Italien bleibt eine Panikreaktion aus. Ein
Grund dafür könnte sein, dass für den EU-Gipfel
im Juni ein Investitions- und Wachstumsprogramm
angekündigt wurde.
Derweil stellte sich auch die untere Umkehr des
US-Bankensektors vergangene Woche als nachhaltig
heraus. Ebenfalls sehr erfreulich ist der
außerordentlich starke Aufwärtsimpuls des USHausbausektors.
Wie unsere Leser wissen,
messen wir diesem als sensiblem Konjunkturbarometer
eine besondere Bedeutung bei. Zum
Schluss sei auch der wieder deutlich gestiegene
Kupferpreis als positiver Intermarketfakor
erwähnt.
Wir wünschen Ihnen einen großen Mehrwert und
viel Freude mit dem neuen NWI-Format,
Frank Notar & Torsten Schall
30.03.2012
Warum die Aktie zur attraktivsten Vermögensklasse avanciert
Liebe Leser,

wir wollen die heutige NWI-Ausgabe mit ein paar ausführlicheren Gedanken zur Vermögensallokation beginnen und zunächst die Frage stellen, in welche Asset-Klasse momentan das meiste Geld fließt. Bereits der einfache Blick auf die Kurs- und Renditeentwicklung von Staatsanleihen der Bundesrepublik oder der USA zeigt, dass Unmengen an Liquidität in staatlichen Schuldverschreibungen gebunden ist. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Finanz- und Staatsschuldenkrise hat die Anleger dermaßen verunsichert, dass sie ihr Geld nur bei der stärksten und quasi letzten Instanz, dem Vater Staat, in Sicherheit wägen. Zugunsten der Sicherheit nehmen sie sogar negative Renditen in Kauf und begnügen sich mit Zinsen, die deutlich unterhalb der ohnehin schon niedrigen Inflationsraten liegen. Das Motto lautet also Kapitalerhalt, koste es was es wolle. Der Gedanke durch Risiko höhere Renditen zu erwirtschaften ist momentan tatsächlich aus der Mode gekommen. In die gleiche Richtung weisen der in den vergangenen Jahren stark gestiegene Goldpreis sowie die deutlich steigenden Immobilienpreise.

Bevor wir uns gleich die Situation in der vierten Asset-Klasse, den Aktien, näher anschauen, wollen wir noch einen Blick auf die Rolle der Staaten als sicherer Hafen für das hart verdiente Geld der Investoren werfen. Wenn man als Geldgeber jemand Drittem sein Geld anvertraut, dann erwartet man zu Recht, dass dieser verantwortungsvoll damit wirtschaftet und seine Hausaufgaben macht, um es später mit den entsprechenden Zinsen wieder zurückzahlen zu können. Viele Staaten haben ihre Hausaufgaben in den vergangenen Jahren allerdings außerordentlich nachlässig angefertigt, sodass die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung immer weniger aufgeht. Ohne auf die Gründe nun im einzelnen einzugehen, stellen wir folgende Verschuldungsquoten (Schulden in Relation zum BIP) fest: Japan 220%, Griechenland 143%, Italien 119%, Belgien 97%, USA 93%, Portugal 93%, Eurozone 85%, Deutschland 83%, Frankreich 82% usw. Zur Erinnerung: laut Maastricht-Vertrag darf die Staatsverschuldung maximal 60% des BIP betragen.

Der Ausbruch der Staatsschuldenkrise führte nun dazu, dass man bei den konjunkturell schwachen Südstaaten jegliches Vertrauen in die Rückzahlungsfähigkeit verlor, die Risikoaufschläge in Form der Zinsen in die Höhe schnellten und die Staaten an den Rand des Ruins trieben. Gerettet wurden sie nur durch die Geldinjektionen der EZB, die den Banken quasi unbegrenzt Geld zum Aufkauf der Ramschanleihen zur Verfügung stellte und die Staaten vor dem Kollaps bewahrte. Die Rechnung war in diesem Falle noch einfach ("Wie soll z.B. Griechenland mit einem BIP-`Wachstum` von -7,5% zweistellige Zinsraten bedienen?") und die erste Anlegerreaktion (Anleiheflucht) nachvollziehbar. Auch die Flucht der Anleger in die Staatsanleihen der Bundesrepublik oder der USA ist als erster Reflex nachvollziehbar. Schließlich gibt es hier eine funktionierende Wertschöpfung, mit welcher die Anleihen bedient werden können.

Aus langfristiger Perspektive ist die Geldanlage in diese vermeintlich sicheren Häfen allerdings nicht mehr nachvollziehbar. Denn zum einen sind die Renditen hier unterirdisch (in der BRD 0,12% für 3 Monate oder 1,87% für 10 Jahre). Zum anderen werden auch die Haushalte Deutschlands oder der USA immer stärker belastet. So musste die Bundesbank erst kürzlich einen 70-prozentigen Gewinneinbruch vermelden, weil die Risikovorsorge aufgrund möglicher Ausfälle von Ramschanleihen massiv erhöht wurde. Die Umverteilung von Zentral- auf Südeuropa belastet also die bislang stabilen Staaten immer mehr, sodass die Märkte über kurz oder lang auch hier höhere Risikoaufschläge verlangen werden. Dann wird auch Deutschland vor dem Problem stehen, die massiv ausgeweiteten Schulden mit höheren Zinsen bedienen zu müssen. Fragen wir also einmal überspitzt: "Wer rettet Deutschland oder die EZB?".

Das Konzept der Europäischen Zentralbank, die Verbindlichkeiten der Schuldenstaaten mit neuen Schulden zu bekämpfen, geht zwar kurzfristig auf und war quasi alternativlos, damit wichtige Zeit gewonnen werden konnte. Die Frage wird allerdings sein, wie man die Teufelsspirale alte Schulden durch immer mehr neue Schulden zu bekämpfen durchbrechen kann. Manche Experten sagen, dies wäre nur mit einer Inflation möglich. Eine solche ist aber momentan weit und breit nicht in Sicht, da die neue Liquidität nicht kaufkraft-wirksam wird sondern zum Großteil gleich wieder als Sicherheit bei der EZB geparkt wird. Es bleibt also festzuhalten, dass die momentan gefragteste Asset-Klasse, Staatsanleihen, weder aus rendite- noch aus sicherheitsgesichtspunkten mittel- bis langfristig für die Anleger noch attraktiv sein wird.

Der Wunsch und die Notwendigkeit Rendite zu erzielen wird vielmehr den Aktien neues Leben einhauchen. Hinter einer Aktie steht ein reales Unternehmen, dass über echte Wertschöpfung einen Mehrwert für seine Aktionäre schafft und diesen über Dividenden und Kurssteigerungen am eigenen Erfolg teilhaben lässt. Selbst wenn ein Staat zahlungsunfähig würde, könnte ein Unternehmen weiter seine Produkte verkaufen und Geld verdienen, wenn auch vielleicht in geringerem Maße. Der Aktiencrash im August letzten Jahres hatte eine schwere Rezession eingepreist, die schlussendlich nicht eingetreten ist. So befindet sich das Bewertungsniveau deutscher Aktien immer noch auf einem, langfristig gesehen, sehr niedrigen Niveau. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis des DAX liegt nur etwas über 1. Die Baissephasen 2000/03 und 2008/09 fanden ziemlich genau im Bereich KBV 1 ihr Ende. Ende 2007, kurz vor Ausbruch der Krise, lag das DAX-KBV bei rund 2,5 und im Neue-Markt-Hype erreichte es in der Spitze sogar rund 4,5.

Wir haben also auf der einen Seite eine überbewertete und aus renditesicht unattraktive Asset-Klasse "Anleihen", die bei Investoren (z.T. zwangsläufig) oberste Priorität genießt. Auf der anderen Seite haben wir eine immer noch sehr günstig bewertete Asset-Klasse "Aktien", die in der Wertwahrnehmung der meisten Menschen aufgrund der Finanz- und Schuldenkrise außerordentlich gelitten hat. "Die Anleihe steht auf dem Gipfel und die Aktie liegt am Boden" - so könnte man das Szenario bildlich beschreiben. Da sich die Finanzmärkte immer in Zyklen bewegen, wird sich die Wertwahrnehmung bei Aktien nach unserer Einschätzung schon bald deutlich erholen und die Anleger werden der Aktie als renditestarkem Sachwert eine neue Bedeutung beimessen. Aus diesem Grund sehen wir kleinere Korrekturen aber auch ausgedehntere Einbrüche am Aktienmarkt, die kurzfristig kaum zu prognostizieren sind, als willkommene Einstiegsgelegenheiten im langfristigen Bild an.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten

24.03.2012
US-Banken und Hausbausektor geben weiterhin grünes Licht
Liebe Leser,

in der vergangenen Woche (Text bezieht sich auf 12.3.-16.3.)wurden die großen Aktienindizes durch die positiven US-Konjunkturdaten auf neue Jahreshochs getrieben. Dabei konnten DAX, Dow Jones, Nasdaq Composite und Nikkei die runden Chartmarken scheinbar mühelos durchbrechen. Sowohl in Deutschland als auch den USA zeigen sich jedoch negative Divergenzen zwischen groß- und kleinkapitalisierten Unternehmen. So konnte der SDAX nur knapp auf ein neues Jahreshoch vorstoßen, während der TecDAX es nicht auf ein neues Hoch schaffte. In den USA scheiterte der Russell 2000, der wichtigste weltweit beachtete Nebenwerte-Index, an der Ausbildung eines neuen Jahreshochs. Die relative Schwäche der Nebenwerte ist an dieser Stelle also als Warnsignal zur Kenntnis zu nehmen.

Es gibt allerdings auch bestätigende Signale anderer Indizes, denen wir momentan eine noch größere Bedeutung beimessen. Zum einen ging der US-Bankenindex KBW letzte Woche regelrecht durch die Decke, nachdem die amerikanische Notenbank am Dienstag verkündete, dass der Großteil der 19 einem Stresstest unterzogenen Banken diesen bestanden hatte. Der Bankensektor ist von offizieller Seite her nun soweit gesundet, dass sich die Geldhäuser über die Ausschüttung von Dividenden oder Aktienrückkäufe wieder verstärkt um das Wohlergehen ihrer Aktionäre kümmern können. Zum anderen gab der US-Hausbausektor mit einer großen Dynamik grünes Licht auf der Oberseite und setzte seine impulsive Aufwärtsbewegung weiter fort. Da die Konjunkturnachrichten diese Woche vom US-Häusermarkt bestimmt sein werden, wäre es nicht verwunderlich, wenn nach den starken Kursgewinnen der vergangenen zwei Wochen ein Sell-the-news-Verhalten zu beobachten ist oder zumindest eine Seitwärtskonsolidierung eingeleitet wird. Dieses Marktverhalten ist oft zu beobachten, wenn eine Aktie oder ein Sektorindex im Vorfeld einer Datenveröffentlichung in Erwartung guter Nachrichten ansteigt. Nichtsdestotrotz bestätigt aber, neben dem Bankenindex, auch der US-Hausbauindex die neuen Jahreshochs der oben genannten Blue-Chip-Indizes, was für uns ein deutlich bullisches Zeichen ist.

Die fundamentalen Argumente für Aktien liegen derweil auf der Hand: niedrige Zinsen, hohe Geldmengen, eine robuste Konjunktur und immer noch sehr vernünftige Bewertungen. Außerdem befinden wir uns in einem US-Wahljahr, in welchen sich die Aktienmärkte erfahrungsgemäß besonders positiv entwickeln. Aber auch die Warnungen, welche sich auf eine mittlerweile zu sorglose und selbstsichere Anlegerschaft sowie den überkauften Marktzustand beziehen, sind nicht zu überhören. Was uns in diesem Zusammenhang allerdings immer wieder verwundert ist die Hartnäckigkeit, mit der einige Börsendienste entweder die teilweise über Monate aufgelaufenen Buchgewinne realisieren oder gar immer neue Short-Einstiege versuchen. Unserer Ansicht nach sollte man gerade jetzt die Börsenregel "Trade what you see, not what you think" beherzigen. Und was wir sehen, sind starke übergeordnete Aufwärtstrends und keine Toppbildungsformationen, die eine ausgeprägte Kursschwäche erwarten ließen. Mit einer kurzfristigen Schwächephase ist natürlich jederzeit zu rechnen, sodass das Risikomanagement wie immer strikt eingehalten werden muss. Mittelfristig bleiben wir jedoch bullisch orientiert und wollen Kursschwäche zum Positionsaufbau nutzen.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten

09.03.2012
Der Intermarket-Stau-Report
Liebe Leser, wer in der Faschingswoche auf süddeutschen Autobahnen in oder aus Richtung der Alpenländer unterwegs war, konnte in den allgegenwärtigen Staus ein unglaubliches Aufgebot an ebenso neuwertigen wie hochpreisigen Automobilen der Marken Mercedes, BMW, Audi, Porsche oder auch des VW Passat bestaunen. Im Stau herrscht zwar naturgemäß eine sehr hohe Dichte an Kraftfahrzeugen, eine solch enorm hohe Dichte an Premiummodellen im Stop-and-Go-Modus regt allerdings zum Nachdenken darüber an, wie viele Menschen für ein solches Auto tatsächlich € 40.000 oder meist deutlich mehr zahlen. Man könnte auch börsenspezifisch die Frage stellen, welche Käufergruppe der Haupttreiber hinter den Rekord-Absatzzahlen der deutschen Premiumhersteller ist.

Ein erster Blick in die Statistiken des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigt bereits, dass die Altersgruppe der 40- bis 59-Jährigen für gut die Hälfte aller Pkw-Neuzulassungen verantwortlich zeichnet. Diese Personengruppe konnte in der Regel über die Jahre hinweg ein gewisses Vermögen ansparen und belohnt sich, nachdem der Hausstand weitestgehend finanziert ist, mit einem schönen fahrbaren Untersatz. Dies ist allerdings nur ein Teil der Begründung, da auch der Neukauf eines Kleinwagens in diese Statistik mit aufgenommen wird und sich nicht jeder dieser Altersgruppe gleich ein Premiummodell kaufen kann.

Schaut man sich die Januar-Statistik über Neuzulassungen von Pkw nach Marken und Modellreihen an, so kommt man der Sache wieder ein Stück näher. So wurden im Januar deutschlandweit 210.195 Pkw neu zugelassen, wovon rund 65% gewerblichen Haltern zuzuordnen sind. Bei den oben genannten Premiummodellen ist der Anteil gewerblicher Halter dann nochmals deutlich höher: Audi A4/A6/A7 ca. 90%, BMW 3er/5er ca. 90%, Mercedes C- und E-Klasse 77%, VW Passat 90%, Opel Insignia 85%. Hier wird nun also ersichtlich, welche Käufergruppe den Absatz von Oberklassemodellen in die Höhe treibt: Firmen. Da Arbeitnehmer ihre Dienstwagen aufgrund der 1-Prozent-Regelung auch privat nutzen können, ist die Frage nach einem Dienstwagen bei der Besetzung etwas gehobener Posten in Unternehmen mittlerweile fest in die Gehaltsverhandlungen integriert. Gerade gut qualifizierte Berufseinsteiger lassen sich mit einem schicken Audi oder BMW als Dienstwagen hervorragend überzeugen. Zu den gewerblichen Kunden zählen in großem Maße auch Autovermietungen wie beispielsweise Sixt, die ihre Automobilflotten dann z.T. über Leasingmodelle wiederum Firmenkunden andienen.

Soweit unser kleiner Exkurs in und aus den Tiefen süddeutscher Staus. Wirft man einen Blick auf den US-amerikanischen Automobilmarkt, so erholen sich die Autoverkäufe hier weiter deutlich, sodass im Januar 14,18 Mio Autos verkauft werden konnten. Seit dem Ende der Rezession 2009 stiegen die Autoverkäufe hier sehr dynamisch um rund 50% an. Diese positive Tendenz bestätigten auch die jüngsten Absatzzahlen des Volkswagen-Konzerns, der in den USA im Januar 27.200 (+48%) Autos der Marke VW und 9.400 (+20%) Wagen der Marke Audi ausliefern konnte. Getrieben wurde der überraschend hohe Autoabsatz im traditionell eher schwachen Januar durch den hohen Ersatzbedarf. Da das Durchschnittsalter der Fahrzeuge in den USA, dem nach China zweitgrößten Pkw-Markt, etwa 11 Jahre beträgt, müssen die US-Bürger in neue Automobile investieren um mobil zu bleiben. Von daher sollte die Pkw-Nachfrage in den USA mittelfristig nicht sehr stark einbrechen sondern tendenziell stabil bleiben.

die Märkte zeigen sich weiterhin sehr robust und der Dow Jones arbeitet sich stoisch an der 13.000 Punkte-Marke ab. Auch der DAX unternahm vergangene Woche den zweiten Anlauf auf die runde Marke von 7.000 Punkten. Das wichtigste aber natürlich lange erwartete Ereignis der letzten Woche war die Vergabe des zweiten 3-Jahres-Tenders der EZB. Nachdem sich mit dem ersten Tender vom 20. Dezember noch 523 Banken mit € 489 Mrd zum Zinssatz von 1% versorgt hatten, teilten am 29. Februar ganze 800 Banken € 529 Mrd zum gleichen Zinssatz unter sich auf. Damit übertraf die Notenbank die Erwartungen der meisten Marktbeobachter, die mit einem etwas geringeren Ausgabevolumen gerechnet hatten. Dass die wichtigen Aktienindizes mit der Tendervergabe vergangenen Mittwoch per Tagesschluss allesamt niedriger schlossen und Dow Jones, S&P 500 und DAX Shooting-Star-Muster ausbildeten zeigt, dass hier ein Sell the news Verhalten an den Tag gelegt wurde. Am Tag der Vergabe des ersten Tenders am 20. Dezember waren hingegen durchweg sehr bullische Kerzen zu beobachten gewesen.

Immer wieder rückte auch der hohe Ölpreis in den Fokus der Anleger und Befürchtungen bezüglich seiner Konjunktur abwürgenden Wirkung waren im Wochenverlauf ein regelmäßiger Diskussionspunkt. Trotz diesem Unsicherheitsfaktor ist die Widerstandsfähigkeit der Märkte sehr beeindruckend, was sich beispielsweise an der relativen Stärke nach der Bekanntgabe des größten Einbruchs der US-Auftragseingänge seit drei Jahren zeigte (News vom 28.2.). Die Anleger vertrauten am Ende doch den Worten von US-Notenbank-Chef Ben Bernanke, der sich laut Beige Book für die Konjunktur in naher Zukunft weiterhin "moderat optimistisch" zeigte. Bernanke wies auch auf das sich weiterhin verbessernde Umfeld für Banken hin, gab allerdings gleichzeitig zu verstehen, dass die USA keine weiteren geldpolitischen Maßnahmen einleiten werden. Daraufhin wurde Gold brachial abverkauft und erlitt den größten Tagesverlust in mehr als drei Jahren, weil die Anleger an der Notwendigkeit das Edelmetall als Inflationsschutz im Depot halten zu müssen zweifelten. Zu Bernankes positivem Bankenkommentar passt die Empfehlung der Investmentbank Goldman Sachs, wonach auch europäische Banken wieder auf den Kaufzettel gehören.

Halten wir also fest: Die EZB hat Banken über € 1 Billion (1.000.000.000.000 !) zu 1% geliehen. Wenn man Geld zu diesem Zinssatz aufnehmen kann muss man schon außerordentlich unbeholfen sein, um daraus keinen Gewinn zu erwirtschaften (zumal ausdrücklich erwünscht ist, davon südeuropäische Ramschanleihen mit Renditen von 5% zu kaufen. Zwar wird augenscheinlich ein nicht unbeträchtlicher Teil des Geldes wieder für 0,25% bei der EZB geparkt, da die Einlagenfaszilität am Freitag um mehr als € 300 Mrd auf den Höchststand von € 777 Mrd angestiegen war. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass ein Teil des Geldes auch weiterhin in die Aktienmärkte fließen wird. Im Kontext der weiter positiven Konjunkturaussichten sollte die Liquiditätsrallye an den Aktienmärkten also anhalten und etwaige Einbrüche, selbst aufgrund einer Iran-Israel-Eskalation, stellen für uns klare Kaufaufforderungen dar.

17.02.2012
Nasdaq vs S&P - Das gleiche Spiel wie im Herbst 2010?

Liebe Leser,

beim Blick auf die Charts der großen Indizes scheinen diese geradezu nach einer großen Korrekturbewegung zu schreien. Während der S&P500 DEN charttechnischen Knackpunkt bei 1370 Punkten erst noch überwinden muss, hat die Nasdaq den Deckel nach oben schon lange durchbrochen und ein sehr starkes Kaufsignal generiert.

Basischart: finanzen.net (zum Vergrößern klicken)

Die charttechnische Situation erinnert an den Spätherbst 2010, als die Aktienmärkte die durch den Flashcrash eingeleitete Konsolidierung von Mai bis Oktober endgültig abschlossen (Markiert mit grauen Ellipsen). Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass auch damals die Nasdaq als erster Index das letzte wichtige Zwischenhoch überstieg, welches kurz vor dem Flashcrash generiert wurde. Es ist aber auch zu erkennen, dass die erste positive Divergenz der Nasdaq ein Fehlausbruch war und es zunächst einer mehrwöchigen Konsolidierung bedarf, bevor dann im zweiten Anlauf auch der breite Aktienmarkt, hier repräsentiert durch den S&P 500, folgte. Innerhalb dieser Konsolidierung bildete die Nasdaq wiederum eine positive Divergenz in Form eines höheren Tiefs kurz vor dem Ausbruch aus.

Man sollte also momentan auf eine Korrekturbewegung an den Akteinmärkten durchaus gefasst sein, da die Charttechnik für ein solches Szenario schlagkräftige Argumente in Form eines wichtigen Zwischenhochs liefert. Dass es aber nicht zwingend zu einem erneuten Unterschreiten des bereits durchbrochenen Zwischenhochs bei der Nasdaq kommen muss, sagt uns ein entscheidender fundamentaler Faktor. Der Unterschied zum 2010er-Szenario besteht darin, dass die EZB seit Dezember die Märkte massiv mit Liquidität flutet und dieser Geldstrom die aktuelle Hausse über die Maßen hinaus befeuern kann. Die EZB stellte den Banken mit ihrem ersten Tender € 500 Mrd zur Verfügung. Da mittlerweile viele Banken bedauern, dass sie sich am ersten Tender nicht oder in zu geringem Maße beteiligt hatten, rechnen Marktbeobachter damit, dass der am 29. Februar ausgegebene zweite Drei-Jahres-Tender das Volumen des ersten nochmals übersteigen wird. Schon ohne den neuen Tender liegt die Überschussliquidität im Euroraum bei € 490 Mrd, obwohl sie eigentlich nahe null liegen sollte. Die Attraktivität der Aktie als immer noch moderat bepreister Sachwert sollte an dieser Stelle also nicht unterschätzt werden.

Natürlich ist es nicht vorherzusehen, ob nun eine etwas ausgedehntere Konsolidierungsbewegung an den Aktienmärkten eintritt oder nicht. Wir behalten jedoch im Hinterkopf, dass die Aufwärtskräfte in Form überschüssiger Liquidität sehr stark sind und sich gleichzeitig die Konjunkturaussichten deutlich aufgehellt haben. Diese Kombination ist in der Regel ein gefundenes Fressen für Aktionäre. Auf der anderen Seite darf man an den Finanzmärkten aber auch niemals zu blauäugig werden und gut gelaunt ins offene Messer laufen. Von daher bleiben wir konzentriert, halten das Risikomanagement ein und nutzen Korrekturen konsequent zum Positionsaufbau.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten

15.02.2012
Die positiven Signale überwiegen weiterhin

Liebe Leser,

der DAX zeigte vergangene Woche eine leichte relative Schwäche zu den US-Indizes und hier allen voran gegenüber der Nasdaq. Am US-Technologieindex gingen die Sorgen bezüglich der groben Unstimmigkeiten in Griechenland fast spurlos vorüber und lediglich am letzten Handelstag der Woche gab das Barometer leicht um 0,64% nach. Um das recht laute mediale Echo hinsichtlich der DAX-Korrektur etwas einzuordnen, wollen wir das tatsächliche Ausmaß des Kursrückgangs zunächst etwas genauer erfassen. Der DAX startete am Jahresbeginn bei 5900 Punkten und stieg dann sehr dynamisch um rund 940 Punkte bzw. 16% auf bis zu 6838 Punkte an. Die Korrektur vom Freitag betrug per Tagesschluss 146 Punkte, also 2,1% vom Jahreshoch. Schaut man sich nur die Performance vom Montag (open) bis zum Freitag (close) an, so schlägt der Wochenverlust gerade einmal mit 0,89% zu Buche. Für die US-Indizes fällt diese Statistik noch sehr viel "kuschliger" aus. Dieses kleine Zahlenspiel zeigt also bereits, dass die Anleger außerordentlich gefasst auf die sich zuspitzende Lage in Griechenland reagieren. Liest man sich dagegen die Artikelüberschriften der Börsenberichterstatter durch, stößt man auf Termini wie "vermasselte DAX-Bilanz", "DAX knickt ein" oder "Ernüchterung an den Finanzmärkten". Wir wollen dagegen sehr viel moderatere Worte für den Kursrückgang wählen und sehen bislang lediglich eine sehr moderate Korrektur im dynamischen Aufwärtstrend. Mehr gaben die Kursverluste bis zur Erstellung dieses Artikels (11.2.) einfach nicht her und zwar auch deshalb nicht, weil selbst die mittlerweile steil verlaufenden GD 20 der großen Indizes noch nicht tangiert wurden. Die Aufwärtstrends sind also intakt und es ist zunächst von nichts anderem als einer gesunden Korrekturbewegung auszugehen.

In diese Richtung weisen auch die Marktreaktionen auf den überraschenden Milliardenverlust des weltgrößten Stahlkonzerns Arcelor Mittal. Obwohl die Analysten wohlgemerkt mit einem Gewinn im vierten Quartal gerechnet hatten, beendete das Papier die Woche deutlich im Plus. Der Grund: Im Ausblick kommunizierte man zwar eine Abschwächung der Stahlnachfrage für 2012, rechnet aber immer noch mit einer Steigerung um 4,5% und sah darüber hinaus sich stabilisierende Stahlpreise. Auch der Preis für das konjunktursensible Kupfer blieb stabil und gibt uns keine Hinweise auf größere Verwerfungen an den Aktienmärkten. Ebenso sind bei Gold und dem EUR/USD lediglich normale Korrekturen zu beobachten, während der im NWI 5/12 an dieser Stelle in den Fokus gerückte US-Hausbauindex am Donnerstag sogar ein neues 52-Wochen-Hoch generieren konnte. Zum Schluss sollen noch die Bankaktien erwähnt werden, die sich trotz wenig berauschender Zahlen einiger Großbanken sowie anhaltender Griechenland-Sorgen von ihrer besonnenen Seite zeigten.

Also was jetzt – alles eitel Sonnenschein? Nun, eine solche Einstellung ist an den Aktienmärkten natürlich niemals angebracht und sollte Griechenland bis zum Ultimatum am Mittwoch die gestellten Bedingungen nicht erfüllen und das zweite Kreditpaket über € 130 Mrd nicht ausgezahlt werden, sollte dies auch an den Aktienmärkten seine Spuren hinterlassen, sprich zu einer fortgesetzten Korrektur führen. Die problematische Situation Portugals rückte vergangene Woche nach Äußerungen Schäubles ebenfalls wieder in den Fokus, als er ein weiteres Hilfspaket für die Südeuropäer ins Spiel brachte. Während sich auch hier die Medien sehr besorgt zeigten, was im Grunde natürlich gerechtfertigt ist, fielen die Risikoaufschläge auf portugiesische Staatsanleihen weiter ab und erreichten per Freitag die Marke von 12,48%. Ende Januar musste Portugal wohlgemerkt noch 17,4% zahlen. In der Gesamtschau sehen wir in Aktienmarktkorrekturen also weiterhin gute Einstiegschancen und behalten unsere Watchlist dementsprechend genau im Auge.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten

10.02.2012
Lebensversicherer brauchen steigende Aktienkurse

Liebe Leser,

am Freitag reagierten die Märkte euphorisch auf den US-Arbeitsmarktbericht. So hatte sich die Lage im Januar überraschend verbessert und außerhalb der Landwirtschaft stieg die Zahl der Beschäftigten um 243.000. Dies ist deutlich mehr als der erwartete Anstieg um 150.000 und stellt gleichzeitig das größte Plus seit April 2011 dar. Die Arbeitslosenquote sank sogar auf den niedrigsten Stand seit Februar 2009 (8,3%). Auch der ISM Dienstleistungsindex stieg stärker als erwartet an und befeuerte damit die ohnehin schon positive Wahrnehmung der Investoren.

Auf diese Nachrichten hin schossen die Aktienmärkte fast in ihrer gesamten Breite auf neue Mehrmonatshochs und generierten damit erneut ein starkes Kaufsignal. Die Anleihemärkte reagierten dagegen deutlich negativ auf die positiven Konjunkturmeldungen. Es rotierte also Geld von den (vermeintlich) risikolosen Staatsanleihen in die riskanteren Aktien, sodass man den Finanzmarktakteuren eine gestiegene Risikobereitschaft attestieren kann. Wirft man nun einen genaueren Blick auf die Chartbilder der Staatsanleihen, so kann man eine interessante Beobachtung machen: Der Bund-Future kapitulierte zum zweiten Mal in diesem Jahr und zum sechsten Mal seit September 2011 vor dem Preisbereich € 139/140. Die 10-jährigen US-Notes drehten zum zweiten Mal in 2012 und insgesamt ebenfalls zum sechsten Mal vor der $ 132-Marke wieder nach unten ab. Analog dazu können Sie sich auch die Entwicklung der Renditen auf 10-jährige US-Notes (siehe Chart) anschauen, die sich naturgemäß genau entgegengesetzt zum Anleihepreis entwickeln (steigende Anleiherenditen = fallende Anleihekurse und vice versa).

Nachdem die Zinsen im September 2011 während einer Art "Anleiheflucht" auf fast 1,7% gefallen waren, konnte die Rendite seither die Marke von 1,8% nicht mehr unterschreiten. Man könnte dies so interpretieren, dass sich nach einem Panikspike im September nun ein Boden ausbildet.

Welche Ausmaße die Risikoscheu der Investoren mittlerweile angenommen hat, zeigte die Aufstockung einer zehnjährigen Anleihe der Bundesrepublik am vergangenen Mittwoch. Der Bund konnte hier € 4,1 Mrd für lediglich 1,82% Zinsen aufnehmen, was die zweitniedrigste Verzinsung der Geschichte war. Die niedrigsten Renditen musste Deutschland im September 2011 mit 1,8% zahlen. Vor wenigen Wochen bezahlten die Gläubiger den Deutschen Staat sogar dafür, dass sie ihm Geld leihen dürfen. So fiel der Zinssatz auf Geldmarktpapiere mit sechsmonatiger Laufzeit auf minus (!) 0,0122 Prozent.

Derweil leiden die Lebensversicherer unter einem handfesten Anlagenotstand, da sie nicht mehr wissen, mit welcher Asset-Klasse sie ihren Kunden die versprochenen Zinsen erwirtschaften sollen. Die Versicherer müssen also die Verzinsung ihrer Produkte weiter senken und zahlen bei der am weitesten verbreiteten privaten Rentenversicherung erstmals Zinsen unter 4%. Dies macht ihre ohnehin schon wenig attraktiven Produkte noch unattraktiver und bringt die Finanzhäuser in die Bredouille. In dieser Situation versteht es sich von selbst, dass die Versicherer nur darauf warten, bis der Aktienmarkt wieder "grünes Licht" gibt, sodass sie aus Risikogesichtspunkten wieder in Aktien investieren dürfen und ihre Produkte dadurch attraktiver machen können.

Würde sich nun das Bild verfestigen, wonach die Anleihe-Hausse dem Ende zugeht und die oben genannten Preismarken nicht mehr überschritten werden (bzw. aus Sicht der Renditen unterschritten), wäre der Boden für eine breit angelegte Rotation von Kapital aus Staatsanleihen in Aktien bereitet. Wir werden die Entwicklung eines solchen Szenarios an dieser Stelle weiter verfolgen.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten

02.02.2012
Sorgt der US-Immobilienmarkt für das nächste Konjunkturpaket?
Liebe Leser,

der DAX konnte vergangene Woche den Durchbruch über den GD 200 behaupten und bestätigte damit dieses starke Kaufsignal. Auch der Euro konnte seine dynamische Erholungsbewegung fortsetzen und suggerierte den Investoren ein intaktes Turnaround-Szenario an den Börsen. Weitere positive Signale senden die fortgesetzten Aufwärtsbewegungen von Gold, Silber und dem außerordentlich  konjunktursensiblen Industriemetall Kupfer aus. Die Zinsmärkte zeigen ebenfalls eine fortgesetzte Entspannung an. So sank der TED-Spread, als Gradmesser für den "Interbanken-Stress", kontinuierlich weiter ab und auch die Renditen auf 10-jährige italienische (unter 6%) und spanische (unter 5%) Staatsanleihen setzten ihren Sinkflug fort. Lediglich die Risikoaufschläge auf portugiesische Anleihen erreichten mit über 15% neue Rekordstände. Hinzu kam, dass FED-Chef Ben Bernanke die Märkte mit einer Ausweitung der Nullzinspolitik bis Ende 2014 überraschte.

Die Staaten untermauern ihre Absicht, bei den Banken nichts mehr anbrennen zu lassen

Der wichtige US-Bankenindex KBW setzte seine Konsolidierung fort und bewegte sich oberhalb des GD 200 weiter seitwärts. Die Konsolidierungen von Commerzbank und Deutscher Bank sehen  derweil sogar noch etwas bullischer aus, sodass die Aufwärtsbewegung in der "tragenden Säule" der Erholung – dem Bankensektor – intakt erscheint.

Unterstützend könnte hier zum einen die vorzeitige Einführung des dauerhaften Rettungsfonds ESM sowie die Reaktivierung des Bankenrettungsfonds SoFFin gewirkt haben. So wird der bisherige Rettungsschirm EFSF bereits ab Juli 2012 – und damit ein Jahr früher als ursprünglich geplant – vom ESM abgelöst. Der Hauptunterschied ist, dass die Staaten hier tatsächlich Milliarden einzahlen und nicht nur Kreditgarantien bieten müssen. Der ESM wird nun erstmals über einen echten Kapitalstock i.H.v. € 80 Mrd und ein zusätzlich abrufbares Kapital von € 620 Mrd in Form von Kreditgarantien verfügen. Die effektive Ausleihsumme beträgt € 500 Mrd. Mit dieser "Brandmauer" wollen die europäischen Währungshüter das Vertrauen der Investoren zurückbekommen, was angesichts der positiven Euroentwicklung auch zu gelingen scheint. Dazu passend, soll der ESM auch wieder mit der Bestnote AAA bewertet werden, die dem EFSF aberkannt worden war. Für Deutschland, als Euroland-Musterknabe, hat diese Medaille jedoch zwei Seiten. Einerseits ist man auf die Stabilisierung der Gesamtsituation angewiesen. Auf der anderen Seite trägt man mit rund € 22 Mrd Baranteil sowie € 170 Mrd an Garantien auch den Löwenteil und muss nun selbst neue Schulden dafür aufnehmen. Man sieht also, dass die Transferunion längst Wirklichkeit geworden ist.

Als zusätzlich stützend für den deutschen Bankensektor wirkte dann auch die vorübergehende Reaktivierung des Bankenrettungsfonds SoFFin, der 2010 ausgelaufen war. Dieser garantiert nun € 80 Mrd an staatlichen Finanzspritzen für in Not geratene Banken sowie weitere € 400 Mrd an Garantien. Der reaktivierte Fonds soll Ende 2012 wieder auslaufen und kommt gerade recht, um den Banken die Einhaltung der gestiegenen Eigenkapitalanforderungen bis zum Stichtag 30. Juni zu garantieren. Offiziell ist zwar kein deutsches Geldhaus auf staatliche Hilfen angewiesen, aber das Timing der Reaktivierung lässt diesbezüglich zumindest einen "Anfangsverdacht" zu. Die Anleger sehen diese Aktion jedenfalls positiv und honorieren, das der Staat hier nichts anbrennen lassen wird.

Die ifo-Uhr nähert sich der "Boom-Zone"

Die derzeitige Geschäftslage der deutschen Unternehmen wird zwar etwas weniger gut als im Dezember bewertet. Die für die Börse wichtigen Geschäftserwartungen haben sich allerdings merklich aufgehellt, sodass sich das Geschäftsklima nun zum dritten Mal in Folge verbessert hat. Wie Sie auf der ifo-Uhr sehen können, nähert sich dieses Konjunkturbarometer also zielstrebig dem "Boom-Bereich", was ein weiteres deutliches Zeichen dafür ist, dass wir nicht auf die vielbeschworene Rezession zusteuern. Im Gegenteil hellt sich Lage weiter deutlich auf.


Quelle: www.cesifo-group.de

Die US-Immobilienaktien haussieren: Schwingt sich die Erholung des Wohnungsmarktes zum neuen US-Konjunkturpaket auf?

Es gilt als ökonomische Binsenweisheit, dass die Situation im Wohnungsbausektor einen sehr großen Einfluss auf den Rest der Wirtschaft ausübt. Darum ist es aus konjunktureller Sicht auch sehr erfreulich, dass der Immobilienmarkt Index der National Association of Home Builders (NAHB) vergangene Woche den stärksten Anstieg seit 2006/07 verzeichnen konnte. Zur Berechnung des Index werden Bauunternehmer, die exzellente Kenner der aktuellen und zukünftigen Lage auf dem Wohnungsmarkt sind, zu ihren Einschätzungen und Beobachtungen befragt. Wie Sie auf der Grafik erkennen können, scheint die Talsohle am US-Immobilienmarkt durchschritten zu sein und die Lage sollte sich nach und nach weiter aufhellen. Ein sich wieder belebender Immobilienmarkt wäre wie ein zusätzliches Konjunkturprogramm für die US-Wirtschaft. Sehen Sie sich nur den Chart des US-Hausbauindex PHLX an – dieser Hausse-Move und diese relative Stärke lassen jede andere Index-Erholung wie ein Waisenknabe aussehen. Es macht also tatsächlich den Anschein, als könnte 2012 die Erholung des Wohnungsbaumarktes als zusätzlicher starker Konjunkturimpuls der Wirtschaft weiteren Schwung verleihen. Mit ihrer  ausgeweiteten Niedrigzinspolitik befeuert die FED ein solches Szenario jedenfalls aktiv!


Quelle: www.markt-daten.de


Quelle: www.onvista.de

In der Gesamtschau ergibt sich also weiterhin ein positives Bild für die Aktienmärkte. Darum werden wir Korrekturen an den Märkten auch weiterhin zum Einstieg in Qualitäts-Nebenwerte nutzen, von denen wir genügend in petto haben.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten
26.01.2012
Endlich fließt wieder Geld in Aktienfonds!
Liebe Leser,

der wohl positivste Aspekt der aktuellen Aufwärtsbewegung ist die große Dynamik im Bankensektor. Der Optimismus von Commerzbank-Chef Martin Blessing, dass er die Kapitallücke des Geldhauses ohne Staatshilfe wird schließen können, steht symptomatisch für die gute Stimmung im Bankensektor – zumindest aus Investorensicht. Wir hatten erst in der letzten Ausgabe einen genauen Blick auf die Liquiditätsspritzen durch die EZB sowie die koordinierte Aktion internationaler Notenbanken Ende November 2011 geworfen. Und auch eine Woche später können wir feststellen, dass die Aktionen eine nachhaltige Wirkung auf die Aktienmärkte nicht verfehlen. Während die Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen weiter deutlich abgenommen haben und sich die "Entspannungstendenzen" hier weiter fortsetzen, sollte man die Zinsentwicklung portugiesischer Staatsanleihen im Auge behalten. Diese waren vergangene Woche nämlich auf ein neues Hoch geklettert und markierten den höchsten Wert seit mindestens fünf Jahren. Daran sieht man deutlich, dass keineswegs jedwedes Risiko aus dem Markt gewichen ist und es keinen Grund zum Übermut gibt.

Aber auch ein weiterer sehr interessanter Puzzlestein lässt uns aufhorchen, gibt er doch einen Hinweis darauf, dass sich Dinge gerade tiefgreifender ändern. So hatten wir im NWI 47 ausführlich die Kapitalflüsse in und aus US-Aktienfonds analysiert und herausgefunden, dass Anleger soviel Geld aus Aktienfonds abzogen, wie zu Zeiten des Bärenmarktes 2008. Es wurde sogar insofern ein neuer Negativrekord aufgestellt, als es laut unserer Datenreihe noch niemals zuvor sechs aufeinanderfolgende Monate gab, in denen pro Monat mehr als $ 14 Mrd aus US-Aktienfonds abgezogen wurden.

Dieses Austrocknen der Aktienfonds könnte nun jedoch dem Ende entgegen gehen. So ermittelte der Finanzdatenanbieter EPFR laut faz.net, dass in der vergangenen Woche netto fast $ 3 Mrd in Aktienfonds geflossen waren. Fonds, die in europäische Anleihen anlegen und solche, die in Aktien investieren, haben sogar die größten wöchentlichen Zuflüsse seit mehr als zwei Jahren verbucht. Dass in der gleichen Zeit rund $ 12 Mrd aus sicheren Geldmarktfonds abgezogen wurden zeigt, dass das große Kapital gerade rotiert. Die Assetklassen also, welche aufgrund der Schuldenkrise und den Ängsten bezüglich einer großen Rezession, die ganze Zeit über verpönt waren, erfreuen sich nun wieder einer deutlich steigenden Beliebtheit.

In dieser Woche werden sich die Anleger auf die zahlreich zur Veröffentlichung stehenden  Geschäftszahlen großer Unternehmen konzentrieren. So werden in Deutschland unter anderem Siemens und Beiersdorf Zahlen vorlegen. Außerdem erwarten uns die neuen Zahlen des ifo-Instituts. In den USA erreicht die Berichtssaison einen Höhepunkt, da jeden Tag ein Börsenschwergewicht seine Zahlen vorstellen wird. Bislang lagen 60% der berichtenden US-Unternehmen mit ihren Zahlen über den Analystenschätzungen. Das ist erfreulich, liegt aber unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Nach dem dynamischen Kursanstieg der vergangenen Wochen, werden die Aktien bald wieder in den Korrekturmodus übergehen. Diesen wollen wir dann zum Aufbau neuer Positionen nutzen.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten
17.01.2012
Die Pivotal Points geben weiteren Auftrieb
Liebe Leser,

aus marktstrategischer Sicht können wir uns über die abgelaufene Handelswoche nicht beklagen. Die Aktienmärkte setzten ihre Aufwärtsbewegung fort und es war ein Fokussieren auf die guten Nachrichten zu erkennen, während auf schlechte Meldungen mit relativer Stärke reagiert wurde. Lassen wir die wichtigsten Ereignisse im heutigen Intermarket Report nochmals Revue passieren: Merkel und Sarkozy bekräftigten, dass Griechenland ein Euroland bleiben solle und auch weiteren Hilfsmilliarden nichts im Wege stehe, wenn die neue Sparmoral erhalten bleibt. Dann gab Fitch Anfang der Woche Entwarnung für Frankreich und vermeldete, dass man in 2012 keinen Grund für eine Herabstufung sähe. Die US-amerikanische Notenbank FED ließ verlauten, dass sie mittelfristig mit einem zwar langsamen, aber stetigen Wirtschaftswachstum rechne. Als sehr wichtige und positive Marktreaktion sind schließlich die steigenden Kurse nach den Alcoa-Zahlen zu interpretieren. Hier fokussierten sich die Anleger nämlich auf den freundlichen Ausblick, wonach für 2012 mit einer um 7% steigenden Aluminiumnachfrage vor allem durch die Luft-, Raumfahrt- und Automobilindustrie gerechnet wird (2010 waren es +13% und 2011 +10%). Dass der Großkonzern im vierten Quartal einen Verlust verbuchen musste, sahen die Investoren dem Unternehmen dagegen nach.

Bullische Signale aus dem Bankensektor

Ein weiteres starkes Positivum war die Äußerung von Commerzbank-Chef Martin Blessing, dass er die Kapitallücke von € 5,3 Mrd ohne Staatshilfe und auch ohne große Kapitalerhöhung schließen möchte. Aufgrund dieser Nachricht war die Coba-Aktie auf Wochensicht mit einem Plus von fast 16% die mit Abstand stärkste Aktie im DAX, gefolgt von den Finanztiteln Deutsche Bank und Allianz. Im MDAX war die Aareal Bank mit einem Plus von 13% die zweitstärkste Aktie und in den USA brach der Bankenindex BKX aus der Seitwärtsrange aus und konnte sogar den GD 200 zum ersten Mal seit Mai 2011 per Wochenschluss überwinden. Man kann an dieser Stelle gar nicht genug betonen, dass auch im März 2009, also am Boden des Bärenmarktes, der Startschuss für den Bullenmarkt aus dem Bankensektor kam. Wir führten im NWI 44 aus, dass damals die Citigroup mit dem besten Quartalsergebnis seit 2007 den Pivotal-Point für die Aufwärtsbewegung setzte und auch diesmal erst ein Pivotal-Point die Märkte nach oben bewegen wird. Dazu aber weiter unten mehr.

Die indirekten Anleihekäufe der EZB funktionieren und Standard & Poors kann nur kurzfristig schocken

Die Banken scheinen zumindest Teile des € 500 Mrd-Tenders der EZB (siehe NWI 49) für Käufe problematischer Staatsanleihen zu verwenden, sodass die Notenbank-Aktion tatsächlich den Status eines Pivotal-Point einnimmt. So konnten Italien und Spanien vergangene Woche mehrere Milliarden Euro am Anleihemarkt aufnehmen und mussten dafür deutlich niedrigere Risikoaufschläge zahlen als noch bei den vorangegangenen Auktionen. Erfreulicherweise gaben auch die Renditen auf portugiesische und französische Anleihen deutlich nach. Da Italien 2012 mindestens € 337 Mrd, Spanien mindestens € 148 Mrd und Portugal mindestens € 25 Mrd frisches Kapital brauchen, sind gelingende Auktionen zu vernünftigen Zinsen das zentrale Element für die Überlebensfähigkeit der Staaten.


Italy Govt Bonds 10 Year; Quelle: www.bloomberg.com



Portuguese Govt Bonds 10 Year; Quelle: www.bloomberg.com

Am Freitag schickte sich dann die Ratingagentur Standard & Poors an, zur Abwechslung mal wieder zum "Spielverderber" zu avancieren und stufte gleich neuen Euro-Länder herab: Frankreich, Österreich, Malta, Slowakei, Slowenien (je 1 Stufe), Italien, Spanien, Portugal, Zypern (je 2 Stufen). Deutschland blieb dagegen Top-Schuldner und, neben der Slowakei, das einzige Euro-Land mit einem stabilen Ausblick.

Solange die Pivotal-Points halten, liegen die Chancen auf der Oberseite

Man fragt sich nun zurecht, wie all diese Positivfaktoren in das bisherige Bild zu integrieren sind. Schließlich warnten EZB-Chef Mario Draghi und die IWF-Chefin Christine Lagarde noch Mitte Dezember vor "beträchtlichen Abwärtsrisiken und einer tiefgreifenden Rezession". Nun, die zarten aber dennoch präsenten Hinweise auf eine Konjunkturaufhellung (vor allem in den USA; siehe NWI 50), die sinkenden Renditen auf Problemanleihen sowie die Aufbruchssignale im Bankensektor veranlassen uns zu dem Schluss, dass am Aktienmarkt die Chancen nach oben größer sind die Abwärtsrisiken und das Chance-Risikoverhältnis dementsprechend auf der Oberseite liegt. Die fundamentalen Verbesserungen finden ihren Niederschlag natürlich auch in den Chartbildern,  in welchen nun klare Pivotal-Points herauszuarbeiten sind. Im NWI 46 arbeiteten wir eine Volumen-Widerstandszone im S&P 500 zwischen 1220 und 1290 Punkten heraus, die nach wie vor gültig ist. Im untenstehenden Chart sind zusätzlich die wichtigen Pivotal-Points abgetragen.



Zieht man das Volumen als wichtiges Kriterium zur Beurteilung hinzu, dann ist dem 30.11.2011 sogar eine größere Bedeutung zuzusprechen als dem 20.12.2011, dem Tag der Ausgabe des € 500 Mrd-Tenders der EZB. Am 30. November wurden an der NYSE nämlich 1,67 Mrd Aktien mit einem Aufwärtsvolumen von 96% gehandelt, soviel wie seit dem 4. Oktober nicht mehr. Und wie Sie im Chart erkennen können, stellte der 4. Oktober DEN Umkehrtag schlechthin dar und wir verweisen an dieser Stelle gerne auf den NWI 38, als wir die besondere Bedeutung dieses Tages herausarbeiteten und schrieben, dass "die Bullen den Ball auf dem Elfmeterpunkt" haben. In dieser Ausgabe gaben wir dann auch zwei Kauforder auf und stiegen zwei Wochen später auch in unseren Highflyer Bertrandt ein.

Aber auf welche Nachricht genau reagierten die Märkte am 30. November so euphorisch?

Nun, es gab eine recht überraschende konzentrierte Aktion der Notenbanken Europas (EZB), der USA (FED), Großbritanniens, Kanadas, Japans und der Schweiz. Diese einigten sich darauf, bestimmte Zinssätze zu denen Geld verliehen wird zu halbieren. Genaugenommen wurde der Zinssatz für Dollar-Swaps (damit wird anderen Notenbanken Liquidität in Dollar zur Verfügung gestellt) von 100 auf 50 Basispunkte heruntergesetzt. Jetzt können sich vor allem europäische Kreditinstitute, die in den USA tätig sind, wieder besser in US-Dollar refinanzieren. Vor dieser Aktion konnten sich europäische Banken kaum mehr Dollar beschaffen, weil die US-Banken europäische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit akzeptierten. Jetzt können sich Europas Banken direkt bei der EZB billige Greenbacks beschaffen. Hinzu kam, dass die Notenbanken über ein "Liquiditäts-Netzwerk" die Geschäftsbanken in verschiedenen Währungen mit ausreichend Geldmitteln versorgen können, sollten hier Engpässe auftreten. Die Wirkung dieser Großaktion auf die Märkte ist also klar: Die großen Wirtschaftsnationen kooperieren im Falle eines Falles und werden nicht zulassen, dass es aufgrund der Staatsschuldenkrise zu einer Kreditklemme 2.0 kommt.

Zeitgleich senkte die chinesische Notenbank völlig überraschend zum ersten Mal seit drei Jahren die Mindesreserve-Anforderungen für Banken und ermöglicht den Geldinstituten dadurch eine Ausweitung der Kreditvergabe. In der Folge gelangt mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf und die chinesische Konjunktur wird angekurbelt. Die regressive Wirtschaftspolitik Chinas scheint also dem Ende zuzugehen und man nimmt den Fuß vom Bremspedal wieder etwas herunter. Bei allen Risiken die immer noch im Markt schlummern gibt es also genügend Argumente, sich allmählich wieder positiv am Aktienmarkt auszurichten.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank und Torsten
11.01.2012
Die US-Konjunkturindikatoren hellen sich auf
Liebe Leser,
seit der Ausgabe des EZB-Tenders (wir berichteten) bildete der Aktienmarkt seine volatile Aufwärtsstruktur weiter aus und vor allem die US-Indizes konnten die erreichten Kursniveaus auch halten. Wir dürfen also auf die US-Berichtssaison und die Ausblicke der Unternehmen gespannt sein. Besonders interessant werden die Prognoseberichte dahingehend sein, ob sie das positive Bild bestätigen, welches die Konjunkturdaten der vergangen Woche zeichnen. Schauen wir uns diese darum einmal genauer an:

Am Dienstag fiel der ISM Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe besser aus, als von den Analysten erwartet. Dieser Index gehört zu den wichtigsten überhaupt, da er bereits am ersten Geschäftstag eines jeden Monats erscheint und umgehend darüber informiert, wie es der Wirtschaft in den vergangenen vier Wochen ergangen war. Der Indikator ist so aktuell, dass sogar Mitarbeiter der Notenbank FED vor der Veröffentlichung über die Daten in Kenntnis gesetzt werden. Das Kalkül hinter dem Indikator ist einfach: Wenn sich die Produkte der US-Unternehmen einer steigenden Nachfrage erfreuen, dann reagieren die Einkäufer der Konzerne darauf, indem sie mehr Rohstoffe, Produktionsmaterialien etc. bestellen. Wie sie im Chart sehen können, beurteilten die Einkaufsmanager die wirtschaftliche Lage im Dezember wieder deutlich optimistischer und bestätigen damit den im November begonnenen Positivtrend.



Quelle: www.markt-daten.de

Ein weiterer viel beachteter Indikator, der in der vergangenen Woche deutlich besser als erwartet ausgefallen war, ist die Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze. So schuf die US-Wirtschaft im Dezember laut Arbeitsministerium 200.000 mehr Stellen als sie strich (siehe Chart). Experten hatten lediglich mit einem Anstieg von 150.000 Stellen gerechnet. Mittlerweile seien 5,4 Millionen der 11,8 Millionen in der Finanz- und Wirtschaftskrise gestrichenen Stellen wieder aufgebaut worden. Da in den USA zwei Drittel des BIP am Konsum hängen ist die Nachricht, dass immer mehr Menschen bzw. Haushalte über neue Anstellungsverhältnisse wieder zu Geld kommen, natürlich sehr positiv. Denn nur wenn man die Möglichkeit hat Geld zu verdienen, kann man auch welches für den Konsum ausgeben und dadurch die Wirtschaft ankurbeln. Die Daten des privaten Arbeitsmarktdienstleisters ADP verzeichneten sogar den stärksten Anstieg neu geschaffener Jobs seit Beginn der Erhebung 2001.

So ist auch die Arbeitslosenquote zehn Monate vor der Präsidentschaftswahl mit 8,5% auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren gefallen.

Quelle: www.markt-daten.de

Ein weiterer Aussagekräftiger Frühindikator ist der monatlich veröffentlichte Index of Leading Economic Indicators (LEI), der zuletzt Mitte Dezember für den Monat November veröffentlicht wurde. Dieser war im Laufe des Jahres 2011 stark eingebrochen, zeigte zum Jahresende hin allerdings eine positive Trendwende an. Der Index setzt sich aus zehn Einzelindikatoren zusammen die dazu neigen, Veränderungen in der Wirtschaft voranzugehen. Dazu gehören verschiedene Arbeitsmarktdaten, Auftragseingänge, Baugenehmigungen und Konsumerwartungen, aber auch die Aktienkursentwicklung, die Geldmenge oder Zinsspreads. Die positive Tendenz des LEI wird durch die Datenlage der wöchentlich berechneten ECRI Frühindikatoren gestützt, da diese im Begriff sind sich nach dem starken Rückgang in 2011 zu stabilisieren.

Quelle: www.markt-daten.de

Im NWI 40 zogen wir an dieser Stelle die IFO-Konjunkturuhr zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage heran. Je weiter oben die jeweilige Koordinate liegt (vertikal), desto besser sind die Zukunftserwartungen. Je weiter rechts die Koordinate liegt (horizontal), desto positiver ist die Bewertung der aktuellen Lage. Wie Sie sehen, befindet sich die deutsche Wirtschaft immer noch im Abschwung-Modus, wobei sich die im Oktober begonnene Stabilisierung weiter fortsetzt. Ein detaillierter Blick auf die Veröffentlichung zeigt sogar, dass sich die Zukunftserwartungen der Unternehmen zum zweiten Mal in Folge leicht verbessert hatten, sodass die deutsche Wirtschaft weniger stark vom Abschwung Westeuropas tangiert zu sein scheint, als zu befürchten gewesen wäre. So zeigten sich am Freitag auch viele Investoren enttäuscht, als die Daten zu den Auftragseingängen der deutschen Industrie mit einem Minus von 4,8 Prozent unverhofft schlecht ausfielen. Analysten hatten lediglich mit -1,7 Prozent gerechnet.

Quelle: www.cesifo-group.de

Halten wir also fest, dass sich die Situation in der wichtigen US-Wirtschaft deutlich aufhellt, während es in Deutschland aufgrund der starken Auftragsrückgänge einen Rückschritt gab. So passt es auch ins Bild, dass der Euro deutlich nachgab und auch der DAX signifikante relative Schwäche gegenüber den US-Indizes zeigte. Genaueres zur wirtschaftlichen Lage werden wir ab dem 9. Januar erfahren, weil dann Alcoa traditionell die US-Berichtssaison eröffnet. Der genauere Blick auf die Konjunkturindikatoren zeigt also, dass die begonnene volatile Aufwärtsstruktur an den Aktienmärkten aus wirtschaftlicher Sicht gerechtfertigt ist. Die nach wie vor sehr hohen Risikoprämien auf 10-jährige italienische Staatsanleihen (rund 7%) sowie ständig auftauchende Meldungen über Probleme im Bankensektor mahnen uns allerdings, dass die europäische Schuldenkrise jederzeit wieder zurückschlagen kann. Von daher behalten wir im Hinterkopf, dass es wirtschaftlich besser wird, aber die Staatsschuldenkrise noch lange nicht ausgestanden ist und der Markt weiterhin Rückschlagrisiken ausgesetzt ist.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Frank & Torsten

05.12.2011
Intermarket Report nach der Notebank-Intervention
Liebe Leser,
im Intermarket Report richten wir den Fokus heute auf die Marktstruktur und nehmen hier die Volumenentwicklung genauer unter die Lupe. Aufgrund der Volumenanalyse hatten wir im NWI 35 den 8. August als den "Vater aller Paniktage" herausgearbeitet, der die Range nach unten begrenzt und im NWI 38 dann auf die hohe Bedeutung der Umkehr Anfang Oktober ("Die Bullen haben den Ball auf dem Elfmeterpunkt") verwiesen. Wie Sie gleich sehen werden, gab es seither wieder sehr interessante Entwicklungen bezüglich des Volumens.

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08.11.2011
Italien zwingt EZB und Politik auf neue Wege
Liebe Leser,
am Montagabend stellte der griechische Premier mit der unglaublich schlecht getimten Forderung nach einem Referendum über das Rettungspaket die Ergebnisse des vorangegangenen Euro-Gipfels kurzzeitig in Frage und stürzte die Märkte damit ins Chaos. Aber bereits einen Tag später, am vergangenen Mittwoch, nahmen sich Merkel, Sarkozy, Draghi (EZB-Chef) und Lagarde (IWF-Chefin) Papandreou in Cannes zur Brust, sodass dieser seinen zu diesem Zeitpunkt irrwitzigen Plan bereits am Donnerstag wieder aufgab. Stattdessen musste er sich am Wochenende der Vertrauensfrage unterziehen, die er dann auch gewann. Laut dem jetzigen Stand (Samstagabend) möchte Papandreou eine Übergangsregierung bilden, deren Zweck das Durchsetzen der vereinbarten Sparpakete ist, damit der Weg für weitere Hilfsgelder frei ist. Das Hin und Her hat allerdings die Renditen auf 10-jährige Anleihen auf fast 27% steigen lassen, was ein neues Allzeithoch bedeutet. Die Situation spitzt sich also weiter zu.
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02.11.2011
Der Pivotal Chart zur Schuldenkrise
Liebe Leser,

seit der Ankündigung des griechischen Referendums hat sich die Lage an den Aktienmärkten schlagartig verändert. Was Papandreou dazu veranlasste die übrigen EU-Staaten derart vorzuführen, soll zunächst sein Geheimnis bleiben. Machen Sie in diesem Umfeld bitte keine Experimente und stellen Sie den Kapitalerhalt an oberste Stelle. Unter den neuen Vorzeichen ist der gestrige NWI-Intermarket-Report von bedingter Aktualität. Den Pivotal-Chart zu den politischen Aktionen zur Finanzkrise stellen wir Ihnen aber dennoch auszugsweise zur freien Verfügung.

Die Rettungsaktionen und ihre Auswirkungen auf die Aktienmärkte

Vorab muss man festhalten, dass die politischen Aktionen zur Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise zwar maßgeblich die Entwicklung an den Aktienmärkten geprägt haben, diese aber auch von Konjunktursorgen oder den Querelen um die Anhebung der Schuldengrenze in den USA stark beeinflusst wurde. Darum gibt der unten stehende Chart zwar gute Anhaltspunkte bezüglich der Wirkung verschiedener Rettungsmaßnahmen, man sollte aber immer im Hinterkopf behalten, dass sie nicht die einzigen Determinanten im Gesamtbild darstellen. Zur besseren Lesbarkeit können Sie den Chart durch Anklicken vergrößern.



Die erste Rettungsaktion

Als das Schuldenproblem Griechenlands im zweiten Quartal 2010 zu eskalieren drohte, begann die EZB entgegen ihrem Mandat mit Ankäufen griechischer Staatsanleihen, stimmte der Bundestag dem ersten Rettungspaket zu und der EFSF wurde ins Leben gerufen. Die Aktienmärkte erlebten in dieser Zeit den Flash-Crash, konnten sich in einer volatilen Seitwärtsbewegung allerdings wieder stabilisieren und fanden im Anschluss an die Rettungsaktionen eine Basis für die 6-Monats-Hausse von September 2010 bis zum Februar 2011. Der Politik war es hier also am Ende gelungen die Märkte zu beruhigen und den drohenden Verfall zu stoppen. Es ist allerdings wichtig zu beachten, dass die Konjunktur in dieser Zeit noch volle Stärke zeigte und dies ein wichtiger Unterschied zur aktuellen Situation ist, in welcher alles auf eine wirtschaftliche Abkühlung hindeutet.

Die zweite Rettungsaktion und der August-Crash


Im Juli 2011 spitzte sich die Debatte um die Anhebung der Schuldengrenze in den USA sowie einer drohenden Herabstufung des Landes zu. Außerdem verdichteten sich die Hinweise auf eine anstehende konjunkturelle Abkühlung. Als sich dann auch noch die Griechenland-Problematik verschärfte und das Land das zweite Rettungspaket in Anspruch nehmen musste, brachen die Märkte Anfang August unter der Last zusammen. Ein wichtiger Puzzlestein war, dass auf dem EU-Sondergipfel am 21. Juli ein Beschluss gefasst wurde, wonach die europäischen Banken 21% auf ihre griechischen Anleihen abschreiben müssen. Quasi auf dem Fuß kamen europäische und besonders amerikanische Bankaktien unter Druck, und der US-Bankindex BKX ging in den freien Fall über. Aus Angst wurde Panik vor einem Lehman 2.0 aufgrund der Befürchtung, dass weitere Abschreibungen folgen werden und dies Banken zum Fall bringen kann. Dies wiederum hätte eine erneute Kreditklemme verursacht und direkt in eine neue Rezession führen können.

Vor dem August-Crash stellten sich Investoren also die Frage, wie stark die sich abzeichnende Konjunkturabkühlung ausfallen wird. Die Panik vor einem Bankenausfall fungierte dann als Zünglein an der Waage und das Spiel hieß: Rezession oder gar Finanzkrise 2.0. Die Marktkapitalisierung zyklischer Aktienwerte wurde eingestampft und es wurde ein deutlicher Gewinnrückgang eingepreist.

Die dritte Rettungsaktion und der feine Unterschied: die Banken


Am 8. August, dem "Vater aller Paniktage" (siehe NWI 35), begann die EZB mit Anleihekäufen italienischer und spanischer Staatsanleihen. Vor allem die wichtigen US-Indizes haben dieses Tagestief nur noch marginal unterschritten, sodass es bis heute eine sehr hohe Signifikanz hat. Ende September stimmte der Bundestag schließlich einer Erweiterung des EFSF zu und einen Monat später, am vergangenen Mittwoch, erreichten die Rettungsaktionen eine bis dato nicht gekannte Dimension (siehe oben). Dabei gibt es einen in unseren Augen zentralen Unterschied im Reaktionsmuster der Finanzmärkte zu beobachten: Während die Banken nach der Verpflichtung, 21% der griechischen Anleihen abzuschreiben teilweise massive Kursverluste verzeichneten, reagierten sie auf die 50-prozentige Abschreibung mit massiven Kursgewinnen. Beispielsweise legte die Commerzbank, die deutschlandweit mit am stärksten vom Schuldenschnitt betroffen ist, an einem Tag um rund 16% an Wert zu. Was sagt uns dies? Wenn die Katze aus dem Sack ist und der Markt auf schlechte Nachrichten bullisch reagiert, war alles Negative eingepreist und der Weg des geringsten Widerstandes führt nach oben. Diese Belastung ist nun erst einmal vom Tisch.

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24.10.2011
Was uns die Kursreaktionen auf die US-Zahlen über die aktuelle Lage verraten
Die Berichte der US-Unternehmen können sich bislang sehen lassen. Laut Thomson Reuters haben 70% der S&P-Unternehmen die Analystenerwartungen übertroffen und die Gewinne sind gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt um 14,7% angestiegen. Vor drei Wochen war von den Experten "lediglich" ein Anstieg um 13,1% erwartet worden. Der folgenden Tabelle können Sie entnehmen, wie vergangene Woche die Gewinne in Relation zu den Erwartungen ausfielen und wie die Aktie auf das Ergebnis reagierte (Tagesschluss):



11 der dargestellten 16 Großkonzerne konnten die Erwartungen übertreffen. Aber nur 6 der 11 "Überraschungskandidaten" konnten auch tatsächlich auf dem Fuß Kurszuwächse verbuchen. Insgesamt mussten 9 Aktien (56%) am Berichtstag Kursverluste hinnehmen, darunter 5 Werte, die die Prognosen eigentlich übertreffen konnten.

Betrachtet man die Entwicklung der Papiere an den Folgetagen so fällt auf, dass es – außer bei Apple - keine Anschlussverkäufe gab, sondern dass viele der Aktien sich wieder stabilisierten. So bildeten Coca-Cola, IBM, Wells Fargo und ebay allesamt im Laufe der Woche ein höheres Tief aus und Mc Donalds konnte sogar ein neues Allzeithoch generieren. Da viele Aktien im Vorfeld der Zahlen dynamische Anstiege verzeichneten, führten die guten Nachrichten also zu Gewinnmitnahmen und die Luft für große Kurssprünge war erst einmal raus. Die Tatsache allerdings, dass sich die Werte relativ schnell wieder stabilisierten und zum Teil höhere Tiefs ausbildeten spricht dafür, dass die Korrekturbewegung eher kurzfristiger Natur sein sollte.

Analysten und der verspätete Blick in die Zukunft

In der Regel hinken die Einschätzungen der Analysten den tatsächlichen Entwicklungen hinterher. Dies liegt daran, dass sie ihre Modelle erst dann überarbeiten können, wenn sich eine neue Faktenlage ergeben hat – dies braucht Zeit. Der Aktienmarkt hat dagegen eine sehr kurze Reaktionszeit und kann neue Informationen unmittelbar in die Kurse einarbeiten. Aus diesem Grund überrascht es nicht, dass die Analysten, nachdem der Aktienmarkt einen deutlichen Rückgang der Gewinne in den nächsten Quartalen bereits eingepreist hat, nun auch ihre eigenen Prognosen herunterschrauben. Vor allem aus Sorge um eine Konjunktureintrübung in Europa und China senken sie ihre Gewinnerwartungen für das vierte Quartal im Durchschnitt von +15% (Anfang Oktober) auf nunmehr +12,5%. Für das erste Quartal 2012 erwarten sie nicht mehr ein Plus von 10,2%, sondern nur noch von 7,6%. Da der Markt im Augustcrash quasi eine handfeste Rezession eingepreist hat (konjunktursensible Werte wie Salzgitter notieren 40% unter Buchwert), erscheint uns diese Prognosekorrektur sehr moderat. Es bleibt also vorerst abzuwarten ob der Markt aufgrund des psychologischen Belastungsfaktors "Schuldenkrise" überreagiert hat, oder ob die Analysten ihre Prognosen noch stärker herunterschrauben müssen. Die positive Entwicklung der Aktienkurse seit Anfang Oktober impliziert, dass es wohl doch nicht so düster werden sollte, wie befürchtet.

Was sagen die Konjunkturindikatoren?

Der ifo Geschäftsklimaindex fiel vergangene Woche zwar marginal besser aus als erwartet, deutet jedoch eindeutig auf eine intakte Abschwungphase hin (siehe Grafik). Zur Lesart: je weiter oben die jeweilige Koordinate liegt (vertikal), desto besser sind die Zukunftserwartungen. Je weiter rechts die Koordinate liegt (horizontal), desto positiver ist die Bewertung der aktuellen Lage. Die Lage wird im verarbeitenden Gewerbe also als recht gut eingeschätzt, während die Erwartungen zwar nicht düster, aber doch zurückhaltend sind.



ifo Konjunkturuhr; Quelle: cesifo-group.de

Als Frühindikator für den Aktienmarkt ist die "Uhrendarstellung" allerdings nur bedingt zu gebrauchen, wie der folgende Vergleich zeigt: Der letzte Bärenmarkt dauerte von Anfang Januar 2008 (Topp) bis März 2009 (Tief). Schaut man sich diese Zeitpunkte auf der ifo-Uhr an so erkennt man deutlich den nachlaufenden Charakter. So drehte die Uhr erst im März 2008 auf "Abschwung", als die Aktien schon drei Monate im freien Fall waren. Auch haussierten die Märkte schon über drei Monate lang, als die ifo-Zahlen im Juli 2009 offiziell den Aufschwung bestätigten. Interessanter als konkrete Trigger-Signale ist also die angezeigte Tendenz – und diese zeigt eine Abkühlung an. Mehr Informationen als diese erhält man auch nicht, wenn man sich andere Indikationen wie Industrieproduktion, Verbrauchervertrauen oder ECRI Frühindikatoren anschaut. Die Wirtschaft kühlt sich ab und niemand weiß genau, wie stark diese Abkühlung sein wird. Ein Faktor der in diesem Punkt jedoch für große Verunsicherung sorgt und bei positivem Ausgang eine entsprechend positive Wirkung auf die Märkte entfalten dürfte, sind die Wirrungen um die europäische Schuldenkrise.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

So hatte Angela Merkel ihre für vergangenen Freitag geplante Regierungserklärung kurzfristig abgesagt, da die deutsch-französischen Divergenzen eine Einigung hinsichtlich der EFSF-Konstruktion abermals verhinderten. Die Bundesrepublik möchte durch eine Art "Teilkasko-Versicherung" eine Hebelwirkung des EFSF erreichen. Dabei würde der Fonds 20-30% neuer Staatsanleihen von Schuldenstaaten absichern. Frankreich möchte dagegen eine Banklizenz für den Rettungsfonds, was konkret bedeuten würde, dass sich der Fonds direkt Geld bei der EZB besorgen und an kriselnde Länder weitergeben darf. Laut Vertrag der Währungsunion ist es aber verboten, dass die öffentliche Hand direkt Geldspritzen an Krisenländer verteilt. Die Politiker würden dadurch Zugang zur "Gelddruckmaschine" EZB bekommen. Zum Vergleich: Bisher ist es so geregelt, dass der EFSF im Krisenfall Anleihen im Volumen von € 780 Mrd auf dem Kapitalmarkt begeben kann und das aufgenommene Geld als Notkredit an in Schieflage geratene Länder weitergeben würde.

Die kurzfristige Absage der Regierungserklärung führte am Donnerstag in einer ersten Marktreaktion zu deutlichem Verkaufsdruck. Bereits am Freitag zeigten sich die Märkte allerdings wieder sehr stabil, da die Erklärung diesen Mittwoch nachgeholt werden soll. Der Druck auf Deutschland und Frankreich bleibt derweil hoch und wie man an den steigenden Aktienmärkten und dem erstarkenden Euro sieht, rechnen die Märkte fest mit einem positiven Ausgang.

Zwei Szenarien

Beim Zusammensetzen der verschiedenen Puzzleteile ergibt sich somit für uns folgendes Bild: Den Investoren ist klar, dass die Wirtschaft auf eine konjunkturelle Abkühlung zusteuert. Wie stark diese Abkühlung wird und ob sie sich tatsächlich in einer Rezession niederschlägt hängt allerdings davon ab, ob Europa das Schuldenproblem lösen kann. Szenario 1: Würde hier über eine waschechte Bankenkrise die Konjunktur einbrechen, würde dies aufgrund der globalen Vernetzung die Gesamtkonjunktur mitreißen und aus der Abkühlung könnte schnell eine Rezession werden. Die Märkte spielen momentan allerdings das zweite und weitaus positivere Szenario, wonach die Politik eine Eskalation der Schuldenproblematik verhindern kann und der Abschwung dann nicht so stark wird, wie während des August-Crashs befürchtet worden war.

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18.10.2011
Intermarket-Report: "Italien ist unser Brandschutz"
Liebe Leser,

am Samstag trafen sich in Paris die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 größten Wirtschaftsnationen der Welt, um den G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs Anfang November vorzubereiten. Da die G20-Staaten für 85% der weltweiten Wirtschaftskraft stehen, hat eine Mahnung von Seiten dieses Gremiums Gewicht. So richtete man in der Abschlusserklärung ungewöhnlich klare Erwartungen an die Regierungen der Eurozone: "Wir freuen uns auf das Ergebnis des EU-Gipfels am 23. Oktober, die aktuellen Herausforderungen mit einem umfassenden Plan entschieden anzugehen." Im Klartext heißt dies, dass von den Regierungen der Euroländer bis zum kommenden Sonntag die Lösung der Schuldenkrise erwartet wird. Zuvor hatte bereits US-Präsident Obama im Alleingang diese Forderung laut vorgetragen, ganz zu Schweigen vom Druck, den die Kapitalmärkte schon seit geraumer Zeit auf schwache Euroländer und europäische Banken ausüben. Von Merkel und Sarkozy werden also immer vehementer konkrete Lösungsvorschläge eingefordert und sie werden unter steigendem Druck zu Kompromissen gezwungen.

So habe man sich bereits auf eine Rekapitalisierung der Banken geeinigt um die Voraussetzungen für einen Schuldenschnitt Griechenlands zu schaffen. Der Schuldenschnitt würde bedeuten, dass engagierte Banken auf 40 bis 60 Prozent ihrer Forderungen verzichten müssen. Banken, welche die dann erforderlichen Abschreibungen nicht selbst tragen könnten, würden vom Staat gestützt werden.

"Italien ist unser Brandschutz"

Dieser Satz soll von Sarkozy stammen und macht deutlich, wie sehr gerade unsere westlichen Nachbarn unter Druck stehen. Irland, Portugal, Spanien und Griechenland befanden sich bereits im Kreuzfeuer der Märkte und Italien steht gerade besonders in ihrem Fokus. Sarkozy befürchtet nun, dass nach Italien Frankreich an der Reihe wäre, da die hiesigen Banken besonders stark in griechische Schuldpapiere investiert sind. Die BNP Paribas ist mit Forderungen i.H.v. € 3,5 Mrd an den griechischen Staat mit Abstand der größte Gläubiger unter den Banken. BPCE und Société Générale fordern gemeinsam rund € 2 Mrd (Quelle: ftd.de). Man sollte aber nicht vergessen, dass auch die Commerzbank (€ 2,4 Mrd) und die Deutsche Bank (€ 1,2 Mrd) stark betroffen sind.

Dass die Sorge der Franzosen berechtigt ist, zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Risikoprämien. Während sich die Renditen in Portugal und Spanien auf hohem Niveau eingependelt haben, aber nicht mehr weiter ansteigen, hatten die italienischen Renditen vergangene Woche mit 5,9 % den höchsten Stand seit der Panik-Spitze Anfang August erreicht. Und dies trotz fortgesetzter Stützungsmaßnahmen durch die EZB. Sehr viel mehr Aufwärtsdynamik war allerdings bei der Risikoprämie auf französische Schuldverschreibungen zu beobachten. Binnen zwei Wochen stieg diese um rund 0,6 Prozentpunkte auf 3,13 % an. Dies ist absolut und relativ betrachtet noch kein Besorgnis erregender Wert. Die Dynamik des Anstiegs lässt allerdings aufhorchen und ist weiter zu verfolgen.



10-jährige italienische Staatsanleihen; Quelle: bloomberg.com



10-jährige französische Staatsanleihen; Quelle: bloomberg.com

Die plötzliche Kompromissbereitschaft bei Merkel und Sarkozy kommt also nicht von ungefähr. Die internationalen Kapitalmärkte sowie die mächtigsten Regierungen weltweit fordern schnellstmöglich eine konkrete Lösung des Problems ein. Wie immer, wenn der Druck zu groß ist, werden die Politiker auch liefern und am kommenden Sonntag ihr Ergebnis präsentieren. Es wird darauf hinauslaufen, dass die Stabilität der Banken im Umfeld des Schuldenschnitts staatlich garantiert wird, was im Umkehrschluss aber auch bedeutet, dass sich manch ein Staat durch Rettungsmaßnahmen selbst in die Bredouille bringen kann. Dennoch sollte die Aussicht auf ein Ende der ewig schwelenden Schuldenproblematik die Aktienmärkte in ihrem Aufwärts-Bias weiter festigen.

Berichtssaison: Positive Impulse bei Aktien von Wirtschaftsunternehmen deuten sich an

Der Aluminiumkonzern Alcoa eröffnete die Berichtssaison am vergangenen Dienstag und konnte die Erwartungen der Analysten nicht erfüllen. Der Kurs rutschte allerdings nur sehr kurzfristig ab und stabilisierte sich rasch wieder, sodass auf Wochensicht sogar ein Plus von 2,3% verbucht werden konnte. An dieser ersten Marktreaktion ist abzulesen, dass die Anleger nicht panisch auf jedes Aufblitzen des Rezessionsgespenstes reagieren und die Abwärtsimpulse aus der Berichtssaison eher schwach ausfallen sollten. Alcoa Chef Klaus Kleinfeld hatte durchaus bemerkt, dass sich die Nachfragedynamik in Europa abschwächt, nannte als Hauptgrund dafür allerdings die Ängste wegen der Schuldenproblematik, über welche sich die Europäer selbst in eine Rezession "hineinsorgten". Aus Asien kämen ungebrochen positive Impulse, sodass der Umsatz um 21 % gesteigert werden konnte. Für dieses Jahr rechnet er trotz der Europa-Krise mit einem steigenden Aluminium-Absatz von 12 % und bis 2020 mit einem jährlichen Mehrverbrauch von 20 %. Die Weichen stehen also übergeordnet immer noch auf Wachstum.

Entsprechend dieser positiven Grundstimmung wurde Google für seinen Gewinnsprung mit einem Kursplus von 6% gefeiert und Pepsico schloss nach Zahlen 3% höher. Kritischer war man da bei JP Morgan Chase. Der Bank verzieh man die schlechten Zahlen nicht und strafte sie mit minus 4,8 % ab. Diese Differenzierung zwischen Industrie- und Bankaktien könnte sich durchaus als roter Faden durch die Berichtssaison ziehen, da die Geldhäuser noch am Freitag mit teils empfindlichen Abschlägen auf die Androhung von Herabstufungen durch Fitch reagierten und sich auch charttechnisch lange nicht so stabil zeigen, wie die Aktien der Wirtschaftsunternehmen.

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11.10.2011
Volumenanalyse und Interpretation des Aktienmarktes
Liebe Leser,

die Aktienmärkte zeigten sich in der vergangenen Woche fast schon resistent gegenüber schlechten Nachrichten und starteten am Dienstag einen markanten Aufwärtsimpuls. Im Intermarket Report haben wir uns dieses Marktverhalten aus volumentechnischer und marktpsychologischer Sicht etwas näher angeschaut. Bitte beachten Sie, dass diese Analyse bereits am Samstag erstellt wurde und die jüngsten politischen Entwicklungen deswegen nicht berücksichtigt.

Die Volumenanalyse zeigt, dass die Bullen den Ball auf dem Elfmeterpunkt haben

Im Nebenwerte Investor Nr. 35 wurde an dieser Stelle der 8. August als "Vater der Paniktage" herausgearbeitet, der die untere Range im S&P500 abstecken sollte. Bislang hat dies mustergültig funktioniert und der kurzfristige Bruch der Marke am vergangenen Dienstag trägt momentan noch den Anschein eines Fehlausbruches. Da Tagen mit extremem Volumenverhalten oft eine größere Bedeutung zukommt, wollen wir uns die auffälligsten Tage seit Anfang August noch einmal genauer anschauen.

Seit dem Panik-Peak am 8. August (siehe NWI 35) gab es 4 Handelstage mit Volumenspitzen und einen weiteren Tag, der durch ein besonders hohes Abwärtsvolumen auffiel. Diese Tage sind im Chart markiert. Am 18. August wurden an der NYSE 1,62 Milliarden Aktien gehandelt, wovon rund 99% Kursverluste verbuchen mussten; die Put-Call-Ratio, ein Angstbarometer, erreichte mit 1,49 ein Spitzenniveau und den höchsten Wert seit der Flash-Crash-Korrektur, als die PCR am 20. Mai 2010 bei 1,53 schloss. Der Abwärtsdruck war also enorm groß, reichte jedoch nicht aus um den Index auf ein neues Tief zu drücken. Dies sagt uns, dass die Bären hier kräftig Pulver verschossen hatten, aber nicht mehr erfolgreich waren. Und so führten auch die folgenden hochvolumigen 96- und 97-prozentigen Abwärtstage nicht mehr zu einer Fortsetzung des Abverkaufs und einem nachhaltigen Bruch des Paniktiefs vom 8. August. Treten an Widerständen oder Unterstützungen hohe Volumina auf, ohne dass es zu weiteren Kursgewinnen oder -verlusten kommt, so spricht dies in der Regel für ein Ende oder zumindest eine deutlich nachlassende Dynamik der vorangegangenen Trendbewegung.



Am vergangenen Mittwoch erlebten wir sodann einen fast mustergültigen Turnaround-Tag in den wichtigen US-Indizes. Diese eröffneten zu Handelsbeginn entweder mit einem Down-Gap oder wurden stark abverkauft. Im Tagesverlauf drehte sich das Blatt allerdings völlig, sodass die Kurse am Abend deutlich über den Eröffnungen und vor allem weit oberhalb der Tiefkurse schlossen. Da an diesem Tag mit 1,66 Milliarden gehandelten Aktien das dritthöchste Handelsvolumen seit der Crashbewegung Anfang August gemessen wurde, ist die Umkehrbewegung als signifikant einzustufen. Dass an diesem Tag 86% der gehandelten Aktien Kursgewinne verzeichneten, bestätigt das positive Szenario.

Die Bullen haben den Ball also auf dem Elfmeterpunkt liegen und müssen nun liefern. Aus preislicher Sicht haben sie dies auch getan, da bis zum Wochenschluss konstante Kursgewinne zu verzeichnen waren. Das Volumen hatte zwar wieder abgenommen, verharrte jedoch bis zum Wochenschluss bei steigenden Notierungen über 1,1 Milliarde gehandelten Aktien. An den beiden Folgetagen nach dem Umkehrtag wurde sogar ein Aufwärtsvolumen von 83% bzw. 94% verzeichnet, was die Aufwärtsbewegung grundsätzlich stützt. Von dieser Warte aus stehen die Chancen also nicht schlecht, dass das nächste Preistief ein höheres wird und sich eine Aufwärtsstruktur ausbilden kann.

Verändertes Marktverhalten: Gute Nachrichten wirken stärker als schlechte

Immer dann, wenn die Börse trotz schlechter Nachrichten steigt, ist es Zeit inne zu halten und über einen anstehenden Paradigmenwechsel nachzudenken. Was waren die schlechten Nachrichten?
  • Der belgisch-französische Kommunalfinanzierer Dexia hatte zwar im Sommer noch den europäischen Stresstest glatt bestanden, hatte jedoch jüngst Liquiditätsprobleme und kann sich nun nicht mehr selbst helfen. Die Bank ist mit insgesamt € 21 Mrd in Anleihen europäischer Schuldenstaaten engagiert und hat hier noch deutlichen Abschreibungsbedarf. Mit einer Bilanzsumme von € 520 Mrd ist das Geldhaus systemrelevant, soll nun zerschlagen und von Frankreich und Belgien aufgefangen werden. Da Belgien aber selbst hoch verschuldet ist, drohte die Ratingagentur Moody's dem Land bereits mit einer Abstufung der Bonität.
  • Moody's stuft die Bonität der britischen Großbanken RBS und Lloyds ab und Fitch senkt den Daumen für Italien und Spanien.
  • Die Deutsche Bank korrigierte ihre Gewinnwarnung aufgrund der sich ausweitenden Staatsschuldenkrise für das 2011 nach unten.
Viel stärker fokussierte sich der Markt dagegen auf die positiven Nachrichten. So teilte EZB-Chef Jean-Claude Trichet nach seiner letzten Ratssitzung am Donnerstag mit, dass die Leitzinsen unverändert bei 1,5% verharren. Dies war keine große Überraschung und von den meisten Analysten so erwartet worden. Wichtiger war die Bereitstellung langfristiger Liquiditätslinien für Banken, wonach die Geldhäuser im Oktober bzw. Dezember für 12-13 Monate soviel Geld bekommen, wie sie benötigen. Dieser sogenannte 12-Monatstender bewährte sich bereits in der Finanzkrise und führte damals zu mehr Vertrauen der Banken untereinander. In der Krise legte die EZB insgesamt drei dieser Tender auf, wobei sich beim ersten europaweit über 1000 Euro-Banken insgesamt € 442 Mrd ausliehen. Es wird also interessant sein, wie groß die Nachfrage diesmal sein wird.

Die US-Berichtssaison wird den nächsten Impuls geben

Am Dienstag startet Alcoa traditionell die US-Berichtssaison. Es ist damit zu rechnen, dass die Zahlen und Ausblicke ein wichtiger Impulsgeber für den weiteren Kursverlauf an den Börsen sein werden, da sie den Anlegern Klarheit über die tatsächliche Situation in der Realwirtschaft geben werden. Von daher blicken wir gespannt auf die nächsten Wochen und werden abwarten, ob die Bullen ihren Elfmeter verwandeln können.

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